Aufsichtsrat uneinig

Führungskrise am BER brodelt weiter

Berlin - Am Krisenflughafen BER bleibt Karsten Mühlenfeld erst einmal Geschäftsführer. Der Aufsichtsrat konnte sich jedoch nicht einigen und muss deshalb nachsitzen.

Die Führungskrise bei der Berlin-Brandenburger Flughafengesellschaft schwelt weiter. Eine Sondersitzung des Aufsichtsrats über die Zukunft von Flughafenchef Karsten Mühlenfeld blieb in der Nacht zum Donnerstag ergebnislos.

Das Gremium will nun bei einem weiteren Treffen an diesem Montag eine Lösung finden. Hintergrund sind die immer neuen Probleme auf der Baustelle des neuen Hauptstadtflughafens (BER). Aus den Oppositionsfraktionen im Berliner Abgeordnetenhaus kam scharfe Kritik an der mangelnde Entscheidungsfähigkeit des Kontrollgremiums.

Der Fraktionsvorsitzende der FDP, Sebastian Czaja, sagte: "Diese Sitzung zeigt, dass beim BER alles länger dauert. Es ist bedauerlich, dass der Aufsichtsrat keine klare Position zu dieser wichtigen Personalentscheidung treffen kann."

Reaktionen aus der Politik

Für den Generalsekretär der Berliner CDU, Stefan Evers, ist "vor allem die fatale, immer wiederkehrende Einmischung der Politik das Gift in den Adern der Flughafengesellschaft". Für die vor kurzem angekündigte Entlassung des Technikchefs Jörg Marks trage Mühlenfeld die Verantwortung. Der Aufsichtsrat habe sich da nicht einzumischen, sagte Evers am Donnerstag dem Sender 105'5 Spreeradio.

AfD-Fraktionschef Georg Pazderski nannte die Vertagung der Entscheidung über Mühlenfeld "eine weitere gravierende Fehlleistung" des Aufsichtsrats. Die augenscheinliche Unfähigkeit zu handeln zeige die gesamten Misere, an der die politischen Spitzenvertreter von SPD, CDU, Grünen und Linken schuld seien. Der Aufsichtsrat müsse endlich mit wirklichen Experten besetzt werden.

Im Aufsichtsrat scheiterte Mühlenfelds Ablösung nach dpa-Informationen am Widerstand Brandenburgs. Der Bund und Berlin wollten Mühlenfeld entlassen, weil er die Beurlaubung von Marks gegen den Willen des Aufsichtsrats getroffen hatte. Es ist jedoch unklar, ob Mühlenfeld dabei gegen Regeln verstoßen hat. Der Bund und Berlin sehen jedenfalls das Vertrauensverhältnis erschüttert.

Eröffnung des Berliner Flughafens schon fünf Mal verschoben

Nach Informationen aus Aufsichtsratskreisen war auch eine Mehrheit der Arbeitnehmervertreter im dem Gremium zu einem Rauswurf Mühlenfelds bereit. Berlin schlug vor, dass der Flughafenkoordinator der Senatskanzlei, Engelbert Lütke Daldrup, vorübergehend die Geschäfte führt, bis ein geeigneter Nachfolger gefunden wird. Dies hätten die Vertreter Brandenburgs aber abgelehnt, hieß es. Auch die deutschen Fluggesellschaften hatten vor einem Rauswurf Mühlenfelds gewarnt, weil sie neue Verzögerungen am BER befürchten.

Die Länder Berlin und Brandenburg und der Bund sind gemeinsam Eigentümer des Unternehmens, das den krisenbehafteten neuen Berliner Großflughafen baut. Nach neuen Verzögerungen auf der Baustelle hatte Mühlenfeld in der vergangenen Woche den Bauleiter ausgewechselt. Auf Technikchef Marks folgte der Ex-Bahn-Manager Christoph Bretschneider - obwohl die Flughafen-Eigner dagegen waren.

Nach dpa-Informationen gab es im Aufsichtsrat auch Stimmen für eine Rückkehr von Marks. Er ist formell noch nicht entlassen, sondern zunächst nur freigestellt. Zudem soll auch über eine Ablösung von Finanzchefin Heike Fölster diskutiert worden sein.

Die Eröffnung des Flughafens BER ist seit Baubeginn 2006 schon fünf Mal verschoben werden, das Projekt ist inzwischen mehr als fünf Jahre im Verzug. Grund sind Technikprobleme, Fehlplanungen und Baumängel. Die Baukosten stiegen seit dem ersten Spatenstich von 2 auf 6,5 Milliarden Euro, wobei ein Teil davon auf Erweiterungen entfällt.

dpa

Rubriklistenbild: © AFP

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