Verbraucher

Gegen den Konsumrausch: „Kauf-nix-Tag“ will aufrütteln

„Leihladen“
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Die freiwilligen Mitarbeiterinnen Anne Deneke (l) und Dana Lorentz-Sengöz stehen vor einem Stapel Puzzles, die man ausleihen kann.

Shopping und Schnäppchenjagd haben in der Vorweihnachtszeit Hochkonjunktur. Doch es gibt auch wachsende Bedenken angesichts von Wegwerfmentalität und Ressourcenknappheit.

Maintal/Frankfurt - Bohrmaschine, Bollerwagen, Bierzelt-Garnitur: Im „Leihladen“ im hessischen Maintal lagern Dinge, die man ab und an, aber nicht täglich braucht.

Registrierten Nutzern steht eine Auswahl an knapp 900 Gegenständen zur Verfügung, die sie gegen zwei Euro Mitgliedsbeitrag pro Monat und ein Pfand ausleihen können. Die Zahl der Interessenten steigt seit dem Start des Ladens vor vier Jahren immer weiter an, inzwischen sind es rund 300 Nutzer, wie Mitbegründer Florian Grünert sagt. Sie kommen aus dem gesamten Umkreis, auch aus dem 15 Kilometer entfernten Frankfurt. Das Ziel: weniger Konsum und mehr Nachhaltigkeit.

Diese Ziele verfolgt auch ein Aktionstag am Samstag (27. November), der „Kauf-nix-Tag“. Nach dem Vorbild des weltweiten „Buy-nothing-day“ ruft er alljährlich Ende November zum 24-stündigen Konsumverzicht auf. In den USA fällt der Tag bewusst auf den Tag nach Thanksgiving, den „Black Friday“, an dem dort traditionell das Weihnachtsgeschäft beginnt und die Händler den Konsumrausch mit vielen Sonderaktionen befeuern. Deutschland und andere europäische Länder folgen dann mit dem Aufruf zum Nix-Kaufen einen Tag später, am letzten Samstag im Monat.

Leihen, was man nur selten braucht

Die Idee stößt bei Leihladen-Gründer Grünert auf Gegenliebe. „Wir leben über unsere Verhältnisse in Europa“, sagt er. Elektrogeräte, Party- oder Camping-Zubehör, Gartengeräte oder Werkzeuge, die man nur selten brauche, müsse man nicht neu kaufen, sondern könne sie leihen und dadurch teilen. Er persönlich achte vor allem darauf, nur Dinge zu kaufen, die er dauerhaft benutze. Weniger besitzen bedeutet für Grünert Freiheit: „Dann muss ich mich auch nicht um die Dinge kümmern“, sagt er. Gleichzeitig spare er Geld.

Auch Werkzeug wie eine Bohrmaschine - in vielen Haushalten selten gebraucht - lässt sich ausleihen.

Konzepte bewussten und nachhaltigen Konsums haben sich zu einem zunehmend breiter werdender Trend formiert, wie Theresa Schleicher, Handelsexpertin beim Zukunftsinstitut (Frankfurt am Main/Wien) sagt. „Das ist aus einer Nische heraus zu einem Gesellschaftsphänomen geworden.“ Die Corona-Pandemie habe die Entwicklung noch verstärkt, da sie zu einer Konzentration auf das Wesentliche, mehr Gemeinschaftssinn und Klima- sowie Umweltbewusstsein geführt habe.

Daran kämen die Unternehmen nicht mehr vorbei und entwickelten entsprechende Angebote. Leih- und Kreislaufkonzepte etwa in der Modebranche und wiederverwertbare oder reduzierte Verpackungen im Online-Handel seien Beispiele. Schleicher beobachtet eine regelrechte Aufbruchstimmung.

Frustkäufe häufen sich an

Und wie kann man sich trotz Schnäppchenangeboten in Konsumzurückhaltung üben? Die Bloggerin Esther Stark aus dem mittelhessischen Hungen hat dafür Tipps zusammengetragen. Sie ist Minimalistin und teilt ihre Erfahrungen in sozialen Netzwerken wie Youtube und Facebook. Wegwerf-Mentalität und Berichte über skandalöse Produktionsbedingungen in der Textilwirtschaft hätten sie vor Jahren aufgerüttelt. Auch ihr Ziel ist, nur zu besitzen, was sie wirklich nutzt. Und möglichst gebraucht zu kaufen.

Die 38-Jährige empfiehlt, Wünsche zunächst auf eine Liste zu schreiben und diese erst nach einer längeren Zeitspanne wieder zur Hand zu nehmen. „Oft ist es dann so, dass ich die Sachen einfach wieder herunter streiche, weil ich weiß, das will ich eigentlich gar nicht.“

Auch Campingzubehör wie Isomatten kann geliehen statt gekauft werden.

Früher sei sie eine Frustkäuferin gewesen, berichtet die Bloggerin. Shoppen sollte für Ausgleich sorgen nach einer stressigen Woche. „Doch das Hochgefühl war oft schon weg, wenn ich das Kaufhaus verlassen habe“, erinnert sie sich. Häufig seien es Sachen gewesen, die sie nicht genutzt habe und die dennoch zuhause Platz weggenommen haben, wie Kosmetik-Artikel oder Kleidungsstücke. Inzwischen habe sie ein besseres Gefühl dafür, was sie wirklich brauche: Zur Entspannung etwa seien Sport oder ein heißes Bad geeigneter als Shopping. dpa

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