Leere Automaten befürchtet

Geldboten legen Arbeit nieder

+
Beschäftigte der Geld- und Wertbranche demonstrieren während eines Warnstreiks in Berlin. Foto: Britta Pedersen

Vor der nächsten Tarifverhandlungsrunde setzen die Geldboten mit Streiks ein Zeichen. Das könnte dazu führen, dass an manchen Automaten das Bargeld knapp wird.

Berlin (dpa) - Geldboten in neun Bundesländern haben die Arbeit niedergelegt. Sie machten sich damit für eine deutliche Lohnanhebung und einen einheitlichen bundesweiten Tarifvertrag stark.

Als Folge des ganztägigen Warnstreiks könnten Geldautomaten in einigen Regionen vorübergehend die Scheine ausgehen. Die Boten beliefern diese Automaten sowie Bankfilialen und Einzelhändler mit Bargeld. Die Tarifrunde für rund 11 000 Beschäftigte wird am Montag in Hannover fortgesetzt.

Am Warnstreik hätten sich rund 1000 Mitarbeiter an 19 Standorten beteiligt, sagte der Verhandlungsführer der Gewerkschaft Verdi, Volker Nüsse, der Deutschen Presse-Agentur. In München versammelten sich nach seinen Angaben 400 Mitarbeiter zu einer Kundgebung. Bei den Geldtransportfirmen Ziemann in Berlin und Prosegur in Potsdam seien die Werkstore kurzzeitig blockiert worden, um Fahrzeuge an der Abfahrt zu hindern.

In Hamburg, Berlin, Bayern, Rheinland-Pfalz und im Saarland seien fast alle Betriebe vom Streik betroffen gewesen. Auch in Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Hessen gab es Arbeitsniederlegungen. Regional sei mit Einschränkungen bei der Bargeldversorgung zu rechnen. Es könne durchaus sein, dass einige Geldautomaten am Wochenende leer seien, sagte Nüsse.

Bis zum Nachmittag habe es keine negativen Rückmeldungen gegeben, berichtete eine Sprecherin des Bankendachverbands Deutsche Kreditwirtschaft. Banken und Sparkassen hätten sich auch mit Notfallplänen auf den Streik vorbereitet. Sie könnten zum Beispiel stark genutzte Geldautomaten mit hauseigenen Beständen füllen.

Verdi verlangt für die Geldboten eine Lohnerhöhung von 1,50 Euro pro Stunde und eine Angleichung der regionalen Tariflöhne. So erhalte ein Berliner Geldtransporteur mit 11,24 Euro derzeit 4,49 Euro weniger als ein Kollege in Nordrhein-Westfalen. Vor allem in den östlichen Bundesländern, aber auch in Schleswig-Holstein, im Saarland und in Rheinland-Pfalz lägen die Stundenlöhne nur knapp über dem gesetzlichen Mindestlohn.

Die in der Bundesvereinigung Deutscher Geld- und Wertdienste (BDGW) organisierten Arbeitgeber kritisierten die Forderungen als zu hoch. Trotz schwieriger Branchenlage habe man im Dezember Lohnerhöhungen zwischen 2 und 3 Prozent angeboten, sagte BDGW-Verhandlungsführer Andreas Paulick. Die Bedeutung des Bargelds als Zahlungsmittel nehme stetig ab. "Wir bewegen uns in einem schrumpfenden Markt." Der Streikaufruf vor der neuen Verhandlungsrunde am Montag zeige "leider sehr deutlich, dass Verdi Streiks als erstes und nicht als letztes Mittel sieht", kritisierte er.

Mehr zum Thema

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

Google startet neuen Musik-Streamingdienst: YouTube Music auch in Deutschland

YouTube ist die populärste Videoplattform. Google will darauf aufbauen, um mit einem neuen Musik-Streamingdienst Spotify und Apple Music Konkurrenz zu machen.
Google startet neuen Musik-Streamingdienst: YouTube Music auch in Deutschland

Audi-Chef Stadler unter Betrugsverdacht verhaftet

Im Abgasskandal bekommt Audi-Chef Stadler die harte Hand der Justiz zu spüren. Wegen Verdunkelungsgefahr nahmen Ermittler ihn in U-Haft. Ein vorläufiger Nachfolger steht …
Audi-Chef Stadler unter Betrugsverdacht verhaftet

Leichter Preisrückgang bei Strom und Gas im ersten Halbjahr

Heidelberg/München (dpa) - Strom und Gas für Haushaltskunden sind im ersten Halbjahr 2018 etwas billiger geworden. Der Preis sank nach Angaben der Vergleichsportale …
Leichter Preisrückgang bei Strom und Gas im ersten Halbjahr

Audi-Chef Stadler in U-Haft genommen - Staatsanwaltschaft nennt Gründe

Neuer Paukenschlag in der Abgasaffäre: Audi-Chef Rupert Stadler wurde festgenommen und sitzt nun in Untersuchungshaft. Vergangene Woche war bereits sein Haus durchsucht …
Audi-Chef Stadler in U-Haft genommen - Staatsanwaltschaft nennt Gründe

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.