Autoindustrie sagt offenbar ab

Gespräche geplatzt - drohen jetzt Diesel-Fahrverbote?

Stuttgart - Die Autoindustrie hat Berichten zufolge einen „Diesel-Gipfel“ in Stuttgart platzen lassen. Damit könnten temporäre Fahrverbote für bestimmte Dieselautos näher rücken.

Fahrer von Dieselautos hatten zuletzt wahrlich wenig Grund zur Freude - allerhand Skandale erschütterten den Spaß am Fahren. Nun könnte es womöglich noch dicker kommen. Denn offenbar ist ein geplanter „Diesel-Gipfel“ zwischen der baden-württembergischen Landesregierung und der Autoindustrie am Donnerstag kurzfristig geplatzt. Die Industrievertreter hätten den Termin abgesagt, berichtet die Welt in ihrer Online-Ausgabe. Damit könnten temporäre Fahrverbote für einige Dieselmodelle in vielen Städten näher rücken.

Eigentlich hätte in den Gesprächen ein gangbarer Weg zur Nachrüstung von Diesel-Motoren der Klasse Euro 5 gefunden werden sollen, heißt es. Noch bis 2015 wurden diese Autos verkauft. Schon ab 2018 könnte ihnen aber vielerorts der Zutritt zu den Innenstädten verwehrt bleiben. Unklar ist, wer für eine Nachrüstung auf die Abgas-Stufe Euro 6 zahlen soll.

Wer zahlt für die Umrüstung?

Die Autobauer wollen offenbar nicht die alleinige Haftung übernehmen. Man habe „gemäß den gesetzlichen Bestimmungen einwandfreie Produkte geliefert“, zitiert die Welt die Industrievertreter. „Es ist klar, dass die Hersteller dafür aufkommen müssen“, heiße es hingegen aus dem Verkehrsministerium in Stuttgart.

Zeit für allzu langes Kostengerangel bleibt nicht mehr. In mehr als 40 deutschen Städten ist an viel befahrenen Straßen die Luft höher belastet als erlaubt; darunter etwa auch München, wie merkur.de berichtet. Deswegen stehen viele Kommunen unter Druck. Die Städte wollten zwar keine Fahrverbote, kämen aber wegen der Luftbelastung wohl nicht drumherum, sagte der Vizepräsident des Städtetags, Ulrich Maly, Ende April.

Auch Euro-6-Motoren stehen schon wieder in der Kritik

Bei einer Ministerkonferenz hielten unlängst auch die Länder Berlin, Baden-Württemberg, Bremen und Hessen in einer Protokollnotiz fest, dass auch eine „Blaue Plakette“ auf der Agenda bleibe, falls eine Nachrüstung nicht schnell genug vorankomme. Damit könnten schmutzige Dieselautos aus den Städten herausgehalten werden. Die Mehrheit der Verkehrsminister und Bundesminister Alexander Dobrindt (CSU) lehnten dagegen Fahrverbote ab.

Wie der Streit ausgeht, scheint noch offen. Das abgesagte Treffen vom Donnerstag solle „zeitnah nachgeholt“ werden, hieß es. Aber selbst wenn es zu einer Einigung kommt: Auch die neue Euro-6-Norm für Diesel steht schon wieder in der Kritik. Aktuellen Tests des Umweltbundesamtes zufolge stoßen Diesel, die der aktuell gültigen Abgasnorm Euro 6 entsprechen, auf der Straße im Schnitt 507 Milligramm Stickoxide pro Kilometer aus - der Grenzwert liegt aber bei nur 80 Milligramm. Die Fahrverbote - und den Schaden - könnten letztlich die Autofahrer haben.

fn (mit dpa)

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