Anwohner genervt

Güterwagenlärm: Bahn testet kleinere Lärmschutzwände

Ein Güterzug fährt im Rheintal an einer direkt am Gleisbett platzierten niedrigen-Lärmschutzwand vorbei. Foto: Thomas Frey
+
Ein Güterzug fährt im Rheintal an einer direkt am Gleisbett platzierten niedrigen-Lärmschutzwand vorbei. Foto: Thomas Frey

Vorbeirauschender Güterverkehr nervt Anwohner in vielen Regionen Deutschlands. Riesige Schutzwände sollen Geräusche abhalten. Irgendwann können sie vielleicht auch eine Nummer kleiner sein.

Berlin (dpa) - Die Deutsche Bahn (DB) testet neue Techniken für den Schutz vor Güterwagenlärm. "Beispielsweise sind das niedrige Lärmschutzwände und sogenannte Mini-Schallschutzwände, die direkt an den Gleisen gebaut werden", sagte der DB-Lärmschutzbeauftragte, Andreas Gehlhaar, der Deutschen Presse-Agentur.

Damit wären die meterhohen grauen Aluschallschutzwände bei Wohnbereichen künftig vielleicht nicht mehr überall nötig. Auch Schienenstegdämpfer sollen getestet werden.

Derzeit werden in einem vom Bund finanzierten und bereits laufenden Projekt rund 30 Techniken zur Lärmminderung erprobt, wie es von der Bahn hieß. Viele der Modelle sollen in diesem Jahr an Streckenabschnitten zwischen München und Regensburg sowie zwischen Berlin und Cottbus errichtet werden. Danach soll es Messungen geben. Das Projekt laufe bis Ende 2020.

Vor Jahren hatte die Bahn schon einmal ähnliche kleine Lärmschutzwände im Mittelrheintal getestet. Die Region gilt in Deutschland als besonders lärmbelastet durch den Bahnverkehr. Lärm durch Verkehr - ob bei Eisenbahn, auf der Straße oder bei Flugzeugen - ist vielerorts für Anwohner ein Reizthema.

Neben den Schutzwänden sollen auch leiser rollende Güterwagen helfen, den Lärm beim Schienenverkehr in Deutschland zu mindern. Seit Jahren rüstet die Deutsche Bahn ihre Flotte um. Insgesamt sind in Deutschland rund 180.000 Güterwagen unterwegs, etwa ein Drittel entfällt auf die Bahntochter DB Cargo. Daneben gibt es noch eine Reihe anderer Betreiber von Güterverkehr.

Die Deutsche Bahn hat einen Großteil der Flotte bereits umgerüstet. "Wir sind aktuell bei rund 53.000 leisen Güterwagen", sagte Gehlhaar. "85 Prozent der Cargo-Flotte der DB ist jetzt schon leise. Wir werden im nächsten Jahr die gesamte Flotte leise haben."

Hintergrund ist ein Gesetz des Bundes, das es besonders lauten Güterwagen ab Ende 2020 verbietet, auf dem deutschen Schiennetz zu rollen (Schienenlärmschutzgesetz). Vom Hamburger Waggonvermittler VTG teilte eine Sprecherin auf Anfrage mit, dass die Umrüstung der in Europa betroffenen Wagen bis Ende 2020 erfolgen werde. Die Flotte werde laufend modernisiert und gewartet.

Die Deutsche Bahn konzentriert sich beim rollenden Verkehr auf die Güterwagen. Die Loks haben nach Angaben Gehlhaars dagegen andere Bremssysteme und spielten beim Thema Lärm derzeit nicht die zentrale Rolle. Bei den Güterwagen erziele man einen weitaus größeren Effekt.

Der Bund will mit neuen Messstationen den Lärm an der Schiene überprüfen und damit langfristige Trends abbilden. An stark befahrenen Strecken nehmen bundesweit 19 solcher Stationen den Betrieb auf, wie das Bundesverkehrsministerium mitteilte. Sie erfassen demnach den Lärm nach einer einheitlichen Methode. Standorte sind unter anderem Radebeul in Sachsen, Rosenheim in Bayern, Lahnstein in Rheinland-Pfalz, Emmendingen in Baden-Württemberg und Bad Hersfeld in Hessen. Daten der ersten sechs Stationen stellte das Ministerium bereits online. Die anderen Stationen werden demnach noch aufgebaut.

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

Wassersportler protestieren gegen Fehmarnbelt-Tunnel

Fehmarn (dpa) - Mit einem Flashmob auf dem Wasser haben Wassersportler vor Fehmarn gegen den geplanten Bau des Ostseetunnels zwischen Deutschland und Dänemark …
Wassersportler protestieren gegen Fehmarnbelt-Tunnel

Experte: Uralt-Autos bieten Chance für Konjunkturprogramm

In ihrem milliardenschweren Corona-Programm hat die Bundesregierung bewusst auf eine Verkaufsförderung für Autos mit Verbrenner-Motoren verzichtet. Dabei wären die …
Experte: Uralt-Autos bieten Chance für Konjunkturprogramm

Daimler-Betriebsratschef: Belegschaft bei Wandel mitnehmen

Daimler muss in der Corona-Krise noch mehr sparen. Das wird auch noch mehr Arbeitsplätze kosten. Betriebsratschef Brecht fordert die Belegschaft beim Wandel mitzunehmen.
Daimler-Betriebsratschef: Belegschaft bei Wandel mitnehmen

Deutsche Bahn so pünktlich wie lange nicht

Die Corona-Krise bereitet der Deutschen Bahn viele Probleme. Doch die nach wie vor geringe Auslastung der Züge hat auch etwas Positives: So pünktlich wie derzeit kamen …
Deutsche Bahn so pünktlich wie lange nicht

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.