Ifo-Geschäftsklimaindex

Stimmung in deutschen Firmen steigt auf Rekord

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Ifo-Konjunkturprognose: Im Großhandel stieg der Geschäftsklimaindex auf den höchsten Wert seit dem Jahr 2010. Foto: Arno Burgi

Die Unternehmen hierzulande schauen so zuversichtlich auf ihre Geschäftslage und die kommenden Monate wie seit 1990 nicht mehr. Auch die Bundesbank sieht die deutsche Wirtschaft Fahrt aufnehmen. Nur wenige Branchen beurteilen ihre Geschäfte schlechter.

München/Frankfurt (dpa) - Die deutsche Wirtschaft setzt ihren Wachstumskurs ungebrochen fort. Der Ifo-Geschäftsklimaindex stieg im Juni von 114,6 auf 115,1 Punkte und überbot damit den Rekordwert des Vormonats.

Dies sei ein neuer Höchststand seit der Wiedervereinigung, teilte das Ifo-Institut für Wirtschaftsforschung am Montag in München mit. Die Firmen beurteilten ihre Geschäftslage nochmals deutlich besser und zeigten sich noch optimistischer für das kommende halbe Jahr. Auch die Bundesbank ist zuversichtlich für die deutsche Konjunktur. Sie werde ihre Dynamik aus dem Winterhalbjahr im Frühjahr fortsetze, erklärte sie in ihrem neuen Monatsbericht.

"In den deutschen Chefetagen herrscht Hochstimmung", erklärte Ifo-Präsident Clemens Fuest. Die befragten Industrieunternehmen seien mit ihren Geschäften sehr zufrieden und für die kommenden Monate zuversichtlicher. "Die Nachfrage und der Auftragsbestand entwickelten sich sehr gut. Die Produktionspläne bleiben expansiv ausgerichtet."

Im Großhandel stieg der Geschäftsklimaindex auf den höchsten Wert seit 2010. Auch "die Einzelhändler waren deutlich zufriedener mit ihren laufenden Geschäften. Die Erwartungen waren so optimistisch wie seit September 2015 nicht mehr", sagte Fuest. Nur die Baubetriebe korrigierten ihre Einschätzung der Lage und Aussichten "auf hohem Niveau leicht nach unten". Wegen der sehr guten Auftragslage sei mit steigenden Preisen zu rechnen.

"Die Chancen der deutschen Wirtschaft auf ein gutes zweites Halbjahr werden immer größer", erklärte Ralph Solveen, Analyst bei der Commerzbank. Jedoch würden der stärkere Euro und die Anzeichen für eine etwas schwächere Weltkonjunktur dafür sprechen, dass sich die Stimmung der Firmen in den kommenden Monaten etwas eintrüben werde.

Vergangenen Woche hatte das Ifo-Institut seine Konjunkturprognose bereits angehoben: Die Forscher rechnen nun mit 1,8 Prozent Wirtschaftswachstum 2017 und 2,0 Prozent im nächsten Jahr, getrieben vom Konsum, der Bautätigkeit und zunehmend auch wieder vom Export.

Unterdessen zeigt sich auch die Bundesbank optimistisch. "Die deutsche Wirtschaft dürfte im Frühjahr 2017 den kräftigen Expansionskurs aus dem Winterhalbjahr fortsetzen", heißt es in ihrem Monatsbericht, der am Montag veröffentlicht wurde. Für Schwung sorge vor allem die lebhafte Industriekonjunktur. Gerade in anderen Euroländern waren Produkte "Made in Germany" zuletzt stark gefragt.

Zwar seien in der Industrie die Neuaufträge jüngst etwas gesunken. Dies erkläre sich aber maßgeblich durch typische Schwankungen bei Großaufträgen. Während die Produktion bei Autobauern schwächelte, sorgten gerade Hersteller aus Elektronik, Datenverarbeitung und Optik für Schwung. Auch im Baugewerbe stehen die Zeichen dank hoher Aufträge auf Wachstum. Die Auftragsreichweite habe den höchsten Wert seit 1991 erreicht, so die Bundesbank. Der Wert gibt an, wie weit vorhandene Aufträge künftig gleichbleibenden Umsatz gewährleisten.

Der private Konsum wird den Wirtschaftsaufschwung nach Einschätzung der Ökonomen weiter beflügeln: "Die sehr vorteilhafte Arbeitsmarktlage stützt die Konsumentenstimmung und ist eine wesentliche Grundlage dafür, dass der private Verbrauch seine Rolle als wichtiger Eckpfeiler des Aufschwungs beibehält."

Für das laufende Jahr rechnet die Bundesbank mit 1,9 Prozent Plus beim Bruttoinlandsprodukt in Deutschland. Bei ihrer vergangenen Konjunkturprognose im Dezember war die Notenbank noch von 1,8 Prozent Wachstum ausgegangen. Auch ihre Prognosen für 2018 (plus 1,7 Prozent) und 2019 (plus 1,6) hatte die Bundesbank um je 0,1 Punkte erhöht.

ifo-Geschäftsklimaindex - Zeitreihen

Monatsberichte Bundesbank

Bundesbank-Konjunkturprognose Juni 2017

Statistisches Bundesamt zu Bruttoinlandsprodukt

Mitteilung Ifo-Institut

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