Von 1,8 auf 1,0 Prozent

IfW senkt Wachstumsprognose für Deutschland drastisch

+
Als einen der Gründe für die niedrigeren Erwartungen nennt das IfW den schwachen Jahresauftakt der Industrie. Foto: Maurizio Gambarini

Die deutsche Wirtschaft schwächelt, aber sie wächst noch. Wie schon andere Experten und Organisationen erwarten auch die Forscher des Instituts für Weltwirtschaft, dass die Konjunktur an Fahrt verliert.

Kiel (dpa) - Die Wirtschaft in Deutschland wird in diesem Jahr nach Einschätzung des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW) deutlich langsamer wachsen. Die Ökonomen senkten ihre Prognose am Mittwoch von 1,8 auf 1,0 Prozent.

Für das kommende Jahr erwarten sie unverändert ein Wachstum von 1,8 Prozent. Damit reihen sich die Kieler Forscher ein in die dominierende wirtschaftliche Einschätzung nach dem schwachen zweiten Halbjahr 2018.

Zuletzt hatte die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) ihre Prognose für das deutsche Wachstum 2019 von 1,6 auf 0,7 Prozent reduziert - das wäre nur halb so viel wie im vergangenen Jahr. Die Bundesregierung senkte ihre Prognose ferner von 1,8 auf 1,0 Prozent, der Industrieverband BDI rechnet mit noch 1,2 Prozent Wachstum.

Als Gründe für die niedrigeren Erwartungen nennt das IfW den schwachen Jahresauftakt der Industrie sowie politische Risiken, Handelskonflikte und die Unklarheit über den wirtschaftlichen Zustand Chinas. "Die deutsche Konjunktur zeigt deutliche Bremssignale, die sich auch in den öffentlichen Haushalten bemerkbar machen werden", sagte IfW-Präsident Gabriel Felbermayr. "Aber derzeit spricht nichts für einen abrupten Einbruch der Konjunktur oder gar eine Rezession. Deshalb bleibt auch die Beschäftigungssituation stabil."

Vor allem die privaten und öffentlichen Konsumausgaben stimulierten die Konjunktur, heißt es in der Analyse. Das sei auf stark steigende Löhne und Gehälter zurückzuführen sowie zahlreiche Abgabensenkungen und Leistungsausweitungen des Staates. Die verfügbaren Einkommen der Haushalte legen demnach in diesem und dem nächsten Jahr um je fast 3,5 Prozent zu.

Die Überschüsse der öffentlichen Haushalte gehen dagegen von zuletzt 58 Milliarden Euro 2018 auf 41 und 26 Milliarden Euro zurück. "Die Abkühlung der deutschen Konjunktur ist stabilitätspolitisch unbedenklich, da zunächst nur die Überauslastung der Kapazitäten nachlässt", sagte IfW-Chefprognostiker Stefan Kooths.

Mitteilung IfW

Mehr zum Thema

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

Forderung nach Corona-Bonds - Bundesregierung zurückhaltend

Wirtschaftlich besonders gebeutelt durch die Corona-Krise sind Italien und Spanien. Die Forderung nach Corona-Bonds kommt nicht bei allen an. 
Forderung nach Corona-Bonds - Bundesregierung zurückhaltend

Corona-Krise: Apple überrascht mit Hilfs-Aktion - Neue Hilfe für Angestellte und Selbstständige 

Der Wirtschaft drohen durch die Coronakrise dramatische Folgen. Adidas will in Deutschland keine Miete mehr zahlen - und unseriöse Masken-Hersteller drängen auf den …
Corona-Krise: Apple überrascht mit Hilfs-Aktion - Neue Hilfe für Angestellte und Selbstständige 

Boeing verlängert Produktionsstopp im Bundesstaat Washington

Schon zuvor war die Produktion beim Luftfahrtriesen Boeing eingeschränkt. Nun kommt die Corona-Krise hinzu. Das hat auch für den US-Konzern aus Chicago Konsequenzen.
Boeing verlängert Produktionsstopp im Bundesstaat Washington

Führt Chinas Rohstoff-Eigenbedarf zu Engpässen bei Exporten?

Die Marktmacht Chinas bei wichtigen Rohstoffen ist enorm. Bald könnte die Volksrepublik stärker auf eigene Nutzung angewiesen sein. Gerät die Belieferung von …
Führt Chinas Rohstoff-Eigenbedarf zu Engpässen bei Exporten?

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.