Projekte lohnen nicht mehr

Immobilienwirtschaft klagt über hohe Baukosten

+
Baustelle: Die Immobilienwirtschaft sieht den derzeitigen Bauboom in Gefahr, weil sich Neubauprojekte für Investoren oft nicht mehr lohnen. Foto: Patrick Pleul

In Deutschland wird gebaut wie schon lange nicht mehr - doch die Immobilienwirtschaft schaut sorgenvoll in die nähere Zukunft. Nicht nur strenge Klimaschutz-Vorschriften und hohe Grunderwerbssteuern machen manche Neubauprojekte unprofitabel.

Berlin (dpa) - Der Bauboom könnte nach Einschätzung der Immobilienwirtschaft schon bald ein jähes Ende finden - trotz unvermindert großer Nachfrage. Schon jetzt würden vereinzelt Projekte abgesagt, weil sich diese für Investoren wegen steigender Baukosten nicht mehr lohnten.

Das sagte der Präsident des Zentralen Immobilien Ausschusses (ZIA), Andreas Mattner, der Deutschen Presse-Agentur. "Vor einem Jahr ist der Baupreis deutlich gestiegen. Dann verharrte er eine Zeit lang auf einem Plateau. Jetzt zeigt der Pfeil wieder etwas nach oben."

Neben dem Stahlpreis, den Klimaschutz-Vorschriften und der Grunderwerbssteuer sei auch der Anstieg der Handwerkerkosten ein preistreibender Faktor am Bau. Vor allem in den Metropolen seien Handwerker kurzfristig oft kaum zu bekommen. Auf Ausschreibungen meldeten sich deutlich weniger Firmen.

Unter dem Handwerkermangel leiden derzeit allerdings nicht nur Immobilienentwickler, sondern auch öffentliche Bauherren. Privatleute müssen in Großstädten wie Köln, Frankfurt oder Berlin oft lange warten, wenn sie etwa Fenster austauschen oder ein Badezimmer sanieren wollen.

Viele Betriebe zögerten trotz voller Auftragsbücher mit der Einstellung neuer Mitarbeiter, sagte Mattner. Sie seien unsicher, wie lange die gute Konjunktur anhalten werde. Auch fehle es vielerorts an Auszubildenden.

Zum Tag der Immobilienwirtschaft in Berlin wurden am Mittwochnachmittag Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) und Bauministerin Barbara Hendricks (SPD) erwartet. Im vergangenen Jahr war die Zahl der Baugenehmigungen für Wohnungen um rund 60 000 auf über 375 000 gestiegen. In den ersten vier Monaten 2017 sank sie laut Statistischem Bundesamt aber um neun Prozent gemessen am Vorjahreszeitraum.

Tag der Immobilienwirtschaft 2017

Mehr zum Thema

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

Air Berlin verhandelt mit Lufthansa und Easyjet - Wöhrl sauer

Air Berlin könnte zu großen Teilen an die Lufthansa gehen. Unterlegene Bieter halten das für eine „Katastrophe“ auch für Passagiere. Sie könnten klagen.
Air Berlin verhandelt mit Lufthansa und Easyjet - Wöhrl sauer

Air Berlin: Unterlegene Bieter zürnen, Arbeitnehmer bangen

Nach der Vorentscheidung im Bieterwettstreit geht es darum, wer wie viele Flugzeuge genau bekommen soll. Ein Zwischenstand wird für Montag erwartet. Nicht nur die …
Air Berlin: Unterlegene Bieter zürnen, Arbeitnehmer bangen

7000 Stahlkocher demonstrieren gegen Stahlfusion

Nach dem Bekanntwerden der Fusionspläne für die europäischen Stahlsparten von Thyssenkrupp und Tata wächst im Ruhrgebiet die Empörung. Bei einer Demonstration in Bochum …
7000 Stahlkocher demonstrieren gegen Stahlfusion

Deutschland deckelt Hermes-Bürgschaften für die Türkei

Die Bundesregierung will weniger Bürgschaften für Geschäfte mit der Türkei bereitstellen - eine Reaktion auf die Konflikte mit dem Land. Es gibt allerdings einen Haken.
Deutschland deckelt Hermes-Bürgschaften für die Türkei

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.