1,8 Prozent mehr im Euroraum

Inflationsrate steigt auf höchsten Stand seit Februar 2013

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Neben Heizöl und Benzin verteuerten sich Lebensmittel am deutlichsten. Foto: Marius Becker

Das Leben in der Eurozone wird für die Menschen teurer. Im Januar legten die Preise in der Währungsunion unerwartet stark zu. Experten erwarten trotzdem nicht, dass die Europäische Zentralbank dies zum Anlass nimmt, die Leitzinsen zu erhöhen.

Luxemburg (dpa) - Angetrieben durch steigende Energiepreise ist die Inflation im Euroraum im Januar überraschend stark gestiegen. Die Verbraucherpreise kletterten um 1,8 Prozent gemessen am Vorjahresmonat, wie das europäische Statistikamt Eurostat mitteilte. Dies ist die höchste Rate seit Februar 2013.

Im Dezember waren die Verbraucherpreise um 1,1 Prozent gestiegen. Volkswirte hatten für Januar mit einem Anstieg der Rate auf lediglich 1,5 Prozent gerechnet. Die Kernrate, die schwankungsanfällige Größen wie Energie und Lebensmittel ausschließt, lag im Januar hingegen unverändert und erwartungsgemäß bei 0,9 Prozent.

Besonders stark war der Anstieg der Energie- und Lebensmittelpreise. So legten die Energiepreise um 8,1 Prozent zum Vorjahr zu. Allerdings waren sie Anfang 2016 besonders tief gefallen, was jetzt wie ein automatischer Preisauftrieb wirkt. Die Preise für Lebensmittel, Alkohol und Tabak legten um 1,7 Prozent zu.

Mit dem jüngsten Preisanstieg hat die Inflation die Zielmarke der Europäischen Zentralbank (EZB) fast erreicht. Die EZB strebt für den Euroraum eine Inflationsrate von knapp zwei Prozent an, die sie aber seit etwa drei Jahren nicht mehr erreicht hat. Dies ist ein Grund, warum die Notenbank ihre Geldpolitik stark gelockert hat.

Die höhere Inflation dürfte die Diskussion über einen Ausstieg aus der sehr lockeren Geldpolitik befeuern. Bislang macht die EZB keine Anstalten, eine Trendwende zu signalisieren. Sie hatte zuletzt stärker auf die immer noch niedrige Kerninflation verwiesen. "Dies deutet darauf hin, dass der EZB-Rat zunächst nicht auf den Sprung der Inflationsraten reagieren wird", sagte Ralf Umlauf, Analyst bei der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba). Schließlich werde die Gesamtinflation "massiv" durch die Energiepreisentwicklung getrieben.

Commerzbank-Analyst Christoph Weil erwartet, dass ab März von den Energiepreisen wieder ein dämpfender Effekt auf die Inflationsrate ausgehen wird. Im Sommer sollte die Inflationsrate wieder fallen. "Angesicht des unsicheren Inflationsausblicks wird die EZB wohl erst dann zu einem Kurswechsel in der Geldpolitik bereit sein, wenn die Kerninflationsrate nachhaltig steigt", erwartet Weil. Einen nachhaltigen Anstieg der Teuerungsrate erwartet die Commerzbank erst nach 2018. Die EZB dürfte daher über das Jahr 2017 hinaus an ihrer lockeren Geldpolitik festhalten, prognostiziert der Experte.

Mitteilung Eurostat (englisch)

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