Direktbank

ING knackt 10-Millionen-Marke bei Kunden erst 2020

+
Nick Jue, Deutschland-Chef der ING, in der Zentrale der Bank in Frankfurt am Main. Foto: Boris Roessler

Nach gut zwei Jahren im Amt zieht der Chef der ING Deutschland eine positive Bilanz. Doch Nick Jue ist ehrgeizig - und muss nun einsehen, dass manches doch mehr Zeit braucht.

Frankfurt/Main (dpa) - Die Direktbank ING muss trotz weiteren Wachstums im ersten Halbjahr 2019 Abstriche an einem ehrgeizigen Ziel machen.

"Wir werden die angepeilte Marke von zehn Millionen Kunden in diesem Jahr wohl nicht ganz erreichen", sagte Vorstandschef Nick Jue der Deutschen Presse-Agentur in Frankfurt. "Aber dann ist es nächstes Jahr soweit."

Von Januar bis einschließlich Juni erzielte die ING Deutschland 429 Millionen Euro Gewinn - ein Plus von zwölf Prozent zum Vorjahreszeitraum. Im Gesamtjahr 2018 lag der Überschuss bei 886 Millionen Euro.

Kurz nach seinem Amtsantritt am 1. Juni 2017 hatte Jue sich zum Ziel gesetzt, die Zahl der Privatkunden über zehn Millionen zu steigern. Der Niederländer sagte damals: "Ich werde nicht zufrieden sein, wenn wir nicht in zwei Jahren die zehn Millionen erreicht haben."

In den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres gewann das in Deutschland und Österreich aktive Institut den Angaben zufolge unter dem Strich 150.000 Privatkunden. Damit zählt die ehemalige ING-Diba, die seit November 2018 nur noch unter dem Namen des niederländischen Mutterkonzerns ING auftritt, nun rund 9,5 Millionen Privatkunden.

Dass die Kundenbasis nicht mehr so schnell wächst, liegt nach Jues Angaben auch daran, dass die Bank nicht mehr nur Sparkunden lockt, sondern mehr Geschäft mit einzelnen Kunden machen will. "Wir wollen mehr und mehr Hausbank für unsere Kunden werden", bekräftigte Jue. Inzwischen zählt die Bank 1,7 Millionen ihrer Kunden zu dieser Kategorie, im ersten Halbjahr kamen 130.000 hinzu.

Die Zahl der Girokonten erhöhte sich im Vergleich zum Jahresende 2018 um 200.000 auf 2,7 Millionen Ende Juni. Jue zeigte sich entschlossen, das Girokonto weiterhin kostenlos anzubieten - obwohl die Zinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) die Geldhäuser unter Druck setzt und sogar eine weitere Verschärfung der Geldpolitik droht.

Es gebe keine Pläne, das kostenlose Konto abzuschaffen, versicherte Jue. "Wir versuchen, neue Einnahmequellen zu erschließen, um so lange wie möglich mit dem kostenlosen Girokonto durchzuhalten. Es wird bei uns möglichst immer ein Kontoangebot ohne Gebühren geben", sagte der Manager.

Finanzvorstand Norman Tambach betonte jedoch: "Klar ist aber auch: Wir müssen versuchen, noch effizienter zu werden und dabei unsere Kosten verringern. Sollte die EZB die Zinsen weiter senken, wird es sicher nicht einfacher."

Europas Währungshüter hatten bei ihrer jüngsten Sitzung Ende Juli die Tür für eine weitere Lockerung der Geldpolitik im Euroraum weit geöffnet. Volkswirte rechnen damit, dass die EZB den Strafzins verschärfen wird, den Banken zahlen müssen, wenn sie Geld bei der EZB parken. Derzeit werden dafür 0,4 Prozent Zinsen fällig. Um die Institute nicht zu sehr zu belasten, prüft die Notenbank auch die Möglichkeit einer Staffelung dieses Negativzinses.

"Wenn die EZB einen Staffelzins einführt, wäre das keine wesentliche Entlastung für uns", sagte Finanzvorstand Tambach. "Noch können wir die meisten Spargelder profitabel umwandeln in Baufinanzierung, Konsumentenkredite, Firmenkundenkredite. Aber das niedrige Zinsumfeld macht es nicht einfacher." Tambach und Jue versicherten: "Wir planen nicht, Negativzinsen an Kunden weiterzugeben."

Mit einem Komplettumbau will die Bank sich in die Lage versetzen, in einer digitalen Welt schneller auf Kundenbedürfnisse zu reagieren. "Ich habe gesagt: Wir werden die erste agile Bank Deutschlands. Am 1. September ist es so weit. Dann haben wir die gesamte Organisation umgebaut", sagte Jue. "Natürlich hat die Transformation Kraft gekostet und ich verstehe, dass es auch Unsicherheit bei den Mitarbeitern gab. Aber wir im Vorstand sind überzeugt, dass dieser Umbau notwendig ist, damit wir auch in den nächsten Jahren erfolgreich sind."

Zahlen und Fakten zur ING Deutschland

Mehr zum Thema

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

Rechnungshof kritisiert Milliardenhilfen für die Bahn

Wochenlang ist kaum jemand Bahn gefahren, viele Züge waren trotzdem unterwegs. Nun soll die Rechnung dafür beglichen werden. Doch es gibt Zweifel, ob sauber abgerechnet …
Rechnungshof kritisiert Milliardenhilfen für die Bahn

Macron greift Autobranche mit Milliarden unter die Arme

Die Corona-Krise trifft die Autobranche mit voller Wucht. Frankreich will seine Unternehmen retten und nimmt viel Geld in die Hand. Und Präsident Macron strebt eine …
Macron greift Autobranche mit Milliarden unter die Arme

Erholungsrally treibt Dax über 11.500 Punkte

Frankfurt/Main (dpa) - Lockerungen in der Corona-Krise und die damit einhergehende Hoffnung auf eine Wirtschaftsbelebung haben deutsche Aktien am Dienstag weiter …
Erholungsrally treibt Dax über 11.500 Punkte

Corona-Prämie für Firmen bei Übernahme von Azubis

Wegen Corona droht auch auf dem Ausbildungsmarkt eine Krise. Hunderttausende Betriebe sind in Schwierigkeiten geraten. Die Azubis sollen die Auswirkungen aber nicht …
Corona-Prämie für Firmen bei Übernahme von Azubis

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.