Sieht Wasserstoff kritisch

Innogy-Chef erwartet baldigen Durchbruch bei Elektroautos

+
Peter Terium ist der Chef von Innogy, einem der größten deutschen Energiekonzerne. Foto: Rolf Vennenbernd

Als Chef eines der größten deutschen Energiekonzerne ist Peter Terium am Thema Elektroautos nah dran. Für E-Autos könnte bald der Durchbruch kommen, was Terium mit zwei Faktoren begründet. Dagegen sieht er im Wasserstoff als Batterie-Ersatz eine Sackgasse.

Davos/Berlin (dpa) – Trotz der bisher schwachen Nachfrage könnten Elektroautos aus Sicht des Chefs des Energiekonzerns Innogy in Deutschland bald Fahrt aufnehmen.

"In den nächsten zwölf bis achtzehn Monaten werden wesentliche Voraussetzungen für einen Durchbruch der Elektromobilität geschaffen", sagte Peter Terium der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX im Vorfeld der "Handelsblatt"-Konferenz "Energiewirtschaft", die am Dienstag (24. Januar) startet. Zu der Konfereenz wird auch Terium erwartet.

"Zum einen haben die Fahrzeuge, die jetzt auf den Markt kommen, eine alltagstaugliche Reichweite von 250 bis 300 Kilometern", begründete Terium seine Entschätzung. "Zum anderen ist die Technologie für Ladesäulen marktreif, mit denen Sie in zwanzig Minuten Strom für 500 Kilometer tanken können oder in zehn Minuten Strom für 250 Kilometer."

Die börsennotierte RWE-Tochter Innogy kümmert sich um Erneuerbare Energien, Vertrieb und Netze. "Noch sind Ladesäulen für uns ein Nischenbereich, der aber stark expandieren kann, wenn die Elektromobilität stark anzieht", sagte Terium. Schon heute sei Innogy mit mehr als 5400 Ladepunkten einer der größten Betreiber in Europa und habe auch die ersten Ladesäulen in Kalifornien aufgestellt, der Vorreiter-Region für Elektroautos.

Das immer schnellere Laden stelle aber hohe Anforderungen an die Netze, sagte Terium: "Damit das Stromnetz nicht überlastet wird, haben unsere Ladesäulen ein Notmanagement eingebaut." Zudem gehörten die Innogy-Ladesäulen zu den wenigen, die geeicht seien. "Das ist wichtig für die Abrechnung."

Der Brennstoffzelle, die Strom aus Wasserstoff gewinnt, sagt Terium bei Elektroautos indes keine große Zukunft voraus. "Ich glaube, dass Wasserstoff bestenfalls eine Nischenlösung für bestimmte Anwendungen sein wird, etwa für sehr lange Strecken im Lastverkehr."

Auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos in der Vorwoche, an dem auch Terium teilnahm, hatten Autokonzerne wie Daimler und BMW zusammen mit Energiefirmen eine Wasserstoff-Initiative gestartet. "Das Thema CO2-Vermeidung ist für Autofirmen so wichtig, dass sie nicht alles auf eine Karte setzen können. Die Batterie wird aber gewinnen. Sie ist am Ende günstiger", sagte Terium.

Auch aus einem anderen Grund sieht Terium den Einsatz von Wasserstoff kritisch: "Die Energiedichte von Wasserstoff ist geringer als bei Benzin. Deshalb müssen sie Wasserstoff komprimieren im Tank. Sie fahren also auf einem explosiven Gemisch", führte der Innogy-Chef aus. "Ich würde mich dabei nicht wohlfühlen. Meiner Frau würde ich es definitiv nicht zumuten."

Handelsblatt Jahrestagung Energiewirtschaft

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

Online-Handel mit Waren wächst zweistellig

Hamburg (dpa) - Das Internet als Vertriebsweg für Waren aller Art wächst kräftig.
Online-Handel mit Waren wächst zweistellig

Nächste Innovation: Amazon eröffnet Supermarkt ohne Kassen

Der weltweit größte Onlinehändler Amazon eröffnet am Montag einen Supermarkt ohne Kassen und Kassierer.
Nächste Innovation: Amazon eröffnet Supermarkt ohne Kassen

Ohne Kasse: Amazon fordert den Lebensmittelhandel heraus

Schritt für Schritt versucht der Internetgigant Amazon, auch im Lebensmittelhandel eine Führungsrolle zu übernehmen. In den USA startete der Konzern dafür ein erstes …
Ohne Kasse: Amazon fordert den Lebensmittelhandel heraus

Schwächeres Wachstum Ende 2017 bremst Aufschwung nicht

Frankfurt/Main (dpa) - Der Boom der deutschen Wirtschaft hält nach Einschätzung der Bundesbank an - trotz eines etwas schwächeren Wachstums zum Jahresende 2017.
Schwächeres Wachstum Ende 2017 bremst Aufschwung nicht

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.