Warnung vor Armutsrisiken

IWF: Deutschland muss Löhne erhöhen und Steuern senken

+
Sechs Prozent mehr Lohn: Hohe Lohnforderungen hält der IWF in Deutschland für richtig. Foto: Bernd Settnik

Jedes Jahr legt der Weltwährungsfonds Empfehlungen für Deutschland vor. Auch diesmal kritisieren die Experten die hohen Handelsbilanzüberschüsse und verlangen mehr Investitionen. Die Liste der Vorschläge und Warnungen ist aber durchaus länger.

Berlin (dpa) - Der Internationale Währungsfonds (IWF) fordert von Deutschland Steuerentlastungen sowie höhere Löhne und zusätzliche Investitionen. Das Geld dafür sei vorhanden, meinen die IWF-Experten.

"Der zur Verfügung stehende finanzielle Spielraum sollte genutzt werden für Initiativen, um das Wachstumspotenzial ebenso zu verbessern wie Investitionen in die Infrastruktur und Digitalisierung, Kinderbetreuung, Flüchtlingsintegration und für eine Senkung der Steuerlast auf Arbeit", heißt es in den in Berlin vorgelegten Empfehlungen für Deutschland.

Darin wird zugleich angemahnt: "Ein nachhaltiger Anstieg der Löhne und Inflation in Deutschland ist erforderlich, um die Preissteigerung in der Eurozone anzuheben und eine Normalisierung der Geldpolitik zu erleichtern."

IWF-Expertin Enrica Detragiache sagte, der Fonds wisse natürlich, dass die Lohnpolitik Sache der Tarifpartner sei. Aber eine stärkere Lohndynamik wäre hilfreich für die Wirtschaft und würde die Binnenkonjunktur ankurbeln. In diesem Zusammenhang fordert der IWF erneut einen Abbau der hohen deutschen Handelsüberschüsse. 

Der Fonds spricht sich für eine weitere Rentenreform aus. Diese müssten einen Anreiz schaffen, länger zu arbeiten. Dies würde unter anderem Einkommen im Alter erhöhen und die Notwendigkeit reduzieren, für den Ruhestand zu sparen. Aus Sicht der IWF-Experten hat sich die Einkommensungleichheit zwar weitgehend stabilisiert. Sie warnen aber vor Armutsrisiken. Diese müssten weiterhin aufmerksam beobachtet werden. Bei Maßnahmen gegen Armut sollten aber die Errungenschaften der vergangenen Arbeitsmarktreformen bewahrt werden, heißt es weiter.

Die anziehenden Immobilienpreise in Deutschland rechtfertigen nach Meinung eine enge Überwachung des Marktes. Um das Angebot von Wohnimmobilien kurzfristig zu steigern, müssen die bereits eingeleiteten Maßnahmen ergänzt und Kommunen ermutigt werden, Beschränkungen aufzuheben. Die deutschen Banken und Versicherer werden aufgefordert, ihren Umbau zu beschleunigen, um Profitabilität und Widerstandkraft zu erhöhen.

Der IWF berät sich mit allen Mitgliedsländern zur Lage der Wirtschaft, das sind die "Artikel-IV Konsultationen". Erst wird eine vorläufige Bilanz vorgelegt. Im Juni wird der IWF dann offiziell die Konsultationen abschließen. Insgesamt bescheinigt der Fonds Deutschland, dass sich die offene und innovative Wirtschaft gut entwickelt habe -  untermauert durch "umsichtiges Wirtschaftsmanagement", frühere Strukturreformen und ein gut entwickeltes soziales Sicherheitsnetz. Das Beschäftigungswachstum sei stark, die Arbeitslosenquote liege auf einem Rekordtief. 

Dennoch blieben das Lohnwachstum und die Kerninflation weiter gedämpft. Unternehmensinvestitionen fehle es an Dynamik, die Demografieprobleme belasteten die langfristigen Wachstumsaussichten: Deutschland sollte eine Reihe von Fiskal- und Strukturmaßnahmen angehen, um seine Stärken zu sichern und die Herausforderungen zu bewältigen - einschließlich der Verringerung externer Ungleichgewichte.

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

VW will E-Bulli ab 2022 in Serie produzieren

Pebble Beach (dpa) - Volkswagen entwickelt seinen E-Bulli ID Buzz für die Serienproduktion weiter. "Er ist eine wichtige Säule in der Elektro-Offensive von Volkswagen …
VW will E-Bulli ab 2022 in Serie produzieren

Bericht: Mehr als zehn Interessenten für Air Berlin

Berlin (dpa) - Für die insolvente Fluggesellschaft Air Berlin gibt oder gab es offenbar deutlich mehr Interessenten als bisher bekannt.
Bericht: Mehr als zehn Interessenten für Air Berlin

Adidas arbeitet am Schuh der Zukunft

Die schnelle Vermessung des Läufers für den Wunsch-Schuh: In einer Fabrik in Ansbach nimmt die Vision von Adidas allmählich Formen an - dank Robotik und innovativen …
Adidas arbeitet am Schuh der Zukunft

Apfelbauern rechnen mit deutlich geringerer Ernte

Kalte Nächte im April - Apfelbauern in den wichtigen Anbaugebieten am Bodensee und im Alten Land erwarten deswegen nun massive Schäden. Die Landwirte rechnen mit einer …
Apfelbauern rechnen mit deutlich geringerer Ernte

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.