Folgen der Corona-Krise

Jeder vierte Mittelständler bildet in Krise weniger aus

Auszubildender
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Viele Firmen leiden unter der unsicheren Lage - und halten sich mit der Einstellung neuer Lehrlinge zurück.

Corona hat tiefe Spuren auf dem Ausbildungsmarkt hinterlassen. Viele mittelständische Firmen leiden unter der unsicheren Lage, und halten sich mit der Einstellung neuer Lehrlinge zurück. Kurzfristig ist keine Entwarnung in Sicht.

Frankfurt/Main (dpa) - Die Corona-Krise hat die Ausbildungschancen junger Menschen in mittelständischen Firmen gebremst.

Nach einer Umfrage der staatlichen Förderbank KfW hat im vergangenen Jahr gut jeder vierte (26 Prozent) ausbildende Mittelständler wegen der Verwerfung durch die Pandemie weniger neue Lehrlinge eingestellt als ursprünglich geplant. Nur 3 Prozent weiteten ihre Aktivitäten aus. Die Zurückhaltung in der Krise ist den Angaben zufolge ein wesentlicher Grund für den jüngst vom Statistischen Bundesamt gemeldeten Rückgang insgesamt.

Kleine und mittlere Unternehmen mit einem Umsatz bis zu 500 Millionen Euro jährlich stemmen der KfW zufolge traditionell den Großteil der beruflichen Ausbildung in Deutschland. Sie beschäftigten etwa 90 Prozent aller Azubis. Insgesamt gibt es den Angaben zufolge etwa 500.000 mittelständische Ausbildungsunternehmen.

Im Corona-Krisenjahr 2020 war die Zahl neuer Ausbildungsverträge in Mittelstand, Großunternehmen und im öffentlichen Dienst insgesamt gegenüber dem Vorjahr nach Angaben des Statischen Bundesamtes um 9,4 Prozent auf 465.200 gesunken. Es war der niedrigste Stand seit der Wiedervereinigung und ein deutlich stärkeres Minus als im langfristigen Trend. Sinkende Schülerzahlen und steigende Studierneigung hatten vor der Krise jährliche Rückgänge von etwa 1 Prozent bewirkt.

Kurzfristig keine Rückkehr auf Vorkrisenniveau

Eine Rückkehr der Ausbildungsaktivitäten des Mittelstands zum Vorkrisenniveau ist der KfW-Umfrage zufolge kurzfristig nicht in Sicht. Sowohl im ersten als auch im zweiten Halbjahr 2021 rechnen weiterhin 26 Prozent der Ausbildungsunternehmen damit, weniger Lehrlinge einzustellen, als es ohne Corona-Krise der Fall wäre.

„Die Unterschrift auf einem Ausbildungsvertrag bedeutet langfristige Verantwortung für die wichtige Erstausbildung eines jungen Menschen“, erläuterte KfW-Chefvolkswirtin Fritzi Köhler-Geib. „Viele Mittelständler kämpfen nach wie vor mit den Krisenfolgen und leiden unter der noch immer unsicheren Lage - sie bleiben daher bei der Einstellung von Azubis zurückhaltend.“

Positiv bewertete die Ökonomin, dass immer mehr kleinere und mittlere Firmen zuversichtlicher in die Zukunft blicken. „Das KfW-Ifo-Mittelstandsbarometer ist im April zum dritten Mal in Folge gestiegen - die Hoffnung auf einen Wirtschaftsaufschwung in der zweiten Jahreshälfte wächst.“ Das sei auch eine gute Nachricht für die Bildungschancen Zehntausender potenzieller Azubis.

© dpa-infocom, dpa:210524-99-719808/3

Ausbildungsstatistik Bundesamt

KfW-Studie

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