Gut für Wettbewerb

Kartellamt erlaubt Edeka-Offensive im Drogeriemarkt

+
Das Bundeskartellamt hat die geplante Zusammenarbeit zwischen Budnikowsky und Edeka freigegeben. Foto: Stefan Puchner

Nach der Schlecker-Pleite sind die Anteile des einstigen Marktführers der Drogeriebranche zu dm und Rossmann gewandert. Nun will auch Edeka in dieser Sparte mitmischen. Was sagen die Wettbewerbswächter dazu?

Bonn/Hamburg (dpa) - Das Bundeskartellamt hat keine Einwände gegen die geplante Zusammenarbeit zwischen der regionalen Hamburger Drogeriemarktkette Budnikowsky und dem Einzelhandelskonzern Edeka.

Die Kooperation könne vor allem im Einkauf der Waren "strukturelle Nachteile" von Budnikowsky gegenüber den Wettbewerbern dm und Rossmann verringern, teilte die Behörde am Freitag in Bonn mit. Das dürfte dem Wettbewerb zugutekommen und den Verbrauchern nutzen.

Damit hat die genossenschaftlich organisierte Edeka-Gruppe als größter deutscher Lebensmittelhändler einen ersten Schritt getan, um selbst im Drogeriemarkt zu expandieren. Vorstandschef Markus Mosa hatte im April angekündigt, dass die Zusammenarbeit mit Budnikowsky den Grundstein für eine eigene Edeka-Drogeriemarktkette legen soll, die bundesweit gegen dm und Rossmann antritt. Die Edeka-Märkte verkaufen gegenwärtig auch Drogerieartikel, doch ist die Breite und Tiefe des Sortiments geringer als in den Fachmärkten.

Edeka und Budnikowsky wollen ein Gemeinschaftsunternehmen für die Beschaffung, Verwaltung und Logistik von Budnikowsky gründen. Edeka will zunächst 25,1 Prozent übernehmen - mit der Option, auf bis zu 74,9 Prozent aufzustocken.

Der Betrieb der 181 Filialen im Großraum Hamburg soll in der Hand des Familienunternehmens Budnikowsky bleiben. Edeka will das so erworbenen Know-how nutzen, um jährlich bis zu 50 neue Drogeriemärkte bundesweit zu eröffnen. Der Vorstoß in die Größenordnung der beiden Hauptkonkurrenten ist jedoch ein weiter Weg: Rossmann betreibt allein in Deutschland gut 2000 Märkte, dm mehr als 1800. Europaweit sind es bei beiden Unternehmen fast doppelt so viele.

Im Hamburger Regionalmarkt hält Budnikowsky 30 bis 35 Prozent, Edeka 5 bis 10 Prozent. "Seit der Eröffnung von Filialen von dm und Rossmann ist der Marktanteil von Budnikowsky deutlich rückläufig", hieß es in der Mitteilung des Bundeskartellamtes. "Gegenüber den beiden um ein Vielfaches größeren Unternehmen hat Budnikowsky erhebliche Beschaffungs- und Kostennachteile."

Die Kooperation mit Edeka verspreche eine Verringerung dieser Strukturnachteile. Da Edeka in Hamburg keine besonders starke Stellung im Drogeriemarkt einnehme, sehe das Amt in der Kooperation keine erhebliche Behinderung wirksamen Wettbewerbs.

Die beiden Unternehmen reagierten erfreut auf den Bescheid aus Bonn. "Mit Budni gewinnen wir für den Edeka-Verbund einen idealen Partner im Drogeriesegment, der unsere Geschäftsperspektiven mit seinem Know-how ideal unterstützt", sagte Mosa. Budnikowsky-Geschäftsführer Christoph Wöhlke erklärte, die Allianz mit Edeka ergänze die eigenen Wachstumspläne im Drogeriesegment. "Gleichzeitig wahren wir unsere Eigenständigkeit und Dynamik eines familiengeführten Unternehmens."

Mitteilung Bundeskartellamt

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

SEC brummt Deutsche-Bank-Töchtern Millionenstrafe auf

Washington (dpa) - Die Deutsche Bank kommen Regelverstöße in den USA abermals teuer zu stehen. Die US-Börsenaufsicht SEC brummte zwei US-Töchtern des Geldhauses wegen …
SEC brummt Deutsche-Bank-Töchtern Millionenstrafe auf

Dax schließt nach Trumps Rundumschlag klar im Minus

Frankfurt/Main (dpa) - Der jüngste Rundumschlag von Donald Trump hat den Dax am Freitag deutlich ins Minus gedrückt. Der US-Präsident heizte den Handelskonflikt weiter …
Dax schließt nach Trumps Rundumschlag klar im Minus

Ford ruft in Deutschland knapp 190.000 Autos zurück

Köln (dpa) - Der Autobauer Ford muss wegen Problemen an der Kupplung in Deutschland fast 190.000 Fahrzeuge zurückrufen.
Ford ruft in Deutschland knapp 190.000 Autos zurück

Merkel äußert sich zu drohender Thyssenkrupp-Zerschlagung

Berlin (dpa) - Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat sich indirekt gegen eine drohende Zerschlagung des Industriekonzerns Thyssenkrupp ausgesprochen.
Merkel äußert sich zu drohender Thyssenkrupp-Zerschlagung

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.