Energiekonzerne

Konzerne halten Milliarden aus Atomsteuer fest

+
In einen geöffneten Reaktordruckbehälter eines Atomkraftwerks werden Brennelemente eingesetzt. Foto: Armin Weigel

Gut 6 Milliarden Euro plus Zinsen haben die Atomkonzerne aus der Brennstoffsteuer zurückbekommen. Da das Geschäft schlecht läuft, nutzen sie den unverhofften Segen erst einmal zum Schuldenabbau und zur Bilanzpflege. Nur RWE hat einen Teil ausgeschüttet.

Essen/Karlsruhe (dpa) - Deutschlands Energiekonzerne nutzen angesichts ihrer schwachen Geschäfte die Rückerstattung der Atomsteuer weitgehend zum Schuldenabbau und zur Bilanzpflege. Das Geld bleibe im Konzern, hieß es von Eon und EnBW.

Nur RWE schüttet einen Teil an die Aktionäre aus. Hier war der Druck nach zwei ausgefallenen Dividenden in Folge aber auch besonders hoch.

"Wir wollen das Geld nicht für Dividenden und schon gar nicht für Abenteuer nutzen", sagte Eon-Chef Johannes Teyssen dem "Focus". Eon hatte 2016 einen Rekordverlust von 16 Milliarden Euro hinnehmen müssen. Der Konzern kassiert jetzt rund 2,8 Milliarden Euro Rückerstattung.

Auch der Energiekonzern EnBW will seine Rückzahlung von rund 1,44 Milliarden Euro zum Schuldenabbau und für Investitionen in Zukunftsprojekte nutzen. "Die Rückzahlung der Kernbrennstoffsteuer verbessert unsere angespannte bilanzielle Situation", sagte eine Unternehmenssprecherin am Freitag auf Anfrage. Die Steuerrückzahlung sei aber ein Einmaleffekt und werde nicht dazu beitragen, die operative Lage der EnBW zu verbessern. Ob eine Sonderdividende ausgeschüttet wird, entscheide die Hauptversammlung im Frühjahr 2018.

Eon-Konkurrent RWE, der aus der Rückerstattung etwa 1,7 Milliarden Euro erhält, hatte vor kurzem eine Sonderdividende mit einem Gesamtvolumen von rund 615 Millionen Euro angekündigt. Den größeren Anteil des zurückgezahlten Geldes behält aber auch RWE zur Stärkung der Finanzkraft.

Das Bundesverfassungsgericht hatte am 7. Juni die Brennelementesteuer für verfassungswidrig und rückwirkend für nichtig erklärt. Die Steuer für Brennstäbe in Atomkraftwerken war seit 2011 erhoben worden und am 31. Dezember 2016 ausgelaufen. Insgesamt muss der Bund gut 6 Milliarden Euro plus Zinsen zurückzahlen.

Mehr zum Thema

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

Standort: München, Ingolstadt und Darmstadt liegen vorn

Welches sind die Großstädte Deutschlands mit großer Wirtschaftskraft? Welche Kommunen haben die besten Zukunftschancen? Eine Auftragsstudie fasst viele Daten zusammen. …
Standort: München, Ingolstadt und Darmstadt liegen vorn

Deutsche Wirtschaft wächst in den Sommermonaten kräftig

Wiesbaden (dpa) - Die deutsche Wirtschaft hat angetrieben vom Exportboom und von steigenden Investitionen vieler Unternehmen ihr Wachstumstempo im dritten Quartal erhöht.
Deutsche Wirtschaft wächst in den Sommermonaten kräftig

Miese Stimmung bei Bundesagentur

Misstrauen, fehlende Kooperation und Wertschätzung - eine Mitarbeiterbefragung unter 3000 Führungskräften offenbart ein desaströsen Betriebsklima bei der Bundesagentur …
Miese Stimmung bei Bundesagentur

Euro-Stärke drückt Dax unter 13 000 Punkte

Frankfurt/Main (dpa) - Der starke Euro hat den deutschen Aktienmarkt am Donnerstag erneut belastet. Die Gemeinschaftswährung stieg am Morgen noch deutlicher über 1,18 …
Euro-Stärke drückt Dax unter 13 000 Punkte

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.