Übernahmeversuch gescheitert

Kraft Heinz zieht 143-Milliarden-Angebot für Unilever zurück

+
Das wohl berühmteste Produkt des amerikanischen Ketchup- und Lebensmittel-Herstellers Kraft Heinz. Foto: Angelika Warmuth

New York/London - Schon die ersten Annäherungsversuche stießen auf wenig Gegenliebe. Jetzt zieht der amerikanische Ketchup- und Lebensmittel-Gigant Kraft Heinz sein milliardenschweres Angebot für den Konsumgüter-Riesen Unilever zurück. 

Der US-Lebensmittelriese Kraft Heinz hat sein milliardenschweres Übernahmeangebot für den britisch-niederländischen Konsumgüterkonzern Unilever nach nur zwei Tagen wieder zurückgezogen. Das teilten die Unternehmen am Sonntag in einer gemeinsamen Mitteilung mit. Die 143 Milliarden Dollar (134 Mrd Euro) schwere Offerte vom Freitag ist damit schon wieder vom Tisch.

Unilever hatte den Fusionsversuch bereits zurückgewiesen. Der britisch-niederländischen Hersteller von Dove-Seife, Axe-Duschgel und Lipton-Tee hielt sich durch das vorgeschlagene Angebot für „fundamental unterbewertet“. Es stellte mit 49,61 Dollar je Aktie immerhin einen Aufschlag von 18 Prozent auf den letzten Schlusskurs dar, allerdings verkündete der Konzern am Freitag: „Unilever sieht keine Basis für weitere Diskussionen.“ Kraft Heinz hatte zuvor bereits erklärt, weiter auf einen Zusammenschluss dringen zu wollen.

Laut „Wall Street Journal“ (WSJ) hatte Unilever-Chef Paul Polman allerdings auch den Verwaltungsrat und große Investoren gegen Kraft Heinz in Stellung gebracht. Das „WSJ“ schreibt in seiner Online-Ausgabe unter Berufung auf mit dem Vorgang vertraute Personen, Polman habe vor dem „Kostensenkungs-Ethos“ der Amerikaner gewarnt, das die Unilever-Marken beschädigen könnte.

Eine Fusion der Branchenschwergewichte hätte einige bekannte Marken unter einem Dach vereint. Zu Kraft Heinz gehört neben dem bekannten Ketchup etwa Philadelphia-Frischkäse oder die Mayonnaise Miracel Whip. An den Börsen wurde die Vorfreude auf einen möglichen Zusammenschluss gefeiert. Unilever-Aktien legten etwa an der Börse in Amsterdam zeitweise um fast zehn Prozent zu, während die von Kraft Heinz im vorbörslichen US-Handel um knapp fünf Prozent stiegen.

Kraft Heinz wird von der brasilianischen Private-Equity-Gesellschaft 3G Capital kontrolliert, die mit dem Philadelphia-Hersteller Kraft und der Ketchup-Ikone Heinz 2015 zwei US-Traditionsmarken zusammengeführt hatte. Zuletzt kursierten Spekulationen über weitere Deals. Im Dezember hatten bereits Gerüchte über eine Wiedervereinigung von Kraft Heinz mit dem Oreo- und Milka-Hersteller Mondelez für Aufregung an der Börse gesorgt.

dpa

Pflichtmitteilung von Kraft Heinz

Pflichtmitteilung von Unilever

Artikel Wall Street Journal

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

Größte Freihandelszone der Welt wird neu aufgestellt

Fast ein Vierteljahrhundert waren die meisten mit Nafta zufrieden - dann kam Donald Trump. Die Nordamerikanische Freihandelszone muss auf Druck des US-Präsidenten neue …
Größte Freihandelszone der Welt wird neu aufgestellt

Wohnmobile werden in Deutschland immer beliebter

In die Freizeitfahrzeuge halten jetzt immer mehr elektronische Helfer Einzug - von der Rückfahrkamera bis zum Abstandswarner. Deutschlands Versicherer halten das …
Wohnmobile werden in Deutschland immer beliebter

Ministerin Barley droht mit Frauenquote für Vorstände

Die Leitung von Unternehmen ist immer noch überwiegend Männerdomäne. Eine Pflicht für Firmen, ihre Vorstände ausgeglichen zu besetzen, gibt es nicht. Jetzt ist sie …
Ministerin Barley droht mit Frauenquote für Vorstände
Video

Deutsche Post stellt E-Transporter vor

Der „Streetscooter Work XL“ kommt aus dem Hause Ford. Dieser Elektro-Transporter soll künftig DHL-Pakete ausliefern. Was der Fahrzeug kann, erfahren Sie im Video.
Deutsche Post stellt E-Transporter vor

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.