„Ich scheue harte Arbeit nicht“

Der rasante Aufstieg des Li Shufu: Wer ist der Daimler-Großaktionär eigentlich?

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Li Shufu während eines Meetings in Brüssel 2017. 

Li Shufu - der Name dürfte vielen Deutschen seit dem vergangenen Wochenende nun ein Begriff sein. Der Chinese ist im großen Stil beim Stuttgarter Autobauer Daimler eingestiegen. Aber wer ist der Mann eigentlich?

In der vergangenen Woche geisterte ein Name durch die deutschen Medien, der zuvor wohl nur den Experten der Automobilbranche ein Begriff war: Li Shufu. Der 54-jährige Chinese stammt aus einer armen Reisbauernfamilie - und ist seit wenigen Tagen der größte Einzelaktionär des Stuttgarter Konzerns Daimler. Doch wer ist Li Shufu, warum investierte er eine Milliardensumme in den deutschen Autobauer?

Der Chinese ist Haupteigentümer des chinesischen Autobauers Geely, welchen er 1986 als Zhejiang Geely Holding Group Co. Ltd. als Hersteller von Kühlschrankteilen selbst gründet hatte. Sein Unternehmen floriert, 2010 erwirbt Geely den schwedischen Autobauer Volvo. „Ein armer Junge vom Land heiratet das reiche Mädchen aus der Stadt“, umschreibt Li Shufu den Coup. Sieben Jahre später steigt er im großen Stil beim Lkw-Bauer Volvo Trucks ein, wird dort wichtigster Einzelaktionär. Geely ist mittlerweile die größte chinesische Automarke. Im vergangenen Jahr verkaufte sein Konzern rund 1,6 Millionen Fahrzeuge.

Li Shufu will automobilen Weltkonzern 

Die Milliarden-Investition in Daimler soll nun der Schritt hin zu einem automobilen Weltkonzern sein. Li freue sich, „Daimler auf dem Weg zu einem der weltweit führenden Anbieter von Elektromobolität zu begleiten. Die Wettbewerber, die uns im 21. Jahrhundert technologisch herausfordern, kommen nicht aus der Automobilindustrie“, sagte Li: „Den Kampf um die Zukunft des Automobils wird kein aktueller Branchenspieler allein gewinnen können.“ Aktien im Wert von fast sieben Milliarden Euro, rund 9,69 Prozent der Daimler AG, erwarb der 54-Jährige mit Hilfe von Investoren. Li hält mit seiner Firma nun den größten Anteil an Daimler, zuvor war das noch der Staatsfonds von Kuwait. 

Vor allem Daimlers Batterietechnologie habe es ihm dabei angetan, wird berichtet. Im kommenden Jahr will Peking eine gesetzliche Absatzquote für Elektroautos einführen. In den USA entwickeln Technikkonzerne wie beispielsweise Google oder Tesla selbstlenkende E-Autos. Dagegen will Li nun eine Allianz der Autohersteller bilden, heißt es. 

Li glaubt, dass nicht viele Hersteller den großen technologischen Wandel der Branche überleben werden. Und bei Daimler glaubt man, dass die Chancen mit einem chinesischen Partner deutlich besser stehen. 

Li Shufu: „Ich scheue harte Arbeit nicht“

Die Geschichte des mit einem geschätzten Vermögen von 16 Milliarden Dollar zehntreichsten Chinesen beginnt in seinem kleinen chinesischen Heimatdorf inmitten der Provinz. Eines Tages will Li sich als junger Mann Schuhe in einer kleinen Schuhwerkstatt bestellen. Dort sieht Li, wie der Schuster im Hinterzimmer Kühlschränke wieder zusammenschraubt. Li Shufu eröffnet daraufhin seine eigene Fabrik. Der junge Mann wird Millionär.

Nach einiger Zeit schließen die Behörden jedoch seine Fabrik, er sattelt um und baut nun billige Motorräder, die er nach dem Vorbild taiwanesischer Modelle kopiert. Kurz darauf beginnt er mit dem Bau von Autos. Erst einige Jahre später erhält er die offizielle Lizenz, zuvor arbeitet er stets ohne Genehmigung der Regierung. 

„Ich scheue harte Arbeit nicht“, sagt der Bauernjunge heute. „Ich fürchte mich nicht zu verarmen. Aber ich liebe es zu verdienen.“ Am Wochenende wurde er erstmals persönlich in Stuttgart vorstellig. Am Dienstag nun soll weiter verhandelt werden - diesmal im Kanzleramt in Berlin. 

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