10 Meter breit, 40 Meter lang

Loch auf A20 bereitet Ostsee-Tourismusbranche Sorgen

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Das abgesackte Autobahnteilstück der A20 an der Trebeltalbrücke bei Tribsees. Foto: Bernd Wüstneck

"Wie konnte das nur geschehen?" Auch noch nach Wochen sorgt der Anblick des Lochs auf der A20 für hilfloses Kopfschütteln. Die Ursachenforschung steht hinten an. Vorrangig sind die Reparatur und die Bewältigung des Feiertagsverkehrs.

Tribsees (dpa) - Mit Sorge schauen die Tourismusmanager im Osten Mecklenburg-Vorpommerns auf "das Loch". Es ist mit 10 Metern Breite, 40 Metern Länge und durchschnittlich 2,50 Meter Tiefe wohl das größte und berühmteste Loch in der deutschen Autobahngeschichte und hat die A20 bei Tribsees östlich von Rostock völlig zerstört.

Die Befürchtung ist, dass sich Gäste von einem Besuch der Ostsee-Inseln Usedom oder Rügen abhalten lassen, wenn größere Staus an der Ausleitung entstehen sollten.

"Das ist für die Branche eine komplizierte Situation", sagt der Sprecher des Landestourismusverbands, Tobias Woitendorf. Auch wenn die Gäste aus Berlin und Bundesländern wie Sachsen oder Thüringen wegen der Anreise über die A11 nicht betroffen seien, so werde es vielleicht schwierig für Besucher aus dem Westen.

Die Behinderungen treffen die Urlaubsbranche am Ende einer Saison, in der erstmals nach mehreren Jahren des stetigen Wachstums ein Minus zu verzeichnen ist. Den Managern war jüngst auf dem Tourismustag klar, dass daran nicht nur das schlechte Wetter schuld war. Es gibt auch strukturelle Defizite, die bearbeitet werden müssen.

Die Befürchtungen wegen der A20 beziehen sich vor allem auf die Saison 2018. Für die anstehenden Feiertage sei vermutlich nicht mit langen Staus zu rechnen, sagt Woitendorf. Auch wenn Silvester immer viel los ist an den Küsten, gibt es doch die Hoffnung, dass sich wegen des vergleichsweise geringeren Verkehrsaufkommens die Staus in Grenzen halten. Es sei auch nicht davon auszugehen, dass es bereits jetzt schwere Auswirkungen etwa auf Übernachtungszahlen geben könnte. "Die meisten Gäste haben lange im Voraus gebucht."

Der Grund für das Desaster ist eine große Torflinse tief im Boden unter der Autobahn. Was letztlich den Ausschlag für den Zusammenbruch gegeben hat - Fehlkalkulationen, Verwendung von schwachen Stützen oder nicht überprüfte Techniken -, ist unklar. Diese Frage steht für Verkehrsminister Christian Pegel (SPD) nicht im Vordergrund. Wichtig sei, den Verkehr so schnell wie möglich auf dieser Trasse zum Fließen zu bringen - einen Anhaltspunkt für die Dauer gibt er jedoch nicht.

Hoffnungen auf einen schnellen Bau einer Umfahrung erteilte Pegel am Freitag eine Absage. Die derzeit favorisierte Wiederherstellung der alten Baustraße werde nicht vor dem Sommer 2018 zu realisieren sein, sagte der Minister am Freitag im Schweriner Landtag.

"Das war keine Glanzleistung der Ingenieure", betont der Geschäftsführer von Usedom Tourismus, Thomas Heilmann. Er weiß, dass das An- und Abreisethema ein wichtiges Kriterium für eine Urlaubsentscheidung ist. "Wenn sich dann der Reiseweg wesentlich verlängert, dann kann man davon ausgehen, dass die Leute sagen, "dann machen wir halt Urlaub vor dem Loch"." Was wiederum die Touristiker auf dem Darß freuen könnte.

Es sei jedoch inakzeptabel, dass es nun möglicherweise Jahre dauern könnte, bis die A20 wieder normal befahrbar sei. "Das muss einfach schneller gehen", sagt der ausgebildete Bauingenieur Heilmann mit Blick etwa auf die Baugeschwindigkeiten beim Nachbarn Polen.

Die Besucher, die aus dem Westen nach Vorpommern fahren, sollten auf der Umleitung das Tempolimit einhalten. Nach massiven Beschwerden von Anwohnern ist am Freitag in der kleinen Ortschaft Langsdorf ein stationärer Blitzer in Betrieb genommen worden. Damit soll der ungebremsten Raserei Einhalt geboten werden. Ein Strafzettel könnte den Verdruss über einen verlängerten Reiseweg auch noch vergrößern.

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