Chaos am Himmel

Lotsen kritisieren Airlines und Flugsicherung

+
Die deutschen Fluglotsen schlagen Alarm. Foto: Boris Roessler

Frankfurt/Main (dpa) - Die deutschen Fluglotsen wollen nicht für die zahlreichen Verspätungen und Flugausfälle in diesem Sommer verantwortlich gemacht werden.

Gründe seien vielmehr eine falsche Personalplanung bei der bundeseigenen Flugsicherung sowie die einseitige Lobby-Politik der Fluggesellschaften in den vergangenen Jahren, erklärte die Gewerkschaft der Flugsicherung (GdF) in Frankfurt. Die Talsohle der augenblicklichen Misere sei noch nicht erreicht und aus Sicht der GdF auch keinesfalls schnell zu lösen.

Namentlich Ryanair-Chef Michael O'Leary habe gemeinsam mit anderen Airlines wie der Lufthansa Druck bei der EU für niedrigere Flugsicherungsgebühren gemacht, kritisierte GdF-Chef Matthias Maas. Die Flugsicherungen hätten die Vorgaben aus Brüssel nur mit großen Personaleinsparungen und dem Verschieben wichtiger technischer Erneuerungen leisten können.

Nun verlangten dieselben Lobbyisten auf einmal eine höhere Leistung, was nicht funktionieren könne: "Man kann nun mal nicht alles haben: Billiger fliegen, aber gleichzeitig einen besseren Service durch noch mehr Mitarbeiter und mehr Kapazität durch neue Flugsicherungssysteme erwarten."

Der von den Airlines beklagte Fluglotsenmangel bestehe in Deutschland und europaweit, räumte Maas ein. Der bundeseigenen DFS hielt der Gewerkschafter vor, es in "fahrlässiger Weise" versäumt zu haben, die Ausbildungskapazitäten wieder zu steigern.

Die Geschäftsführung habe mit Blick auf die Geschäftszahlen stets argumentiert, dass man teure personelle Überkapazitäten vermeiden müsse. Dies habe bei der GdF und fast allen Mitarbeitern für ungläubiges Kopfschütteln gesorgt, da es von der Anwerbung bis zum eigenständigen Arbeiten eines Fluglotsen zwischen drei und fünf Jahren brauche.

Man sei nicht frei in der Personalplanung, erwiderte die DFS in Langen bei Frankfurt. Die EU-Kommission habe Zielwerte vorgegeben, die erfüllt werden mussten. In der Zeit von 2012 bis 2014 habe man zu viele Lotsen für den vorhandenen Verkehr gehabt, nun trete in der aktuellen Regulierungsperiode das Gegenteil ein. Die gesamte Branche sei von dem unerwarteten Verkehrsanstieg seit 2017 überrascht worden, der auch im laufenden Jahr zu neuen Rekorden führen werde. Man bilde derzeit so viele Lotsen wie möglich aus.

Mehr zum Thema

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

Ufo-Warnstreik: Flughäfen rechnen mit geringen Auswirkungen

Berlin (dpa) - Die für Sonntagmorgen geplanten Warnstreiks der Kabinengewerkschaft Ufo dürften sich nach Einschätzung von Flughäfen und Airlines kaum auf den Flugbetrieb …
Ufo-Warnstreik: Flughäfen rechnen mit geringen Auswirkungen

Industrie stellt Koalition schlechtes Zeugnis aus

Die Wirtschaft ist seit langem unzufrieden mit der Arbeit der Koalition. Auch zur Halbzeit gibt es vom Industrieverband alles andere als Lob. Für die Opposition ist das …
Industrie stellt Koalition schlechtes Zeugnis aus

Streik bei Lufthansa: Nun doch jederzeit möglich

Noch gestern Abend sah es danach aus, als ob die Lufthansa selbst nicht bestreikt werden würden. Doch das Blatt scheint sich nun wieder gewandelt zu haben. 
Streik bei Lufthansa: Nun doch jederzeit möglich

Windenergie: Nabu warnt Überlastung in Nord- und Ostsee

Ja, aber - im Prinzip unterstützt der Naturschutzbund den Ausbau der Windenergie auf See. Doch was die Politik als Klima-Offensive verkauft, ist für die Umweltschützer …
Windenergie: Nabu warnt Überlastung in Nord- und Ostsee

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.