"Gut aufgestellt"

LSE arbeitet weiter an Fusion mit Deutscher Börse

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Die LSE war im vergangenen Jahr gewachsen und hatte auch mehr verdient - allerdings nur, wenn man Spartenverkäufe und andere Sondereffekte herausrechnet. Foto: Will Oliver

Brexit, Debatten um Marktmacht, Insider-Ermittlungen der Justiz: Die schon öfter geplante Fusion zwischen den Börsen in Frankfurt und London stand zuletzt unter keinem guten Stern. Die Briten wollen den Deal weiter - heben aber auch ihre eigene Stärke hervor.

London/Frankfurt (dpa) - Die London Stock Exchange (LSE) sichert sich angesichts des drohenden Scheiterns der Fusion mit der Deutschen Börse ab.

Bei der Vorstellung der Geschäftsergebnisse für das vergangene Jahr beteuerte die LSE zwar, an dem geplanten Zusammenschluss festhalten zu wollen. Gleichzeitig betonte der Londoner Börsenbetreiber aber seine eigene Stärke und umwarb die Aktionäre mit einer deutlichen Erhöhung der Dividende.

"Die Firmengruppe arbeitet weiter hart an der vorgeschlagenen Fusion mit der Deutschen Börse AG", erklärte die LSE am Freitag in London. Es werde nun abgewartet, wie die EU-Kommission entscheide.

Die europäischen Wettbewerbshüter wollen sich bis zum 3. April zu der Transaktion äußern. Allgemein wird damit gerechnet, dass das Vorhaben untersagt wird. Denn die LSE weigert sich, die jüngste Vorgabe aus Brüssel zu erfüllen und ihren Mehrheitsanteil an der italienischen Anleihen-Handelsplattform MTS zu verkaufen.

Kritiker sagen, das Nein zum MTS-Verkauf sei nur ein willkommener Vorwand, um die Fusion mit der Deutschen Börse platzen lassen zu können, ohne selbst das Gesicht zu verlieren. Die Brexit-Entscheidung und nachfolgende Diskussionen um den Standort der gemeinsamen Dachgesellschaft hatten die Stimmung vergiftet.

Eigentlich war London gesetzt, doch die deutschen Aufsichtsbehörden fürchteten, nach dem Ausscheiden der Briten aus der EU keine Kontrolle mehr zu haben. Auch in der britischen Politik hatten sich zuletzt ablehnende Stimmen zu dem Fusionsplan gemehrt.

LSE-Chef Xavier Rolet unterstrich nun bei der Bilanzvorlage die Stärke der Londoner Börse: "Wir bleiben gut aufgestellt über alle Geschäftsbereiche hinweg." Die Anleger sollen eine um ein Fünftel höhere Dividende fürs Gesamtjahr von 43,2 Pence je Aktie erhalten - "wegen der guten Perspektiven für die Firmengruppe", wie es hieß.

Die LSE war im vergangenen Jahr gewachsen und hatte auch mehr verdient - allerdings nur, wenn man Spartenverkäufe und andere Sondereffekte herausrechnet. Diese Faktoren einbezogen, schrumpfte die LSE jedoch und musste einen Gewinneinbruch um mehr als die Hälfte auf unterm Strich 151,9 Millionen Pfund (177 Mio Euro) hinnehmen. So hatte der Börsenbetreiber einen Verlust aus der Trennung vom Vermögensverwalter Russell Investment Management verbuchen müssen.

Die Deutsche Börse hatte im vergangenen Jahr ihren Gewinn ausbauen können - auf unter dem Strich 722 Millionen Euro. Auch hier sollen die Anleger mehr Dividende erhalten, allerdings fällt der Zuwachs geringer aus als bei den Londoner Kollegen.

Deutsche Börse und LSE hatten vor gut einem Jahr ihren Plan öffentlich gemacht, den größten europäischen Börsenbetreiber zu schmieden. Neben dem Streit um den Sitz sollen unbestätigten Medienberichten zufolge auch die Ermittlungen der Frankfurter Staatsanwaltschaft gegen Deutsche-Börse-Chef Carsten Kengeter wegen des Verdachts auf Insiderhandel bei einem milliardenschweren Aktiengeschäft den Deal belastet haben.

Kengeter hatte zur Wochenmitte eingeräumt, dass die Chancen für den Zusammenschluss geschwunden seien. Gleichzeitig hatte er jedoch betont: "Stehenbleiben ist keine Option." Der Blick richte sich nun nach vorn. "Denn was wir machen müssen, ist völlig klar: Wir müssen versuchen, die Deutsche Börse wieder in die internationale Spitzengruppe zurückzuführen. Denn da gehört die Deutsche Börse hin. Das ist unser Ziel."

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