In der Belegschaft wächst die Unruhe

MAN: Es drohen tiefe Einschnitte - Allein in Bayern stehen 4200 Stellen auf dem Spiel

MAN-Truck: Der Münchner Lkw-Bauer will bis zu 9500 Stellen abbauen, rund 4200 davon in München, Nürnberg und Salzgitter.
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MAN-Truck: Der Münchner Lkw-Bauer will bis zu 9500 Stellen abbauen, rund 4200 davon in München, Nürnberg und Salzgitter.

Beim Münchner Lkw-Bauer MAN drohen tiefe Einschnitte. Allein am Standort München sind bis zu 3000 Stellen in Gefahr. Die Komponenten-Fertigung in Salzgitter soll nach Krakau verlagert werden.

  • Beim Münchner Lkw-Bauer droht ein drastischer Stellenabbau.
  • Die größten Einschnitte drohen am Standort München.
  • Auch Nürnberg und Salzgitter stehen vor tiefen Einschnitten.

München - Der Lkw-Bauer MAN plant an seinen deutschen Standorten drastische Einschnitte. Nach Informationen von Merkur.de* aus Unternehmenskreisen stehen am Standort München rund 3000 der insgesamt 9000 Stellen auf dem Spiel. Weitere rund 1200 Arbeitsplätze sollen im MAN-Motorenwerk in Nürnberg abgebaut werden. Dort beschäftigt das Unternehmen rund 3800 Mitarbeiter. Damit wäre alleine an den beiden größten deutschen Standorten von MAN Truck & Bus jeder dritte Arbeitsplatz in Gefahr, heißt es aus informierten Kreisen.

VW-Tochter will Komponenten-Fertigung aus Salzgitter abziehen

Zudem will die VW-Tochter „die gesamte Komponentenfertigung aus Salzgitter abziehen und ins Werk Krakau verlagern“, sagte eine mit den Vorgängen vertraute Person am Mittwoch gegenüber Merkur.de. Von den Plänen wären weitere 1400 betroffen. Gemessen an der Gesamtzahl von 2400 Beschäftigten würde damit jeder zweite Arbeitsplatz in Salzgitter wegfallen.

MAN baut in Salzgitter unter anderem Achsen und Kurbelwellen. Das Logistik-Zentrum in Salzgitter sei von den Plänen aber ausgenommen, heißt es. An seinem niedersächsischen Standort hat der Konzern die komplette Ersatzteilversorgung für seine Nutzfahrzeuge zusammengefasst.

Ein Konzern-Sprecher lehnte am Mittwochnachmittag gegenüber Merkur.de eine Stellungnahme unter Verweis auf die bevorstehenden Verhandlungen mit dem Betriebsrat ab.

MAN: In der Belegschaft wächst die Unruhe

Auch intern hält sich der Konzern bislang weitgehend bedeckt. An den deutschen MAN-Standorten wächst daher die Unruhe. Viele Mitarbeiter seien „total verunsichert“, heißt es etwa aus Nürnberg. Die Belegschaft sei „in heller Aufregung“. Auch im Stammwerk in München sei die Stimmung „katastrophal“.

Nach den am vergangenen Freitag veröffentlichten Plänen will MAN insgesamt 9500 Stellen streichen. Die Standorte Steyr (Österreich), Plauen (Sachsen) und Wittlich (Rheinland-Pfalz) sollen komplett geschlossen werden.

MAN-Chef Tostmann zeichnet intern düsteres Bild der Lage

Zur Begründung hatte MAN-Chef Andreas Tostmann gesagt, MAN müsse deutlich „innovativer, digitaler und nachhaltig profitabler“ werden. Intern hatte der seit Juli amtierende Vorstandsvorsitzende der MAN Truck & Bus ein düsteres Bild der aktuellen wirtschaftlichen Lage gezeichnet. MAN befinde sich „in einer sehr schwierigen Situation“. (…) Ohne den Volkswagen-Konzern im Rücken wäre die Lage existenzbedrohend“, sagte Tostmann in einer am Freitag im Intranet veröffentlichten Videobotschaft* die Merkur.de* vorliegt.

MAN ist im ersten Halbjahr tief in die roten Zahlen gerutscht. Operativ wies das Unternehmen von Januar bis Juni einen Verlust von 387 Millionen Euro aus. Im Vorjahreszeitraum hatte MAN operativ noch 253 Millionen Euro verdient.

Angesichts der Pläne hat der Betriebsrat bereits massiven Widerstand angekündigt. „Es kann nicht sein, dass Stellenabbau und Standortschließungen die einzigen Lösungsansätze sind, die dem Vorstand einfallen“, erklärte Konzern-Betriebsratschef Saki Stimoniaris. Dies seien „Management-Konzepte von tief unten aus der Mottenkiste.“

Wie viele Stellen an den jeweiligen Standorten am Ende tatsächlich wegfallen, ist allerdings noch völlig offen. Zunächst muss der Konzern mit dem Betriebsrat verhandeln. Die entsprechenden Gespräche könnten in den nächsten Tagen starten.

MAN: Bayern und Niedersachsen dürften für ihre Standorte in die Bresche springen

Außerdem dürften auch die jeweiligen Landesregierungen für ihre Standorte in die Bresche springen. Der niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) ist stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender des Volkswagen-Konzerns. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hat seinen Wahlkreis in Nürnberg-Ost. Der bayerische Wirtschaftsminister Hubert Aigner hat seine Unterstützung zum Erhalt möglichst vieler Arbeitsplätze bei dem Münchner Lkw-Bauer* bereits zugesagt. *Merkur.de ist Teil des Ippen Digital Netzwerks.

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