Frauen holen auf

Mehr reguläre Jobs in Deutschland

+
Frauen sind immer noch wesentlich häufiger in den als "atypisch" bezeichneten Beschäftigungsverhältnissen zu finden als Männer. Foto: Rainer Jensen

Job ist nicht gleich Job. Die amtliche Statistik bezeichnet eine Reihe von Arbeitsverhältnissen als atypisch - etwa Zeitverträge, Leiharbeit oder kurze Teilzeit. Dank der guten Konjunktur finden Menschen häufiger Jobs, die der Norm entsprechen.

Wiesbaden (dpa) - Auf dem deutschen Arbeitsmarkt haben Menschen häufiger einen regulären Hauptjob mit Sozialversicherung gefunden.

Atypische Beschäftigungsformen wie Zeitverträge, Leiharbeit, kurze Teilzeit oder Mini-Jobs sind im vergangenen Jahr zurückgegangen, machen aber immer noch gut ein Fünftel der Beschäftigungen aus, wie das Statistische Bundesamt berichtete.

Von dem Trend profitierten im vergangenen Jahr vor allem die Frauen. Im Vergleich zum Vorjahr hatten rund 300.000 Frauen zusätzlich einen sozialversicherten Hauptjob mit mehr als 20 Wochenstunden Arbeitszeit.

Die Steigerung um 2,8 Prozent auf 11,1 Millionen Personen war höher als bei den Männern (+1,0 Prozent) und damit als in der Gesamtheit der so genannten "Kernerwerbstätigen", berichtete die Wiesbadener Behörde. Hier sind Erwerbstätige im Alter zwischen 15 und 64 Jahren gemeint, die nicht in Schule oder Ausbildung sind und auch keinen Freiwilligendienst leisten.

Allerdings sind Frauen immer noch wesentlich häufiger in den als "atypisch" bezeichneten Beschäftigungsverhältnissen zu finden als Männer. Dies trifft nach den Zahlen aus dem Mikrozensus auf fast jede dritte erwerbstätige Frau zu, aber nur auf knapp 12 Prozent der Männer.

Von den 7,5 Millionen atypischen Beschäftigungsverhältnissen entfielen im vergangenen Jahr rund zwei Drittel (5,1 Mio) auf Frauen. Auch bei den als "normal" geführten Teilzeitjobs mit mehr als 20 Wochenstunden sind die Frauen mit einem Verhältnis von 3,4 Millionen zu 460.000 Männern deutlich in der Überzahl.

Laut einer im Juni veröffentlichten Studie des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts der gewerkschaftlichen Böckler-Stiftung haben aber auch jüngere Menschen und Ausländer ein erhöhtes Risiko, in den meist schlecht bezahlten atypischen Jobs zu landen.

Im späteren Leben bekommen sie die Folgen oft zu spüren: Atypische Beschäftigung ist laut dem Sozialverband VdK ein Risiko mit Blick auf die Rente. Viele Frauen verzichten zum Beispiel für die Kindererziehung auf Vollzeitstellen und arbeiten stattdessen in Mini- oder Teilzeitjobs. So erhielten sie später nur eine kleine Rente und seien besonders häufig von Altersarmut betroffen.

Die Definition der atypischen Beschäftigung ist allerdings umstritten. So wehren sich die Verbände der Zeitarbeitsfirmen gegen die Einordnung, weil sie ihre Leute regulär bei den Sozialversicherungen anmeldeten und unbefristet einstellten.

Dem hält der Deutscher Gewerkschaftsbund (DGB) entgegen, dass Leiharbeiter wie Mini-Jobber häufig unter ihrer eigentlichen Qualifikation eingesetzt würden. In der amtlichen Statistik sind außerdem knapp 3,5 Millionen Selbstständige enthalten, von denen wiederum nur gut die Hälfte (1,9 Mio) als Solo-Unternehmer unterwegs ist.

Flexible Beschäftigungsformen wie Minijobs sind aus Sicht der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) aber auch unverzichtbar für die Arbeitsmarktdynamik: Sie erleichterten den Einstieg in Arbeit und böten neue Beschäftigungsperspektiven für gering Qualifizierte und Langzeitarbeitslose, hatte der Verband erklärt.

Bericht des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts der Hans-Böckler-Stiftung

DGB zu Leiharbeit

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

„Die USA sind sauber und schön“: Donald Trump weist Greta Thunbergs Kritik zurück

Greta Thunberg prangert immer wieder die Umweltsünden der USA an. Donald Trump findet das gar nicht gut. 
„Die USA sind sauber und schön“: Donald Trump weist Greta Thunbergs Kritik zurück

Kanada verhängt Millionenstrafe gegen VW

Mehr als 30 Milliarden Euro an Rechtskosten hat die Affäre um manipulierte Abgaswerte zahlreicher Dieselautos den VW-Konzern bereits gekostet. Nun steigt die Rechnung …
Kanada verhängt Millionenstrafe gegen VW

Sparkassen, Volksbanken & Co.: Vorsicht vor aktuellen Phishing-Mails!

Phishing-Mails hat wohl jeder schon einmal bekommen. Kunden der Sparkassen und Volksbanken sollten aktuell besonders wachsam sein. Betrüger versuchen an die Login-Daten …
Sparkassen, Volksbanken & Co.: Vorsicht vor aktuellen Phishing-Mails!

Konjunkturhoffnung und Billiggeld: Dax kurz auf Rekordhoch

Nach einem glänzenden Jahr 2019 geht es im neuen Jahr an der deutschen Börse zunächst schleppend voran. Dennoch bricht der Dax den bisherigen Rekord. Ganz überraschend …
Konjunkturhoffnung und Billiggeld: Dax kurz auf Rekordhoch

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.