Autonachfrage geht zurück

Metallindustrie sieht steigende Rezessionsgefahr

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Rainer Dulger, Präsident von Gesamtmetall, hält seine Branche für "stark rezessionsgefährdet". Foto: Sebastian Gollnow/Archiv

Steht die deutsche Wirtschaft vor einer Rezession? Das ist noch nicht ausgemacht, doch nach Ansicht eines wichtigen Arbeitgeber-Vertreters steigt das Risiko.

Augsburg/Frankfurt (dpa) - Die Metall-Arbeitgeber sehen in ihrem Wirtschaftszweig die Gefahr einer Rezession wachsen. Die amerikanische Zoll-Politik und der anstehende Brexit setzten der deutschen Exportwirtschaft zu.

Noch könne man zwar nicht sagen, ob Deutschland tatsächlich in die Rezession abrutscht, "dennoch ist klar, dass unsere Branche derzeit stark rezessionsgefährdet ist", sagte der Präsident des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall, Rainer Dulger, der "Augsburger Allgemeinen".

Der Verband der Elektrotechnik, Elektronik und Informationstechnik (VDE) beurteilt die Lage günstiger. In einer Umfrage unter 1300 Unternehmen und Hochschulen der Branche rechneten 60 Prozent für das kommende Jahr mit einer gleichbleibenden Entwicklung und 26 Prozent sogar mit einem Aufschwung. Als größte Risiken nannten die Unternehmen den Fachkräftemangel (60 Prozent), die Folgen des Brexits (39 Prozent) und das wirtschaftliche Schwächeln Europas (33 Prozent), wie der VDE am Samstag mitteilte.

Gesamtmetall-Präsident Dulger wies auf die schwachen Zahlen zu Jahresbeginn hin: "Der Auftragseingang und die Produktion lagen Anfang 2019 deutlich unter den vergleichbaren Werten von 2018", sagte er. "Was die Aussichten für unsere Geschäfte betrifft, sind wir skeptischer geworden." Der nach wie vor stabile private Konsum könne das schwache Auslandsgeschäft nicht ausgleichen. Besonders betroffen von dieser Entwicklung sei die Automobilbranche.

Der Vorstandschef des Leuchtmittelherstellers Osram, Olaf Berlien, erwartet für das gesamte Jahr einen starken Rückgang der weltweiten Autonachfrage. "Die offiziellen Statistiken, mit der die gesamte Autoindustrie arbeitet, gehen für 2019 von 96 Millionen zu produzierenden Autos aus. Diese Zahl glaube ich nicht", sagte Berlien der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". "Ich rechne mit 90 Millionen Fahrzeugen."

Den sinkenden Autoabsatz und die schwächere Smartphone-Nachfrage nannte Berlien als Gründe dafür, dass er seine Geschäftsprognose für Osram am Donnerstag scharf nach unten korrigiert habe. "Wir haben uns auf eine pessimistische, leider aber realistische Sicht für 2019 festgelegt", sagte er.

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