Gespaltenes Miet-Land

Mietwohnungen im Süden teuer, in NRW und Osten günstiger

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Mietwohnungen in Frankfurt: Haushalte an der Armutsgrenze und Alleinerziehende könnten sich in den meisten Städten keine Wohnung zum Durchschnittspreis mehr leisten. Foto: Arne Dedert

Der Süden teuer, Osten und Westen für viele noch erschwinglich. Beim Thema Mieten zieht sich ein Graben durch Deutschland. Überall gilt: Millionen kommen nicht mehr mit.

Berlin (dpa) - Für Haushalte an der Armutsgrenze und viele Alleinerziehende sind durchschnittliche Wohnungen einer Studie zufolge kaum noch bezahlbar. Sie seien auf Wohnraum unterhalb der Marktmieten angewiesen, sagte Stadtforscher Andrej Holm in Berlin.

Das bedeute, dass die öffentliche Hand stärker eingreifen müsse. "Denn: Welcher private Investor sollte Wohnungen zu unterdurchschnittlichen Preisen anbieten?", fragte Holm.

Der ehemalige Berliner Staatssekretär hat im Auftrag der Linksfraktion die Mietspiegeldaten der vergangenen fünf Jahre ausgewertet und so Mieten in mehr als 300 deutschen Städten untersucht. Im Durchschnitt stiegen die Bestandsmieten demnach bundesweit um 11,4 Prozent in dem Zeitraum. Ein weiteres Fazit: Wie viel man bezahlen muss, kommt stark darauf an, wo man wohnt.

WO WOHNEN TEUER - UND WO ES GÜNSTIG IST: Unter den 305 ausgewerteten Städten lebt es sich in München mit einer durchschnittlichen Bestandsmiete (kalt) von 10,45 Euro pro Quadratmeter besonders teuer. Besonders günstig wurden Wohnungen im nordrhein-westfälischen Warstein mit 4,64 Euro pro Quadratmeter vermietet. Tendenziell sind Städte in Baden-Württemberg und Bayern teuer, Nordrhein-Westfalen und Städte unter anderem in Ostdeutschland sind günstiger.

MIETE NACH ALTER DER WOHNUNG: Holm hat für die Studie acht Baualtersklassen ausgewertet - also die Mietpreise für Gebäude untersucht, die fertiggestellt wurden bis 1905, 1925, 1955, 1965, 1975, 1985, 1995 und ab 2005. Am günstigsten wohnen Mieter demnach im Durchschnitt in Gebäuden, die um 1925 errichtet wurden, am teuersten in Neubauten. Die teuerste Baualtersklasse lag im Mietpreis 43 Prozent über der günstigsten.

MIETEN UND LÖHNE: Im Großen und Ganzen konnten die Einkommen in den vergangenen Jahren mit den steigenden Mieten mithalten. So wuchsen die Bestandsmieten der Untersuchung zufolge zwischen 2013 und 2018 um 11,4 Prozent. Die Nettolöhne wuchsen im gleichen Zeitraum um 13,3 Prozent. Nur 2017 kletterten die Mieten schneller als die Löhne. Allerdings, so sagt Holm, konnten niedrige Einkommensgruppen weniger von den Lohnerhöhungen profitieren - ihre Mieten stiegen trotzdem.

ERSCHWINGLICH ODER NICHT: Wie viel darf eine Wohnung kosten, damit sie sich jemand mit einem normalen Einkommen leisten kann? Als vertretbar gilt eine Belastung von 30 Prozent des Nettoeinkommens - ein Wert, den auch viele Vermieter nicht überschritten sehen wollen. Der Studie zufolge wäre im vergangenen Jahr damit für kinderlose Paare eine Warmmiete von 844 Euro akzeptabel gewesen, für Alleinerziehende mit Kind 731 Euro. Als Maßgröße nutzt Holm dabei das Medianeinkommen, also jenen Wert, bei dem es genauso viele Menschen gibt, die mehr verdienen wie Leute, die weniger verdienen.

Für Normalverdiener ist eine 65 Quadratmeter große Wohnung mit mittlerer Ausstattung zum Durchschnittspreis damit in beiden Kategorien (kinderlose Paare und Alleinerziehende) gut erschwinglich - zumindest im bundesweiten Schnitt. In Großstädten wie München, Stuttgart, Frankfurt und Hamburg, teils auch Düsseldorf, Berlin oder Köln dagegen sieht es schon anders aus.

Wer armutsgefährdet ist, also nur 60 Prozent des Medianeinkommens bezieht, hat der Studie zufolge dagegen Probleme: Im bundesweiten Schnitt können sich diese Menschen keine Wohnung zu Durchschnittspreisen mehr leisten. Unberücksichtigt bleibt dabei allerdings, dass die Durchschnittseinkommen je nach Region stark schwanken - also, dass man etwa im Süden, wo Wohnen teurer ist, im Schnitt auch mehr verdient.

WAS TUN? Die Linksfraktion fordert einen sofortigen Mietendeckel. "Wir brauchen einen bundesweiten Mietenstopp für die nächsten fünf Jahre, wie ihn Berlin gerade einführen will", sagte Fraktionsvize Caren Lay. Mieterhöhungen ohne vorhergegangene Modernisierung sollten auf maximal zwei Prozent im Jahr begrenzt werden. Die Mietenpolitik müsse sich auf Geringverdiener und die Durchschnittsverdiener in den Großstädten konzentrieren - und nicht auf die Gutverdiener auf dem Land. Der Mietenexperte der Union, Jan-Marco Luczak, dagegen kritisierte: "Ein Mietendeckel ist heuchlerischer Klassenkampf gegen private Kleinvermieter." Bestraft würden ausgerechnet die Vermieter, die sich zuletzt mit Mieterhöhungen zurückgehalten und ein gutes Verhältnis zu ihren Mietern hätten.

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