Klimawandel lässt doch Spuren

Munich Re: Naturkatastrophen richten weniger Schäden an

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Untergespülte Bahngleise in Lima, Peru: Naturkatastrophen richten zwar verheerende Schäden an, aber im ersten Halbjahr ging es auf dem Planeten vergleichsweise ruhig zu. Foto: Martin Mejia

Naturkatastrophen richten in unregelmäßigen Abständen verheerende Schäden an. Im ersten Halbjahr ging es auf dem Planeten vergleichsweise ruhig zu - doch das bedeutet keineswegs, dass das so bleiben wird, meinen die Katastrophenfachleute der Münchner Rück.

München (dpa) - Die Erde ist in der ersten Jahreshälfte weniger von schweren Naturkatastrophen in Mitleidenschaft gezogen worden als im langjährigen Durchschnitt.

Die weltweiten Schäden summierten sich von Anfang Januar bis Ende Juni nach Daten des Rückversicherungskonzerns Munich Re auf die vergleichsweise geringe Summe von 41 Milliarden US-Dollar (aktuell rund 35,7 Mrd Euro).

Das war weniger als die Hälfte der 111 Milliarden Dollar durch Naturkatastrophenschäden, die in der ersten Jahreshälfte 2016 angefallen waren.

"Wir hatten ein relativ schadenarmes erstes Halbjahr", sagte Peter Höppe, Chef der Georisikoforschung beim weltgrößten Rückversicherer in München. "Das liegt vor allem daran, dass es kein größeres Erdbeben oder anderes großes Naturereignis gab."

Schwer getroffen wurden in der ersten Jahreshälfte die USA, wo Gewitter und Tornados 18,5 Milliarden Dollar Schäden anrichteten. Die Münchner Rück beobachtet seit 1980 die weltweite Entwicklung der Naturkatastrophen - unabhängig davon, ob die betreffenden Schäden versichert sind oder nicht.

Der Klimawandel hinterlässt nach Analyse des Georisikoforschers Höppe jedoch deutliche Spuren in den Schadenbilanzen. "Wir haben seit 1980 einen deutlichen Anstieg der wetterbedingten schadenrelevanten Ereignisse. Das ist ein Indiz, das sich etwas in der Atmosphäre ändert", sagte der Wissenschaftler. "Bei den geophysikalischen Schadenereignissen - also Erdbeben, Vulkanausbrüche und Tsunamis - gibt es dagegen keinen vergleichbaren Anstieg."

Skeptiker des Klimawandels führen als Argument häufig ins Feld, die Schäden durch Naturkatastrophen seien nicht gestiegen. Höppe tritt dem entgegen: "Wir haben ein sehr differenziertes System zur Schadennormalisierung entwickelt, damit wir ermitteln können, welche Kosten ein Schadenereignis der Vergangenheit heute an der gleichen Stelle verursachen würde", sagte er.

"Wenn man sämtliche Naturkatastrophen in einen Topf wirft, haben wir nach dieser Berechnung zunächst tatsächlich keinen Anstieg der Schäden. Doch wenn man das etwas differenzierter betrachtet, sieht man, dass dies teilweise an Präventionsmaßnahmen liegt", sagte Höppe.

"So haben etwa die Hochwasserschäden an Flüssen stark abgenommen. Das liegt an verbessertem Hochwasserschutz." Auf der anderen Seite gebe es einen signifikanten Anstieg der Schäden durch Gewitterereignisse. "Gegen Gewitter kann man sich nicht so gut schützen wie gegen Flussüberschwemmungen, gegen materielle Schäden durch starke Tornados kann man eigentlich gar nichts tun", sagte Höppe.

In Deutschland hätten Ereignisse wie die schweren Gewitter in Braunsbach und Simbach 2016 und zuletzt in Berlin und Umland hohe Schäden verursacht. "Für diese Entwicklung gibt es auch eine Erklärung, nämlich den Anstieg des Feuchtegehalts der Erdatmosphäre. Das ist ein klares Anzeichen des Klimawandels."

Höppes Fazit: "Der Klimawandel verursacht in jedem Fall Kosten - entweder durch die erhöhten Präventionskosten oder durch Schäden, wenn die Vorsorge unterblieben oder nicht möglich ist."

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