Wie geht es für Mitarbeiter weiter?

Nach geplatztem Deal: Verdi fordert Infos von Air Berlin

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Bei Air Berlin fallen seit Wochen immer wieder Flüge aus.

Pläne für einen neuen Ferienflieger sind erst einmal vom Tisch - aber wie geht es nun weiter bei Air Berlin? Verdi fordert Klarheit für die Mitarbeiter der hoch verschuldeten Airline. Und auch die Politik muss beraten.

Berlin - Nach dem geplatzten Deal für einen neuen Ferienflieger fordern Gewerkschafter vom Air-Berlin-Management, den Mitarbeitern umgehend und ehrlich die Lage zu beschreiben. „Sie müssen die Beschäftigten informieren, was Fakt ist“, sagte die für den Betrieb zuständige Verdi-Sekretärin Anja Schlosser der Deutschen Presse-Agentur. Im Moment wisse niemand, wohin die Reise gehen soll.

Am Donnerstag war der Plan einer gemeinsamen Ferienfluggesellschaft mit der Tuifly geplatzt, in der Teile der Air Berlin aufgehen sollten. Deren arabischer Großaktionär Etihad hatte die entsprechenden Verhandlungen mit der Tui überraschend abgebrochen, aber noch kein neues Konzept für seine hochdefizitäre Beteiligung vorgestellt.

Air Berlin fliegt seit Jahren Verluste ein, ist mit mehr als einer Milliarde Euro verschuldet und hält sich seit langem nur noch mit Finanzspritzen von Etihad in der Luft. Die Lufthansa hat bereits mehrfach ihr Interesse an einer Übernahme bekundet, sofern auch kartellrechtliche Fragen geklärt werden könnten und Air Berlin zuvor entschuldet würde.

Politik: „Air Berlin muss seine Hausaufgaben machen“

Wegen Mängeln bei der Flugplanung und beim Umbau der Flotte fallen bei Air Berlin seit Wochen Flüge aus und es gibt immer wieder große Verspätungen. Die Urlaubsflüge der Air Berlin Group sollten nach Angaben von Etihad auch nach den gescheiterten Gesprächen als separate Geschäftseinheit weitergeführt werden, unter der Marke Niki. Weitere Details dieser Struktur würden „zu gegebener Zeit“ von Air Berlin bekanntgegeben.

Gesucht wird nun auch Hilfe aus der Politik. Die Fluggesellschaft stellte bei den Landesregierungen von Berlin und Nordrhein-Westfalen eine Anfrage auf Prüfung eines Bürgschaftsantrags. Ein solcher Schritt ist der übliche Weg für den Fall, dass Unternehmen in einem zweiten Schritt dann tatsächlich einen Bürgschaftsantrag stellen.

Das Land Berlin werde die Bürgschaftsanfrage gemeinsam mit dem Bund prüfen, teilte die Berliner Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) mit. Air Berlin selbst müsse „jedoch seine Hausaufgaben machen und den Flugbetrieb wieder stabilisieren, um verloren gegangenes Vertrauen der Kunden wieder zurückzugewinnen“.

Partnerschaft mit Lufthansa?

Das Bundeswirtschaftsministerium wollte sich zu dem Verfahren am Donnerstagabend nicht äußern. Nicht bekannt ist auch, um welche Summe es bei einem Bürgschaftsantrag gehen könnte. FDP-Bundeschef Christian Lindner hatte zuvor im Gespräch mit der Bild-Zeitung Vorbehalte gegen eine Bürgschaft des Landes Nordrhein-Westfalen geäußert.

Auch der Wettbewerbsexperte Justus Haucap lehnt Bürgschaften ab. „Das würde nur eine falsche Geschäftspolitik und schlechtes Management belohnen“, sagte der Düsseldorfer Universitäts-Professor der „Rheinischen Post“. „Der Wettbewerb im Luftverkehr funktioniert. Dazu gehört auch, dass schlecht gemanagte Unternehmen aus dem Markt ausscheiden, so bitter das für die Angestellten sein mag.“

Air-Berlin-Chef Thomas Winkelmann hatte in dieser Woche zumindest eine erweiterte Partnerschaft mit der Lufthansa ins Auge gefasst. Verdi warnte, bei einem möglichen Umbau müssten vor allem die Arbeitsplätze erhalten werden. Es komme nicht nur darauf an, dass die Jobs in Deutschland blieben, sagte Schlosser. Die Beschäftigten müssten auch ihre Tarifbindung behalten.

Dies sei nur bei einem geregelten Betriebsübergang gewährleistet, der möglicherweise umgangen werden solle: „Wir wollen verhindern, dass sich unsere Leute bei einer neu gegründeten Gesellschaft neu bewerben müssen.“ Lufthansa-Chef Carsten Spohr hatte die ungünstige Kostenstruktur bei Air Berlin immer als eines der Haupthindernisse für eine Übernahme bezeichnet.

dpa

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