Paket tritt am Samstag in Kraft

Neue Regeln für umstrittenes Fracking

Berlin - Fracking ist umstritten. Lang rang die Politik in Deutschland um ein Gesetzespaket, das die Förderung zumindest bis 2021 reglementiert. Am Samstag tritt es in Kraft.

Was regelt das Paket genau?

Es zielt auf zwei verschiedene Fracking-Arten ab: Einerseits verbietet es bundesweit den Einsatz der Fördertechnik zur kommerziellen Ausbeutung von sogenannten unkonventionellen Lagerstätten. Nur maximal vier Probebohrungen sind bis 2021 erlaubt, um die Umwelt-Auswirkungen der Methode unter wissenschaftlicher Begleitung zu prüfen.

Andererseits verschärft und harmonisiert es die Auflagen für das Fracking sogenannter konventioneller Öl- und Gasvorkommen in Sandsteinschichten, das seit langem angewandt wird und erlaubt bleibt. Bisher gab es aber keine bundeseinheitliche Regelung. Nun treten flächendeckend strengere Vorschriften in Kraft, etwa für die verwendeten Flüssigkeiten. Außerdem wird diese Methode etwa in Gebieten zur Trinkwassergewinnung untersagt.

Warum werden zwei Fracking-Arten unterschieden?

Weil das Ausmaß der Eingriffe in die Umwelt unterschiedlich ist. Fracking basiert immer auf dem Prinzip, das eine Wasser-Sand-Chemikalienmischung unter Druck in Gesteinsschichten gepresst wird, die sehr fein verteiltes Gas oder Öl enthalten, das nicht frei fließen kann. Die Schichten werden "aufgebrochen", um die Rohstoffe herauszudrücken.

Beim Fracking von Erdgasvorkommen in bestimmten Sandsteinschichten ist jedoch weniger Flüssigkeit mit weniger Zusätzen nötig, weil das Gas immerhin noch in Blasen vorliegt, die lediglich untereinander keine Verbindung haben (sogenanntes Tight Gas). Hier ist auch der Übergang zur traditionellen Förderung fließend, weil diese Methode schon seit langem genutzt wird, etwa um die Ausbeute von zur Neige gehenden Quellen zu erhöhen.

Im Gegensatz dazu sind Öl und Gas in unkonventionellen Lagerstätten in Schiefer- oder Kohleflözschichten direkt an die Gesteinsoberfläche gebunden und teils nicht einmal gasförmig oder flüssig. Sie müssen mit viel höherem Druck und mehr Flüssigkeit befreit werden. Die benutzten Mischungen enthalten zudem verstärkt Zusätze, die giftig sind.

Darüber hinaus liegen gerade diese Lagerstätten in aller Regel näher an der Oberfläche liegen und damit dichter am Grundwasser. Allerdings überzeugt diese Unterscheidung in konventionelle und unkonventionelle Vorkommen in dem Gesetzespaket längst nicht jeden. Frackinggegner aus den Reihen der Umweltschutzverbände beispielsweise halten sie für künstlich.

Warum wird überhaupt so viel über Fracking diskutiert?

Die Auswirkungen auf die Energieversorgung sind enorm. Erdöl und Erdgas gehören zu den wichtigsten Rohstoffen. Seit in den USA unkonventionelle Lagerstätten in großem Stil per Fracking ausgebeutet werden, befindet sich der gesamte Weltmarkt im Umbruch. Der Ölpreis ging Mitte 2014 in den Sturzflug. Auch in Deutschland begannen Firmen in den vergangenen Jahren zunehmend, mögliche Vorkommen näher unter die Lupe zu nehmen.

Die genauen Ausmaße sind bislang unbekannt, nach Angaben von Branchenverbänden könnten unkonventionelle Quellen das deutsche Erdgaspotenzial jedoch um den Faktor 18 erhöhen und damit über Jahrzehnte durchaus viel zur Versorgung beitragen. Auf der anderen Seite formierte sich wegen der Umweltrisiken hierzulande breiter Protest gegen das Fracking.

Warum war eine neue Regelung nötig?

Fracking in unkonventionellen Lagerstätten war nicht geregelt und wäre damit erlaubt gewesen. Angesichts der kontroversen Gemengelage sah sich die Politik zu einer Klarstellung genötigt. Harmonisch lief das allerdings nicht. Bundestag und Bundesrat verabschiedeten das komplexe Gesetzespaket erst nach langen Kontroversen Mitte 2016.

Die Regierung bezeichnete es anschließend als "eines der strengsten Fracking-Gesetze weltweit". Die Kritiker wiesen das kategorisch zurück. Die Linke etwa sprach von einem "Pro-Fracking-Gesetz", das der Industrie alle Optionen offenhalte. Verbindlich gilt es zunächst nur bis 2021; danach könnte es geändert werden.

afp

Rubriklistenbild: © dpa

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