Schuldenhaushalt in Italien?

Rom auf Konfrontationskurs mit der EU

Der stellvertretende italienische Premierminister Luigi Di Maio feiert auf einem Balkon des Chigi-Palastes am Ende einer Kabinettssitzung, bei der die Regierung ihre finanzpolitischen Ziele bekannt gab. Die italienische Regierungskoalition will mehr Schulden machen. Foto: Alessandro Di Meo/ANSA
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Der stellvertretende italienische Premierminister Luigi Di Maio feiert auf einem Balkon des Chigi-Palastes am Ende einer Kabinettssitzung, bei der die Regierung ihre finanzpolitischen Ziele bekannt gab. Die italienische Regierungskoalition will mehr Schulden machen. Foto: Alessandro Di Meo/ANSA

Die populistische Regierung in Rom will in ihrem kommenden Haushalt deutlich mehr Schulden machen. An den Märkten löst das teils heftige Kurseinbrüche aus. Auch Brüssel reagiert besorgt. Doch das böse Erwachen könnte erst noch folgen.

Rom/Brüssel/Paris (dpa) - Das hoch verschuldete Italien hat mit seiner Ankündigung neuer Schulden Turbulenzen an den Märkten und Widerspruch bei den EU-Partnern ausgelöst. In den kommenden drei Jahren soll das Defizit 2,4 Prozent der Wirtschaftsleistung betragen.

Die italienischen Staatsanleihen rauschten daraufhin in den Keller. Aus der zuständigen EU-Kommission kamen Signale, dass sie die Pläne aus Rom nicht gutheiße. Unterdessen steht Italiens Finanzminister Giovanni Tria mit dem Rücken zur Wand.

Italien ist mit rund 130 Prozent der Wirtschaftsleistung so hoch verschuldet wie kaum ein anderes Industrieland und steht deshalb seit Jahren unter dem Druck Brüssels, Schulden abzubauen. Nach den gemeinsam vereinbarten sogenannten Maastricht-Kriterien sind maximal 60 Prozent erlaubt. Die Vorgängerregierung hatte daher angestrebt, das Defizit im kommenden Jahr auf 0,8 Prozent des Bruttoinlandsprodukts zu reduzieren.

Nach den Plänen der Koalition aus populistischer Fünf-Sterne-Bewegung und rechter Lega sollen nun unter anderem 10 Milliarden Euro für die Einführung eines Bürgereinkommens aufgewendet werden, auch plant die Regierung eine Erhöhung der Mindestpensionen und einen früheren Renteneintritt.

Schrittweise soll zudem eine «Flat Tax» eingeführt werden, von der zunächst kleine Unternehmen profitieren sollen. 1,5 Milliarden sollen in einen Fonds zur Entschädigung von Kleinanlegern fließen, die im Zuge der Bankenpleiten ihre Ersparnisse verloren haben. Den vollständigen Haushaltsentwurf muss Rom bis 15. Oktober an die EU-Kommission in Brüssel senden. Diese muss die Pläne dann im Detail prüfen.

Bei den italienischen Staatsanleihen kam es am Freitag zu einem kräftigen Kurssturz, während die Renditen für die Staatspapiere deutlich stiegen. Erstmals seit Anfang September kletterte die Rendite für zehnjährige Staatsanleihen wieder über 3 Prozent - um 0,22 Prozentpunkte auf 3,10 Prozent. Beobachter sprachen von einer ungewöhnlich heftigen Kursreaktion für den Anleihemarkt.

Die neuen Schuldenpläne drückten an der Börse in Mailand den Leitindex FTSE MIB ins Minus. Zwischenzeitlich war das Börsenbarometer sogar um 4,65 Prozent abgesackt - dies war der prozentual größte Tagesverlust seit dem britischen Votum für einen Ausstieg aus der Europäischen Union.

Starke Verluste gab es auch bei den Bankwerten. Auch in Deutschland gerieten Bankpapiere angesichts der Nachrichten aus Italien unter Druck. Aktien der Deutschen Bank büßten am Dax-Ende 2,6 Prozent ein. Commerzbank-Anteile verloren 4 Prozent, womit sie Schlusslicht im MDax waren.

Wegen Italiens «explosiver» Staatsverschuldung kamen zudem deutliche Worte von EU-Wirtschaftskommissar Pierre Moscovici. Roms Pläne liefen auf einen Haushalt hinaus, «der heute außerhalb der Grenzen unserer Regeln scheint», sagte der französische Sozialist. Es sei unwahrscheinlich, dass das Budget so akzeptiert werden könne, hieß es in Brüssel. Die italienische Tageszeitung «La Repubblica» sah in den Ankündigungen von Luigi Di Maio, Matteo Salvini & Co gar eine «Ohrfeige» für Brüssel.

Innerhalb der italienischen Regierung brodelt es zudem gewaltig. Medienberichten zufolge soll der parteilose Finanzminister Giovanni Tria seinen Rücktritt in Betracht gezogen haben. Staatspräsident Sergio Mattarella soll ihn jedoch davon abgehalten haben. Eine hohe Neuverschuldung in Kombination mit dem Rücktritt des Garanten für Haushaltsdisziplin hätte die finanzielle Situation des Landes «unberechenbar» gemacht, schrieb die Wirtschaftszeitung «Il Sole 24 Ore».

Dennoch geht Tria als Verlierer aus den Verhandlungen hervor. Er konnte sich nicht damit durchsetzen, die Neuverschuldung auf 1,6 Prozent zu begrenzen. Beim Treffen der Euro-Finanzminister am kommenden Montag in Luxemburg dürfte es daher einige unangenehme Fragen für ihn geben.

Commerzbank Economic Insight

Öffentliche Schuldenstände in Europa

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