Ende des Bargelds?

Notenbanker wollen digitale Bezahlsysteme vorantreiben

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Nach Ansicht von EZB-Direktoriumsmitglied Mersch wird das Bezahlen in Echtzeit für die nächste Generation zum Alltag gehören. Foto: Daniel Naupold/Illustration

Deutschlands Verbraucher setzen weiterhin vor allem auf Bargeld. Doch Bezahlen zum Beispiel via Smartphone soll künftig zum Alltag gehören. Europa will die Einführung digitaler Bezahlsysteme vorantreiben - Google, Facebook und Co. warten nicht.

Frankfurt/Main (dpa) - Führende Notenbanker haben davor gewarnt, dass Europa bei der Einführung neuer digitaler Bezahlsysteme ins Hintertreffen gerät.

"Die Branche muss Lösungen liefern, die der Innovation den Rücken stärken, auch mit Blick auf den weltweiten Wettbewerb", sagte EZB-Direktoriumsmitglied Yves Mersch am Donnerstag bei einem Symposium der Bundesbank in Frankfurt mit Blick auf bargeldlose Zahlungsverfahren in Echtzeit (Instant Payment). Europa verfüge über die nötige Innovationskraft. "Dabei sollten wir alles daran setzen, nicht hinter der Entwicklung zurückzubleiben".

Bezahlen in Echtzeit, zum Beispiel per Smartphone an der Ladenkasse, dürfte für die kommende Generation das Zahlungsmittel erster Wahl sein, sagte Mersch voraus. "Wir müssen also dafür sorgen, dass die Verbraucher in Europa in Echtzeit und mit einer sicheren sowie soliden Marktinfrastruktur ohne grenzüberschreitende Einschränkungen zahlen können – so wie es beim Bargeld bereits möglich ist".

Bundesbank-Präsident Jens Weidmann zufolge wächst das Interesse der Finanzhäuser an Instant Payment inzwischen. "Nach anfänglich zögerlicher Reaktion hat auch die Diskussion über die Herausforderungen durch Fintechs dafür gesorgt, dass die Banken und Sparkassen bei diesem Thema nun mehr Offenheit zeigen", sagte Weidmann. Es gelte auch, verlorenes Terrain etwa bei Online-Bezahlungen zurückzugewinnen.

Der Handel verspreche sich geringere Kosten im Vergleich mit heutigen Kartenzahlungen. Beliebtestes Zahlungsmittel der Verbraucher in Deutschland ist an der Ladenkasse allerdings nach wie vor Bargeld. "Zwar nimmt der Anteil elektronischer Zahlungsverfahren hierzulande zu. Dieser Wandel vollzieht sich aber nur vergleichsweise langsam", sagte Weidmann. In Dänemark sei dagegen auf neun von zehn Smartphones bereits eine Instant Payment App installiert. Dort könne inzwischen auch auf dem Wochenmarkt mobil und in Echtzeit bezahlt werden.

Bundesbank-Vorstand Carl-Ludwig Thiele forderte, die Digitalisierung des Zahlungsverkehrsmarktes in Europa müsse vorangebracht werden, um "nicht gegenüber anderen Regionen ins "Hintertreffen" zu geraten oder im digitalen Zeitalter von einer Lokomotive mit Zugkraft zu einem Anhänger zu werden." Internet-Giganten wie Google, Apple oder Facebook könnten als mächtige Wettbewerber auftreten und den Markt für Zahlungsdienste erheblich verändern.

EZB zu Banknoten

Bundesbank-Studie zum Zahlungsverhalten

Grafik HDE zu Bezahlarten im Einzelhandel

Deutsche-Bank-Studie zu Bargeld Januar 2017

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