Verdi-Mitgliederbefragung

Post will Mitarbeitern mehr Geld zahlen

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Eine Postzustellerin schiebt in der Altstadt von Stralsund ihr Fahrrad über einen verschneiten Gehweg. Foto: Stefan Sauer

Der finale Verhandlungsmarathon dauerte sage und schreibe 24 Stunden - eine Entscheidung fiel am Ende trotzdem nicht im Ringen um einen Tarifvertrag bei der Deutschen Post. Denn entscheiden sollen nun die Gewerkschaftsmitglieder.

Bonn (dpa) - Die Post hat ihren rund 130 000 Tarifbeschäftigten in Deutschland mehr Geld geboten. Die Mitarbeiter sollen im Oktober zunächst 3 Prozent mehr Lohn und Gehalt bekommen, wie der Konzern in Bonn mitteilte. Ein Jahr später soll es ein weiteres Plus von 2,1 Prozent geben.

Zudem ist eine Einmalzahlung von 250 Euro für "Nullmonate" geplant, also die Zeit zwischen dem Auslaufen des alten Tarifvertrages Ende Januar und dem ersten Lohnzuwachs. Eine Verdi-Tarifkommission beriet über den Vorschlag, kam aber zu keiner Entscheidung. Nun sollen die Gewerkschaftsmitglieder, die bei der Post arbeiten, über Annahme oder Ablehnung des Vorschlags votieren.

Das Ergebnis dieser Befragung könnte Anfang April vorliegen - danach könnte der Vorschlag der Post-Chefetage in ein verbindliches Regelwerk umgesetzt werden.

Die Offerte sei ein "tragfähiges Angebot am Rande der Belastbarkeit", sagte Post-Personalvorstand Thomas Ogilvie nach den langwierigen Verhandlungen, die im Januar begonnen hatten und über vier Runden geführt worden waren. Zum Vergleich: Der alte Vertrag von 2015 hatte ein Plus von zunächst 2 und später 1,7 Prozent vorgesehen. Der neue Tarifvertrag soll eine Laufzeit von 28 Monaten haben und bis zum Mai 2020 laufen.

Ursprünglich hatte Verdi ein Plus von sechs Prozent für einen nur 12 Monate geltenden Tarifvertrag gefordert. Daher klang in der Reaktion Enttäuschung mit. Es sei "ein schwieriges Angebot", sagte Verdi-Vize Andrea Kocsis. Es bleibe hinter den Erwartungen zurück.

Zugleich zeigte sich die Gewerkschafterin aber auch durchaus erfreut über Verbesserungen für die Belegschaft. So soll ein sogenanntes leistungsbezogenes variables Entgelt wegfallen - dieses Bonussystem hatten viele Beschäftigte nach Darstellung von Verdi als ungerecht empfunden, was zu Frust geführt habe. Stattdessen soll der bisher für 116 000 Beschäftigte bereitstehende Bonustopf in ein fixes Lohnplus umgewandelt werden, also ohne Leistungsbezug. Der bisherige Jahresbonus lag bei den Beschäftigten laut Verdi im Schnitt bei 1666 Euro. Umgerechnet auf 13 Gehälter bekäme ein Beschäftigter nun pro Monat etwa 128 Euro mehr Geld oben drauf.

Auch in einem anderen Punkt hat sich Verdi durchgesetzt: Die Mitarbeiter sollen künftig ein Anrecht auf mehr Freizeit bekommen.  Sie können auf das vorgesehene Lohn- und Gehaltsplus von 3 beziehungsweise 2,1 Prozent verzichten und stattdessen "Entlastungszeit" bekommen, und zwar zunächst acht und später sechs freie Tage. Bisher haben Post-Tarifbeschäftigte zwischen 27 und 30 Urlaubstage im Jahr.

Der Konzern Deutsche Post DHL ist in einer guten wirtschaftlichen Verfassung, was vor allem am anziehenden Auslandsgeschäft liegt. Zudem profitiert die Firma vom boomenden Online-Handel. In der kommenden Woche will Konzernchef Frank Appel die Jahresbilanz 2017 vorstellen, das Zahlenwerk dürfte insgesamt positiv ausfallen.

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