Urteil oder Einstellung?

Prozess gegen Schlecker-Wirtschaftsprüfer geht bald zu Ende

+
Ein demontierter Schriftzug der Firma Schlecker liegt auf dem Gelände eines früheren Zentrallagers. Foto: Stefan Puchner

Schleckers Wirtschaftsprüfer hoffen auf ein schnelles Ende ihres Prozesses. Noch ist unklar, ob er mit einem Urteil endet oder wegen geringer Schuld eingestellt wird.

Stuttgart (dpa) - Das Stuttgarter Landgericht will den Prozess gegen zwei frühere Wirtschaftsprüfer von Anton Schlecker rasch beenden. Die Wirtschaftsstrafkammer forderte die Anwälte der Angeklagten und die Staatsanwaltschaft auf, für den 23. Mai ihre Schlussvorträge vorzubereiten, wie Richter Roderich Martis mitteilte.

Möglicherweise wird aber ein Urteil hinfällig, wenn sich beide Seiten doch noch auf eine Einstellung des Verfahren gegen eine Geldauflage wegen geringer Schuld verständigen können.

Die Staatsanwaltschaft äußerte sich zunächst ablehnend. Die Vorwürfe seien keine Lappalie, sagte der Anklagevertreter.

Das Verfahren gegen die 43 und 60 Jahre alten Prüfer wird getrennt von den Vorwürfen gegen die Familie Schlecker weiterverhandelt. Den beiden Mitarbeitern der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young (EY) wird vorgeworfen, Bilanzen für die Jahre 2009 und 2010 trotz Unstimmigkeiten abgenickt zu haben. Sie hatten die Vorwürfe zurückgewiesen.

Richter Martis wies darauf hin, dass der Verdacht gegen die beiden Männer nicht ganz ausgeräumt sei. Aber gleichzeitig gebe es für einen der beiden Anklagepunkte keine eindeutige Regelung. Bei den Wirtschaftsprüfern geht es unter anderem um die Frage, ob eine stille Beteiligung über 270 Millionen Euro von Schleckers Kindern fälschlicherweise als Eigenkapital ausgewiesen worden war. Eigenkapital wird zum Beispiel dann für ein Unternehmen wichtig, wenn Verluste ausgeglichen werden müssen - wie bei Schlecker vor der Insolvenz. Mit stillen Beteiligungen sind Anteile ohne Einfluss auf unternehmerische Entscheidungen gemeint.

Ein weiterer Streitpunkt ist, ob ein privates Darlehen aus dem Jahre 2008 über 50 Millionen Euro an Anton Schlecker von der Logistikfirma LDG, deren Gesellschafter seine Kinder waren, als Eigenkapital gewertet werden durfte. Schlecker führte seinen Milliardenkonzern als eingetragener Kaufmann und haftete mit seinem Privatvermögen auch für Verluste des Unternehmens. Am Rande des Prozesses wurde bekannt, dass Schlecker sich auch Geld bei Lidl-Gründer Dieter Schwarz geliehen hatte. Es ging um 30 Millionen Euro.

Mitteilung des Landgerichts Stuttgart

§134 Insolvenzordnung

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

Neuer Service bei Lidl an der Kasse: Das wird viele Kunden erfreuen

Der Discounter Lidl verbessert seinen Service an der Kasse. Die Verbraucher, vor allem aus ländlichen Regionen, werden sich definitiv darüber freuen.
Neuer Service bei Lidl an der Kasse: Das wird viele Kunden erfreuen

USA zeigen sich offen für Handelsabkommen mit der EU

Bundesfinanzminister Scholz will den Gesprächsfaden nicht abreißen lassen. Beim G20-Treffen in Buenos Aires wirbt er wortreich für den Freihandel. Gerade die USA, die …
USA zeigen sich offen für Handelsabkommen mit der EU

Bei diesem Aldi-Produkt sind gleich mehrere Sachen faul

Ein Aldi Kunde erhebt über Facebook Vorwürfe gegen den Discounter. Ein Produkt weise gleich mehrere Mängel auf einmal auf. Das Unternehmen reagiert sofort.
Bei diesem Aldi-Produkt sind gleich mehrere Sachen faul

Schmerzliches Ende der Ära Marchionne

Der Mann, der Fiat und Chrysler rettete, sollte eigentlich erst 2019 abtreten. Doch nun endet die 14-jährige Erfolgsgeschichte von Sergio Marchionne schon jetzt - …
Schmerzliches Ende der Ära Marchionne

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.