Personalisierte Werbung

Real analysiert die Gesichter seiner Kunden

Nicht nur Google interessiert sich für Gesichtserkennung: In vierzig ausgewählten Real-Märkten scannen Kameras die Kunden der der Supermarktkette. Datenschützer sehen das mit großer Sorge.

Das Unternehmen Echion testet in den Filialen "eine Blickkontakterfassung von Werbebildschirmen im Kassenbereich", wie Real am Dienstag auf Anfrage mitteilte. Eine über jedem Bildschirm installierte Kamera erkennt demnach alle Blickkontakte und leitet daraus Daten ab. Echion will damit herausfinden, welche Werbefilme gut ankommen.

Zunächst hatten die "Lebensmittelzeitung" und "Spiegel Online" darüber berichtet. Real teilte mit, dass sich die Bilder der Kunden nur für etwa 150 Millisekunden im Speicher befänden. Aus ihnen ermittelt eine Software demnach die Anzahl der Betrachter, deren geschätztes Alter und Geschlecht sowie den Zeitpunkt und die Dauer des Blickkontakts. Diese sogenannten Metadaten gingen direkt und verschlüsselt an den Werbedienstleister Echion.

Real: „Keine personenbezogenen Daten“

Die Bilder selbst werden der Supermarktkette zufolge "weder übertragen noch gespeichert". Echion ist laut Real-Angaben Betreiber der Kameras und begann im Herbst in ausgewählten Real-Märkten mit dem Test. Das Augsburger Unternehmen wolle mit der Blickkontaktanalyse "die Qualität der ausgestrahlten Werbefilme zielgruppenorientiert anpassen". Real selbst greife nicht auf die Daten zu, versicherte das Unternehmen.

Datenschutzrechtliche Bedenken hat Real bei der Gesichtsanalyse durch Echion nicht. Die Erkennung der Personen erfolge "komplett anonym", erklärte Unternehmenssprecher Markus Jablonski. Deshalb entstünden "keine personenbezogenen Daten im Sinne des Bundesdatenschutzgesetzes". Die von Echion eingesetzte Software sei zudem mit dem ePrivacy-Siegel zertifiziert, einem Datenschutz-Gütesiegel für Online- und Mobilangebote.

Auch die eigenen Kunden sind Real zufolge ausreichend über das Verfahren aufgeklärt. "Eine Information für unsere Kunden erfolgt über eine gut sichtbare Hinweisbeschilderung 'Dieser Markt wird videoüberwacht'", erklärte Jablonski.

Datenschützer beunruhigt

Die Landesbeauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit Nordrhein-Westfalen, Helga Block, erklärte über ihren Pressesprecher, eine Gesichtserfassung in Supermärkten durch Kameras zum Zweck der personalisierten Werbung werde "grundsätzlich kritisch" gesehen. Die Erfassung des Gesichts sei eine Erhebung personenbezogener Daten, egal ob der Name bekannt sei und wie lange die Daten gespeichert würden. Sie sprach zudem von einer "anlasslosen Informationserhebung mit einer großen Streubreite".

Auch der Hamburgische Beauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit Johannes Caspar sieht das von Echion verwendete Verfahren kritisch. Der "Lebensmittelzeitung" sagte er, sobald "Bilder von Personen durch Kameras erhoben werden, ist das nicht mehr anonym". Händler müssten Kunden deshalb genauer über die Blickkontaktanalyse informieren.

Real betreibt bundesweit 283 Supermärkte, in denen Echion als Werbedienstleister ein Marktradioprogramm und das Produkt "TV in der Kassenzone" bereitstellt. Eine Ausweitung der Blickkontaktanalyse über die bestehenden vierzig Testmärkte hinaus ist nach Angeben der Supermarktkette derzeit nicht geplant.

afp

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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