Tourismus

Reisebranche macht Druck: Urlaubssteuer muss weg

+
Urlauber an einem Strand in Spanien. Foto: Manuel Lorenzo

Veranstalter-Reisen könnten teurer werden, warnt die Tourismusbranche. Die Politik müsse endlich Klarheit bei der umstrittenen Urlaubssteuer schaffen.

Berlin (dpa) - Die Reisebranche ist in Aufruhr: Die Veranstalter sollen für den Einkauf von Hotelübernachtungen rückwirkend ab 2008 Gewerbesteuer zahlen.

Die Mehrheit der Veranstalter hat gegen entsprechende Steuerbescheide Einspruch eingelegt, wie aus einer Umfrage des Branchenverbandes DRV unter Reiseveranstaltern hervorgeht, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Aus Sicht der Branche drängt die Zeit. Die Politik müsse handeln, bevor noch mehr Steuerforderungen aufliefen, forderte DRV-Präsident Norbert Fiebig.

Die Mehrbelastungen für die Branche schätzt der DRV auf 230 Millionen Euro im Jahr. "Rückwirkend sind schon deutlich mehr als 1,4 Milliarden Euro mögliche Steuernachforderungen aufgelaufen", erläuterte Fiebig. Entweder werde Reisen teurer, oder die Unternehmen müssten dies tragen. Vor allem kleinere und mittlere Unternehmen dürfte das hart treffen.

Seit dem Jahr 2008 werden bei der Berechnung der Gewerbesteuer auch Pacht- und Mietzahlungen sowie Leasinggebühren für "unbewegliche Anlagegüter" - also Betriebsgebäude - berücksichtigt. Aus Sicht der Finanzverwaltung müssen aber auch die Zahlungen für Hotelkontingente, die Reiseveranstalter weltweit für ihre Pauschalreisen einkaufen, bei der Berechnung der Gewerbesteuer hinzugerechnet werden. "Durch die Praxis der gewerbesteuerlichen Hinzurechnungen ist faktisch eine Urlaubssteuer entstanden - und die muss weg", forderte Fiebig.

Bis zu einer Entscheidung des Bundesfinanzhofs dürften jedoch noch Jahre vergehen, in denen Touristiker vorsorglich Millionen für Steuernachforderungen zurückstellen müssten, argumentierte Fiebig "Einige Geschäfte werden ins Ausland verlegt, andere werden aufgeben müssen". Die Politik müsse jetzt endlich handeln. Das Problem sei seit vier Jahren bekannt.

Betroffen sind den Angaben zufolge etwa 2500 Reiseveranstalter sowie jeder vierte Busreiseanbieter. Nach einer nicht repräsentativen Erhebung des DRV, an der sich im Dezember und Januar 160 Veranstalter beteiligten, haben 78 Prozent der Betroffenen Einspruch gegen den Steuerbescheid eingelegt. Davon ging die Mehrheit (55 Prozent) aber auf Nummer sicher und zahlte unter Vorbehalt.

Nach einer Entscheidung des Finanzgerichts Münster im Jahr 2016 (Az.: 9 K 1472/13 G), ist jetzt der Bundesfinanzhof am Zug (Az. III R22/16). Eine mündliche Verhandlung vor dem obersten deutschen Steuergericht ist bislang noch nicht terminiert.

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

Dax legt nach schwachem Wochenstart leicht zu

Frankfurt/Main (dpa) - Der Dax ist nach seinem schwachen Wochenbeginn mit Gewinnen in den Handel gestartet. Wegen des US-Feiertags am Vortag fehlten zunächst Impulse von …
Dax legt nach schwachem Wochenstart leicht zu

Test mit Moos gegen Feinstaub verzögert sich weiter

Stuttgart (dpa) - Der Großversuch mit Deutschlands erster Mooswand gegen gesundheitsschädlichen Feinstaub hat sich weiter verzögert.
Test mit Moos gegen Feinstaub verzögert sich weiter

HSBC-Chef Gulliver geht mit glänzendem Ergebnis

Die britische HSBC spielt in der Top-Liga der internationalen Banken. Für das vergangene Jahr meldet Chef Stuart Gulliver starke Zahlen - kann sein Nachfolger an der …
HSBC-Chef Gulliver geht mit glänzendem Ergebnis

Zwei sehr beliebte Fahrradsitze für Kinder sind „mangelhaft“, urteilt Stiftung Warentest

Die Stiftung Warentest hat Fahrradsitze für Kinder untersucht und zwei sehr beliebte Modelle als „mangelhaft“ beurteilt. Immerhin: 9 von 17 getesteten Fahrradsitzen …
Zwei sehr beliebte Fahrradsitze für Kinder sind „mangelhaft“, urteilt Stiftung Warentest

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.