Urteil des Bundesgerichtshofs

Reisende erhalten nach Unfall bei Hoteltransfer Geld zurück

+
Verunglückt man als Pauschaltourist beim Transfer vom Flughafen zum Hotel, erhält man den vollen Reisepreis zurück. Foto: Mirjam Schmitt

Ein Busunfall bei der Fahrt zum Hotel während einer Pauschalreise kann den ganzen Urlaub wertlos machen. Dann haben Reisende nach zwei Urteilen des BGH Anspruch auf Rückzahlung der Reisekosten. Das Risiko liegt beim Veranstalter, auch wenn ihn keine Schuld trifft.

Karlsruhe (dpa) - Ein Reiseveranstalter muss nach einem unverschuldeten Unfall auf der Busfahrt vom Flughafen zum Hotel unter Umständen den vollen Reisepreis zurückzahlen.

Das gilt nach zwei Urteilen des Bundesgerichtshofs (BGH), wenn die Betroffenen die weiteren Reiseleistungen wegen der Unfallfolgen nicht in Anspruch nehmen können. (Az.: X ZR 117/15 und X ZR 118/15)

In den konkreten Fällen hatten zwei Ehepaare gegen den Reiseanbieter geklagt, die im Dezember 2013 in der Türkei beim Transfer vom Flughafen zum Hotel verletzt worden waren. Bei der Fahrt als Teil der Pauschalreise war ein Geisterfahrer in ihren Bus gekracht.

Die schwer verletzten Kläger mussten während des Aufenthalts in der Türkei im Krankenhaus behandelt werden, eine leicht verletzte Ehefrau kümmerte sich um ihren Mann in der Klinik.

Der BGH hob damit die Urteile der Vorinstanz auf. Das Landgericht Düsseldorf hatte keinen Anspruch auf Erstattung des Reisepreises gesehen, weil es einen Unfall durch einen Geisterfahrer als ein allgemeines Lebensrisiko wertete, für das der Reiseveranstalter nicht einstehen müsse.

Dem hielt der BGH-Senat in seinem Urteil entgegen, dass die Reiseleistung insgesamt mangelhaft war, "weil es dem Reiseveranstalter nicht gelungen ist, die Reisenden unversehrt zu dem gebuchten Hotel zu bringen". Weder die Kläger noch den Reiseveranstalter treffe ein Verschulden an dem Unfall.

"Die Gefahr, den Reisepreis nicht zu bekommen, liegt beim Veranstalter", sagte der Vorsitzende Richter. Auch für die erbrachte Leistung des Hinflugs könne das beklagte Unternehmen kein Geld beanspruchen, weil der Flug kein Selbstzweck sei.

Mitteilung des BGH

Mehr zum Thema

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

Boeing vertagt Entscheidung über neuen Passagierjet

London (dpa) - Der weltgrößte Flugzeugbauer Boeing lässt sich mit der seit Jahren diskutierten Entwicklung eines mittelgroßen Passagierjets noch länger Zeit.
Boeing vertagt Entscheidung über neuen Passagierjet

Kunde freut sich auf Pizza „Grande“ und erlebt herbe Enttäuschung

Eine richtig große Spinatpizza wollte sich ein Twitter-User gönnen und besorgte sich eine Tiefkühlpizza von Dr. Oetker mit dem verheißungsvollen Namen „Grande“. Als er …
Kunde freut sich auf Pizza „Grande“ und erlebt herbe Enttäuschung

Frau deckt sich bei Aldi für Mittagspause ein - doch Ekel-Fund verdirbt ihr den Appetit

Bei Aldi Süd kaufte sich eine Kundin einen Snack für die Mittagspause. Doch was sie darin fand, verdarb ihr gründlich den Appetit. „Einfach nur ekelhaft“, schimpft sie …
Frau deckt sich bei Aldi für Mittagspause ein - doch Ekel-Fund verdirbt ihr den Appetit

Post will Zusteller vom Vorruhestand ausschließen

Bonn (dpa) - Bei der Deutschen Post gibt es Streit darüber, welche Beschäftigten an dem Vorruhestandsprogramm für Beamte teilnehmen dürfen.
Post will Zusteller vom Vorruhestand ausschließen

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.