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Rente: Nicht nur Inflation macht Rentenerhöhung zunichte

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Von: Lisa Mayerhofer

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Rentner dürfen sich ab Juli über eine kräftige Erhöhung der Rente freuen. Doch Inflation und Steuern können die Rentenerhöhung auf ein Minimum schmelzen.

Berlin - Die rund 21 Millionen Rentner in Deutschland können sich auf die kräftigste Erhöhung der Bezüge seit Jahrzehnten einstellen. So sollen die Renten* am 1. Juli um 5,35 Prozent in Westdeutschland und um 6,12 Prozent in Ostdeutschland steigen, wie das Bundesarbeitsministerium vergangene Woche in Berlin mitteilte. „Es wird eine der höchsten Rentenanpassungen in Deutschland seit Einführung der Rentenversicherung geben“, sagte die Präsidentin der Deutschen Rentenversicherung Bund, Gundula Roßbach.

Die Rentenerhöhung fällt großzügiger aus als gedacht

Die turnusgemäße Rentenanpassung fällt absehbar deutlich höher aus als zunächst angenommen. Ende November hatte Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) noch 4,4 Prozent genannt. Eine monatliche Rente von 1000 Euro, die nur auf West-Beiträgen beruht, erhöht sich der Prognose zufolge im Juli um 53,50 Euro, eine gleich hohe Rente mit Ost-Beiträgen um 61,20 Euro. 

Der Rentenwert im Westen steigt außerdem laut der aktuellen Prognose von 34,19 auf 36,02 Euro, im Osten von 33,47 auf 35,52 Euro. Dieser Wert gibt an, wie viel ein Entgeltpunkt in der Rentenversicherung wert ist; ein solcher Punkt ist maßgeblich für die Höhe der Rente.

CDU und Linke: Inflation lässt Rentenerhöhung schmelzen

Kritik kam von der Opposition. Unionsfraktionsvize Sepp Müller (CDU) sagte, die Erhöhung auch der ostdeutschen Renten schmelze unter der aktuellen Inflationsrate von 5,1 Prozent wie Butter in der Sonne dahin. „Die Bundesregierung steht in der Pflicht, die Bürgerinnen und Bürger bei ihren Lebenshaltungskosten erheblich zu entlasten“, sagte Müller der Deutschen Presse-Agentur. Das gelte für die Sprit-, die Energie- und weitere Lebenshaltungskosten.

Der Fraktionschef der Linken im Bundestag, Dietmar Bartsch, sagte dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND), das Problem der hohen Preise bleibe. „Deshalb ist diese Rentenerhöhung eben nur ein Inflationsausgleich.“ Die Erhöhung werde sogar von der Inflation „mehr oder weniger aufgefressen“.

Inflation und Steuern machen Rentnern zu schaffen

Auch der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, warnt vor hohen Inflationsraten als Folge des Ukraine-Kriegs. Wenn es zu einem Öl- und Gas-Embargo kommen sollte oder wenn Russlands Präsident Wladimir Putin „den Gashahn zudreht, sind Inflationsraten von bis zu zehn Prozent wahrscheinlich“, sagte Fratzscher in einem Podcast des Kölner Stadt-Anzeiger und Redaktionsnetzwerk Deutschland. Auch ohne eine solche Eskalation sei mit Inflationsraten um sechs bis sieben Prozent zu rechnen.

Das heißt, auch ohne Energie-Embargo kann die Inflation die Rentenerhöhung schlucken. Und bei dem Entlastungspaket der Ampel wegen der hohen Energiepreise wurden die Rentner kaum berücksichtigt. Dazu kommt, dass mehr Rentner durch die Erhöhung zusätzlich steuerpflichtig werden. Die jährliche Rentenerhöhung ist nämlich zu 100 Prozent zu versteuern, hier gibt es keinen steuerfreien Anteil. So kann es sein, dass auch bisher von der Steuer befreite Rentner in die Steuerpflicht rutschen*Mit Material der dpa *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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