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Rente: BDI-Präsident rührt an Tabu - „Gleichung geht nicht auf“

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Von: Patricia Huber

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Ein Senior arbeitet in seiner Elektronik-Werkstatt.
Der BDI-Präsident hat nun die Debatte über einen späteren Renteneintritt erneut entfacht. © Dwi Anoraganingrum/Imago Images

Das deutsche Renten-System gilt als reformbedürftig. Ohne eine längere Lebensarbeitszeit wird es künftig kaum noch gehen, glaubt BDI-Chef Siegfried Russwurm - und rührt damit an einem Tabu.

Berlin - Das deutsche Rentensystem steht vor einem Problem. Da es sich um ein umlagefinanziertes System handelt, kann es so nicht weitergehen. Es fehlt schlichtweg an Beitragszahlern für die immer größer werdende Anzahl an Rentnern*. Der Präsident des Industrieverbands BDI, Siegfried Russwurm, fordert nun eine Debatte über eine Verlängerung der Lebensarbeitszeit.

Rente: BDI-Präsident fordert zukunftsweisende Reformen

„Die Politik will keine längere Lebensarbeitszeit, will keine Sozialversicherungsbeiträge über 40 Prozent, will das Rentenniveau auf mindestens 48 Prozent halten - die Gleichung geht nicht auf“, sagte Russwurm den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Montagsausgabe). „Auch eine verlängerte Arbeitszeit sollte nicht weiterhin von der Politik ausgeschlossen werden.“ Notwendig seien zukunftsweisende Reformen. Deutschland müsse Lehren aus der Corona-Pandemie ziehen, forderte der BDI-Präsident weiter.

„Wir müssen unseren Standort zukunftsfest machen und besser werden.“ Alle Unternehmen stünden vor einer enormen demografischen Herausforderung. „Es gibt Hebel für das Problem“, sagte Russwurm und nannte ausdrücklich die Lebensarbeitszeit sowie die Einwanderung von Experten.

Renteneintrittsalter: Andere Experten sehen Erhöhung kritisch

Der Vorstandsvorsitzende der Bundesagentur für Arbeit (BA), Detlef Scheele, sieht in einer Heraufsetzung des Rentenalters* dagegen keine Lösung für den derzeitigen Fachkräftemangel. „Die Erhöhung des Renteneintrittsalters würde nicht auf einen Schlag eingeführt, sondern gestaffelt“, sagte Scheele den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. „Es würde bei der jetzigen Fachkräftesituation gar nicht helfen.“

Auch Verena Bentele, Vorsitzende des Sozialverbandes Deutschland, erklärte gegenüberWelt, dass die Debatte um ein höheres Renteneintrittsalter endlich enden müsse. „Vor allem Geringverdiener und hart arbeitende Menschen müssten dadurch de facto eine Rentenkürzung hinnehmen. Viele von ihnen schaffen es schon heute nicht, bis zur Regelaltersgrenze zu arbeiten“, sagte sie.

Die Ampel-Parteien haben in ihrem Koalitionsvertrag eine Anhebung des Renteneintrittsalters* ausgeschlossen. Konkret heißt es darin: „Es wird keine Rentenkürzungen und keine Anhebung des gesetzlichen Renteneintrittsalters geben.“ Somit wäre dieses Thema, zumindest von der Regierungsseite, vorerst vom Tisch. (dpa/ph) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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