Notverkauf

Santander kauft Banco Popular Espanol für einen Euro

+
Mit dem Geld will die Santander die Kapitallücken der übernommenen Banco Popular Espanol, die zuvor von der EZB als nicht überlebensfähig eingestuft wurde, stopfen. Foto: Julian Stratenschulte

Nach tagelangen Gerüchten über eine Abwicklung haben die Aufseher die Notbremse gezogen: Die angeschlagene Banco Popular schlüpft unter die Fittiche der Santander. Wichtiges Signal: Steuergelder fließen für die Bankenrettung in Spanien nicht.

Frankfurt/Madrid (dpa) - Rettung in letzter Minute: Die spanische Großbank Santander hat den kriselnden Konkurrenten Banco Popular Español für den symbolischen Preis von einem Euro übernommen. Das teilte die Banco Santander mit.

Europas Bankenaufseher hatten zuvor die Notbremse gezogen. Nach ihrer Einschätzung stand die Banco Popular kurz vor dem Zusammenbruch. Die Europäische Zentralbank (EZB) als Bankenaufsicht für die bedeutendsten Institute des Euroraums erklärte, sie habe die Banco Popular als "nicht überlebensfähig" eingestuft.

Die Liquiditätslage des Instituts habe sich in den vergangenen Tagen so stark verschlechtert, dass es Schulden und andere Verbindlichkeiten absehbar nicht werde begleichen können, urteilten die Aufseher. Folglich sei die europäische Bankenabwicklungsbehörde SRB (Single Resolution Board) informiert worden.

SRB-Chefin Elke König begrüßte, dass mit der Auffanglösung eine Abwicklung des seit längerem angeschlagenen Instituts vermieden werden konnte. "Die heute getroffene Entscheidung schützt die Einleger und sichert entscheidende Funktionen der Banco Popular", erklärte sie.

Dies zeige, dass die nach der jüngsten Finanzkrise verschärften europäischen Regeln für die Bankenabwicklung wirksam seien und so verhindert werde, dass bei Schieflagen Steuergelder herangezogen werden müssten, befand König.

Seit 2016 gibt es in Europa gemeinsame Regeln zur Sanierung und - im Notfall - Schließung von Banken. Milliardenschwere Staatshilfe für Krisenbanken wie zuletzt sollen so möglichst vermieden werden. Die EU-Kommission erklärte am Mittwoch, für die Rettung der Banco Popular seien weder Staatshilfe noch Gelder aus dem europäischen Bankenrettungsfonds geflossen.

Die Banco Popular kämpft seit längerem mit den Spätfolgen der spanischen Immobilienkrise und faulen Krediten in ihren Beständen. Um Kapitallücken zu stopfen, will sich der neue Eigentümer Santander über die Ausgabe neuer Aktien frisches Geld am Markt besorgen: Die Großbank plant eine Kapitalerhöhung von etwa sieben Milliarden Euro.

Informationen Banco Santander zur Übernahme

Mitteilung EZB-Bankenaufsicht

Mitteilung EU-Abwicklungsbehörde SRB

Mitteilung EU-Kommission zu Banco Popular

Mehr zum Thema

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

Postbank-Beschäftigte stimmen für unbefristeten Streik

Bonn (dpa) - Im Tarifstreit für die rund 18 000 Beschäftigten der Postbank drohen nun unbefristete Streiks.
Postbank-Beschäftigte stimmen für unbefristeten Streik

ADAC-Umfrage: Regierung soll Straßennetz und ÖPNV ausbauen

München (dpa) - Den Menschen in Deutschland liegt einer Umfrage zufolge besonders der Verkehr in ländlichen Gebieten am Herzen.
ADAC-Umfrage: Regierung soll Straßennetz und ÖPNV ausbauen

Air-Berlin-Generalbevollmächtigter pocht weiter auf Hilfe vom Steuerzahler

Der Generalbevollmächtigte für die konkurse Fluggesellschaft Air Berlin bekäftigt die Notwendigkeit einer Transfergesellschaft. Derweil wird Chef Thomas Winkelmann …
Air-Berlin-Generalbevollmächtigter pocht weiter auf Hilfe vom Steuerzahler

Opel-Betriebsrat gibt GM die Schuld an ineffizienten Strukturen

PSA-Chef Tavares erneuert seine Kritik an ineffizienten Strukturen bei der neuen Konzerntochter Opel. Der Betriebsrat des Rüsselsheimer Autobauers wiederum weist mit dem …
Opel-Betriebsrat gibt GM die Schuld an ineffizienten Strukturen

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.