Bafin und Bundesbank eingeschaltet

Üble Daten-Panne bei deutschem Vermögensverwalter - Ausweis-, Steuer- und Kontodaten erbeutet

Depot-Ansicht von Scalable Capital auf einem Smartphone.
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Beim Münchner Robo-Advisor Scalable Capital ist es zu einem folgenschweren Datenleck gekommen.

Unbekannte haben beim Vermögensverwalter Scalable Capital sensible Kundendaten erbeutet. Das Münchner Start-up spricht von einem „Datenschutzvorfall“ und wiegelt ab.

  • Scalable Capital gehört zu den erfolgreichsten deutschen Fintechs.
  • Doch während der Corona-Krise wies der Vermögensverwalter ein dickes Minus aus.
  • Jetzt dürfte ein Datenleck den Druck auf das Münchner Start-up weiter erhöhen.

München - Beim größten deutschen Online-Vermögensverwalter Scalable Capital ist es zu einer folgenschweren Datenpanne gekommen. Das geht aus einem umständlich formulierten Kundenschreiben von Scalable hervor, das Merkur.de vorliegt.

Danach habe es einen „unrechtmäßigen Zugriff“ auf streng vertrauliche Kundendaten des Dokumenten-Archivs gegeben. Neben Personalien wie Kontakt-Informationen sollen dabei auch Wertpapier-Abrechnungen, Steuer-Identifikationsnummern, Verbindungen zu Referenz-Konten bei Hausbanken sowie Ausweisdaten ausgelesen worden sein, erklärte eine Unternehmenssprecherin auf Anfrage. Von dem Datenleck sind laut Scalable insgesamt rund 20.000 Kunden betroffen. Das wäre jeder fünfte Kunde des Münchner Start-ups.

Scalable Capital schaltet Bafin, Datenschützer, Staatsanwaltschaft und Bundesbank ein

Laut Scalable ist die Datenpanne bereits am vergangenen Freitag, 16. Oktober, entdeckt worden. Man habe alle „erforderlichen Maßnahmen ergriffen, um weitere unrechtmäßige Zugriffe auf das digitale Dokumenten-Archiv auszuschließen“, hieß es. Die zuständigen Aufsichtsbehörden seien informiert. Dazu gehörten die Finanzdienstleistungsaufsicht Bafin, die Bundesbank und das Bayerische Landesamt für Datenschutzaufsicht. Zudem habe man bei der Staatsanwaltschaft Anzeige erstattet. Das Kundenvermögen sei jedoch „zu keinem Zeitpunkt“ gefährdet gewesen, versicherte die Unternehmenssprecherin.

Nach ersten Erkenntnissen ist der Zugriff auf die Kundendaten offenbar mit umfassendem Insider-Wissen erfolgt. Eine von außen ausnutzbare Sicherheitslücke gebe es „nach aktuellem Kenntnisstand“ nicht. Weitere Auskünfte lehnte das Unternehme unter Verweis auf das laufende Ermittlungsverfahren jedoch ab.

Scalable Capital: Datenpanne erhöht Druck auf das Start-up

Scalable ist der größte deutsche Robo-Advisor. Der Begriff Robo-Advisor leitet sich von den englischen Wörtern Robot (Roboter) und Advisor (Berater) ab. Bei Robo-Advisorn investieren Anleger in ETFs. Diese Fonds bilden in der Regel einen Index wie etwa den Dax ab. Die Auswahl der geeigneten Fonds erfolgt auf Basis des eigenen Risikoprofils sowie entsprechender Algorithmen und ist weitgehend automatisiert.

Weltweit findet diese Anlageart immer mehr Zulauf. Alleine in den USA beträgt das von Robo-Advisorn verwaltete Vermögen bereits mehrere 100 Milliarden Dollar. Scalable Capital verwaltet nach eigenen Angaben über zwei Milliarden Euro. Seit Juni können Kunden bei Scalable auch selbst Aktien, ETFs und Fonds handeln. Erst Ende Juli hatte das Start-up eine weitere Finanzierungsrunde über 50 Millionen Euro beendet. Das entspricht einem Unternehmenswert von 400 Millionen Euro.

Hinter dem Robo-Advisor stehen unter anderem Holtzbrinck Ventures, Tengelmann Ventures sowie BlackRock. Der US-Konzern ist der größte Kapital-Anleger und ETF-Anbieter der Welt.  

Die jüngste Datenpanne dürfte den Druck auf den Robo-Advisor weiter erhöhen. Während der Corona-Krise wies Scalable nach Auswertung des Hamburger Branchenmagazins Private Banking mit einem Minus von rund 18 Prozent die schlechteste Performance der untersuchten Robo-Advisor aus.

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