Keine Lust mehr auf Luxus

Schweizer Uhrenexporte brechen ein

Biel - Luxusuhren als Statussymbol sind in Fernost wohl out. Die Schweizer Uhrenindustrie bekommt's zu spüren. Die Branche sieht sich als „Nebenopfer“ im Kampf Chinas gegen die Korruption.

Mangelnde Lust auf Luxus hat die Schweizer Uhrenindustrie schwer mitgenommen. Die drittgrößte Exportindustrie des Landes - nur die chemisch-pharmazeutische Industrie und Hersteller von Maschinen und Elektronik exportieren mehr - musste 2016 einen Einbruch um 9,8 Prozent auf 18,3 Milliarden Franken (17 Mrd Euro) hinnehmen, wie der Verband der Schweizerischen Uhrenindustrie (FH) am Donnerstag in Biel mitteilte. 

Das sind die Gründe

Der Verband nannte drei Gründe für den Einbruch: neben der Tourismusflaute in Europa und dem starken Franken etwa die Erhöhung einer Luxussteuer in China. Damit will die Regierung in Peking unter anderem die Korruption bekämpfen. Luxusuhren waren stets ein bewährtes „Geschenk“. „Wir unterstützen diesen Kampf“, sagte der Präsident des Verbandes, Jean-Daniel Pasche, der Deutschen Presse-Agentur. Zugleich betonte er: „Wir sind aber Nebenopfer.“

„Zwei Drittel des Exportvolumens entfallen auf Uhren für durchschnittlich 17 000 Franken“, erklärte Analyst Jon Cox vom Finanzdienstleister Kepler Cheuvreux in Zürich. „Etwa die Hälfte der hochpreisigen Uhren wird von Chinesen gekauft.“

Gerade Luxusuhren waren weniger gefragt. Bei Edelmetalluhren lag der Einbruch bei 18,5 Prozent. Insgesamt gingen 25,4 Millionen Uhren ins Ausland, so wenig wie seit 2009 nicht mehr. 

Wie sehr die Branche vom chinesischen Geschäft abhängt, zeigt auch die Entwicklung der Märkte: In Hongkong, wo traditionell am meisten umgesetzt wird, brach das Geschäft um 25,1 Prozent ein. Deutschland ist der siebtgrößte Markt für Schweizer Uhren - dort ging der Absatz um 10,8 Prozent auf 1,1 Milliarden Franken zurück. Die Branche meldete lediglich in 2 der 15 wichtigsten Märkte ein Absatzplus: In Großbritannien und Nordirland, wo die Industrie vom schwachen Pfund profitierte, sowie in Südkorea.

Dennoch gibt sich der Verband optimistisch: „Aber die Talsohle dürfte überwunden sein.“ Er geht davon aus, dass sich die Lage 2017 stabilisiert. 

dpa

Rubriklistenbild: © picture-alliance/ dpa

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