«Das war kein PR-Gag»

Siemens-Chef rechtfertigt Angebot an Neubauer

Siemens-Chef Joe Kaeser hatte Luisa Neubauer einen Sitz in einem Aufsichtsgremium des künftigen Unternehmens Siemens Energy angeboten - was die Fridays-for-Future-Aktivistin ablehnte. Foto: Sebastian Kahnert/dpa-Zentralbild/dpa
+
Siemens-Chef Joe Kaeser hatte Luisa Neubauer einen Sitz in einem Aufsichtsgremium des künftigen Unternehmens Siemens Energy angeboten - was die Fridays-for-Future-Aktivistin ablehnte. Foto: Sebastian Kahnert/dpa-Zentralbild/dpa

Berlin (dpa) - Siemens-Chef Joe Kaeser setzt sich gegen Kritiker zur Wehr, die dem Konzernboss eine versuchte Instrumentalisierung von Klimaaktivistin Luisa Neubauer für Image-Zwecke vorwerfen.

Kaeser hatte der Fridays-for-Future-Aktivistin vor zwei Wochen einen Sitz in einem Aufsichtsgremium des künftigen Unternehmens Siemens Energy angeboten - was Neubauer ablehnte, weil sie Siemens dann nicht mehr unabhängig kommentieren könne. «Der Protest auf der Straße allein ist keine Lösung. Deswegen habe ich versucht, Luisa Neubauer einzubinden, das war überhaupt kein PR-Gag», sagte Kaeser nun der «Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung». Ihn treibe die Frage um, wie es gelingen könne, die Konflikte zwischen Jung und Alt zu entschärfen.

Hintergrund ist ein geplantes Bergbau-Projekt des indischen Industriekonzerns Adani. Umwelt- und Klimaschützer - darunter die Fridays-for-Future-Bewegung - protestieren vehement gegen eine Siemens-Zulieferung für das riesige Kohlebergwerk, das in Australien entstehen soll. Kaeser hatte mit Neubauer über das Projekt gesprochen, sie fordert einen Ausstieg des Münchner Unternehmens.

Kaeser sagte der Zeitung, schon vor längerem habe sich abgezeichnet, dass das Projekt seinem Konzern Schwierigkeiten bereiten dürfte. «Am 10. Dezember haben wir den Vertrag in Australien unterzeichnet, tags drauf wurde das vor Ort durch Adani bekannt gegeben, und direkt danach ging es los mit den Protestmails an mich. Hunderte, Tausende. Ich habe sofort gespürt: Wir haben ein Problem.» Dabei habe der Auftrag vergleichsweise geringe wirtschaftliche Bedeutung für Siemens. «Das Projekt hat ein Auftragsvolumen von 18 Millionen, Siemens macht etwa 50 Millionen Geschäft pro Stunde, das sind die Größenverhältnisse», sagte Kaeser.

Den Auftrag nachträglich zu kündigen sei unmöglich gewesen: «Wir haben einen rechtsgültigen Vertrag, der bei einseitiger und willkürlicher Kündigung ohne wichtigen Grund eine unbeschränkte Haftung vorsieht. Mit diesen Realitäten muss man umgehen. Da hilft es auch nichts, wenn uns Klimaaktivisten drohen.»

Siemens-Chef Joe Kaeser hatte Fridays-for-Future-Aktivistin Luisa Neubauer einen Aufsichtsratsposten bei Siemens Energy angeboten. Die lehnte ab - und schoss damit ein Eigentor!

Mehr zum Thema

300 Euro Energiepreispauschale: Wann es das Geld gibt, für wen - und der Steuer-Haken
Wirtschaft

300 Euro Energiepreispauschale: Wann es das Geld gibt, für wen - und der Steuer-Haken

Im neuen Entlastungspaket verspricht die Ampel eine Energiepreispauschale von 300 Euro. Doch wann kommt sie, wer bekommt das Geld und wie viel geht für Steuern drauf?
300 Euro Energiepreispauschale: Wann es das Geld gibt, für wen - und der Steuer-Haken
EU-Kommission durchsucht Büros von Delivery Hero
Wirtschaft

EU-Kommission durchsucht Büros von Delivery Hero

Die EU-Kommission ermittelt bei mehreren Online-Lieferdiensten, darunter bei Delivery Hero. Es geht um den Verdacht der Kartellbildung.
EU-Kommission durchsucht Büros von Delivery Hero

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.