Wegen der Niedrigzinspolitik

Experte: Lage der Bausparkassen bleibt schwierig

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Ein Haus im Rohbau spiegelt sich in einem Verkehrsspiegel. Die Situation in der Bausparbranche bleibt schwierig. 

Bausparkassen bleiben nach Einschätzung eines Experten auch auf lange Sicht unter Druck. „Solange die Niedrigzinsphase anhält, haben die Kassen ein massives Problem", sagt ein Finanzexperte.

 Die Situation in der Bausparbranche bleibt nach Auffassung eines Experten trotz eines wegweisenden Urteils und einer für die Institute positiven Gesetzesänderung auch auf lange Sicht angespannt. "Solange die Niedrigzinsphase anhält, haben die Kassen ein massives Problem, das ihr klassisches Geschäftsmodell bedroht", sagte Professor Hans-Peter Burghof von der Universität Hohenheim der Deutschen Presse-Agentur.

Ein wesentlicher Kursschwenk bei der für die Niedrigzinsen verantwortlichen Europäischen Zentralbank (EZB) sei aber nicht absehbar, daher sei auch für die Kassen keine Besserung in Sicht. Die EZB setzt seit langem auf eine möglichst niedrige Verzinsung, um Europas Wirtschaft anzukurbeln. Dadurch bekommen Sparer für ihre Guthaben aber nur minimale oder gar keine Zinsen. Dies wiederum hat zur Folge, dass nur sehr wenige Verbraucher im Rahmen ihrer Bausparverträge Darlehen abrufen - dadurch können die Kassen nicht wie üblich das Geld, was sie von ihren Kunden in der ersten Bausparphase als Guthaben bekommen, als Darlehen weiterreichen.

Minus von 10 Prozent bei neuen Bausparern

2016 musste die Branche im Schnitt ein Minus von knapp 10 Prozent beim Bauspar-Neugeschäft hinnehmen. Positiv verlief bei den Instituten hingegen das sogenannte außerkollektive Geschäft. Hierbei geht es zum Beispiel um eine klassische Baufinanzierung und um Pfandbriefe. Diese Produkte dürfen die Kassen erst seit 2015 anbieten - damals wurde ein Gesetz geändert, was den Bausparkassen die Erweiterung ihres Portfolios ermöglichte.

Burghof zieht eine gemischte Bilanz des Gesetzes. Einerseits hätten die Kassen durch die anderen Geschäfte ihre schwierige Lage leicht verbessert. "Das hilft ihnen, durch die Krise zu kommen." Zugleich verlören die Institute dadurch aber an Profil. "Bausparkassen werden zur ganz normalen, gewöhnlichen Bank - sie kommen raus aus ihrer bisherigen Nische und müssen sich neuen Wettbewerbern stellen." Wenn die Bausparkassen aber als gewöhnliche Banken wahrgenommen werden vom Verbraucher, könnte sich das negativ auf die Kundenbindung auswirken, warnt Burghof. "Auf lange Sicht müssen sich die Institute aufs Wesentliche konzentrieren - also Bausparverträge verkaufen."

"Das Problem heißt Draghi"

Im Februar hatten die Bausparkassen einen für sie immens wichtigen Erfolg vor dem Bundesgerichtshof (BGH) erstritten: Einem Urteil zufolge dürfen die Kassen Altverträge mit relativ hohen Guthaben-Zinsen kündigen, die mindestens zehn Jahre nicht als Darlehen genutzt werden. Aus Burghofs Sicht bedeutet dieses Urteil zwar etwas Rückenwind für die Kassen, aber alles andere als die Lösung des Problems. "Das Problem heißt (EZB-Präsident) Mario Draghi - erst wenn die Niedrigzinsphase vorbei ist, dürfen die Bausparkassen wieder aufatmen." Wann das sei, sei völlig unklar, so der Experte.

Der Wissenschaftler hat einen Lehrstuhl für Bankwirtschaft und Finanzdienstleistungen, er hat zahlreiche Gutachten und Analysen über Bausparkassen verfasst. In Deutschland gibt es knapp 30 Millionen Bausparverträge. Die drei größten Kassen sind - gemessen am Neugeschäft - Schwäbisch Hall, Wüstenrot und die Landesbausparkasse (LBS) Südwest, die alle ihren Firmensitz in Baden-Württemberg haben.

dpa

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