SPD beharrt auf Nachrüstung

Zweifel an ausreichender Wirksamkeit der Diesel-Updates

+
Abgase strömen aus dem Auspuff eines Autos mit Dieselmotor.

Betagte Diesel tragen erheblich zu schmutziger Stadtluft bei. Software-Updates sollen die Motoren sauberer machen. Es mehren sich die Stimmen, die das für nicht ausreichend halten.

Berlin - Die SPD will die Autokonzerne nach dem Dieselgipfel nicht aus einer Verantwortung für Abgas-Nachbesserungen bei älteren Wagen entlassen. „Wir brauchen unbedingt eine technische Umrüstung dieser Fahrzeuge, die günstiger als der Neukauf ist“, sagte der stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Sören Bartol der Deutschen Presse-Agentur. Viele Besitzer älterer Autos der Schadstoffklassen Euro 3, Euro 4 und auch Euro 5 könnten sich keinen Neuwagen leisten. Die von deutschen Marken zugesagten Prämien für den Kauf neuer, sauberer Fahrzeuge könnten daher „nur eine mögliche Lösung“ sein.

Er erwarte von den Herstellern, dass sie innerhalb eines halben Jahres marktgängige technische Konzepte zur Schadstoffreduzierung direkt an den Motoren liefern, machte Bartol deutlich. Sonst müsse die Politik wieder aktiv werden. „Es ist schlicht falsch, dass es keine technischen Lösungen am Markt gibt.“ Mittelständische Zulieferer hätten Produkte entwickelt, die auch schon erfolgreich getestet worden seien. „Die Hersteller sollten nicht denken, dass wir zulassen, dass Millionen von Autofahrern faktisch enteignet werden.“

Auf den Straßen hierzulande sind Millionen Diesel-Pkw unterwegs, die mehr Schadstoffe ausstoßen als bei amtlichen Tests auf dem Prüfstand. Im Fokus steht besonders Stickoxid (NOx). Laut Umweltbundesamt reizt es die Atemwege, langfristig beeinträchtigt es die Lungenfunktion und führt zu chronischen Herz-Kreislauf-Erkrankungen und vorzeitigen Todesfällen.

Beim Dieselgipfel hatten die deutschen Autobauer zugesagt, selbst „Umstiegsprämien“ für Besitzer alter Diesel zu finanzieren. Für weniger Stickoxid-Ausstoß sollen zudem 5,3 Millionen Fahrzeuge der Klassen Euro 5 und 6 eine neue Software erhalten. Darunter sind bereits 2,5 Millionen Autos von VW, für die nach dem Skandal um Abgasmanipulationen Nachrüstungen amtlich angeordnet wurden. Umbauten an Motoren, die teurer und aufwendiger wären, lehnt die Branche ab.

Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) glaubt allerdings, dass die Autoindustrie nicht um Motorumbauten herum kommt. „Mit den Software-Updates können wir eine NOx-Minderung in den Städten erreichen“, sagt sie dem „Spiegel“. Die Reduzierung werde unter zehn Prozent liegen. Das reichen nicht aus, um Fahrverbote zu verhindern. „Die Autobranche muss nachlegen“, sagte Hendricks weiter.

Für den Fall, dass Fahrverbote kommen, möchte der Deutsche Städtetag gerüstet sein. „Dann wird ein Instrument gebraucht, damit schadstoffarme Autos gekennzeichnet und Fahrverbote kontrolliert werden können. Deshalb ist die Blaue Plakette nötig“, sagte die Präsidentin des Deutschen Städtetages, Eva Lohse, der „Passauer Neuen Presse“ (Samstag). Derzeit gibt es drei Stufen der Kennzeichnung, je nach Schadstoffausstoß des Fahrzeugs. Mit der blauen Plakette für schadstoffarme Diesel würde eine vierte eingeführt, mit der vor allem älteren Dieselfahrzeugen die Einfahrt in Umweltzonen untersagt werden könnte.

Der stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Bartol warf Verkehrsminister Alexander Dobrindt weiter vor, den Herstellern „leichtgläubig hinterherzulaufen“. Der CSU-Politiker hatte Motor-Umbauten zumindest als kurzfristige Lösung ausgeschlossen. Hardware-Umrüstungen müssten erst entwickelt werden, dann gebe es eine längere Umrüstphase, argumentierte der Minister. Nötig seien aber sofortige Abgas-Verbesserungen. Bartol monierte, auch Kanzlerin Angela Merkel (CDU) scheine eher auf Lobbyarbeit „ehemaliger Unionsfreunde bei der Automobilindustrie“ zu hören als auf Millionen Dieselfahrer. „Frau Merkel muss sich endlich unabhängig machen.“

dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

Führende Ökonomen fordern radikale Reformen in der Eurozone

Berlin/Brüssel (dpa) - Angesichts der Risiken für eine neue Finanzkrise fordern deutsche und französische Ökonomen grundsätzliche Reformen in der Eurozone.
Führende Ökonomen fordern radikale Reformen in der Eurozone

Anleger sind nach Rücksetzer in den USA vorsichtig

Frankfurt/Main (dpa) - Ein Abverkauf von Aktien im späten Handel an der Wall Street hat die Anleger hierzulande am Mittwoch vorsichtig gestimmt. In Frankfurt verlor der …
Anleger sind nach Rücksetzer in den USA vorsichtig

Nestlé verkauft US-Süßwarengeschäft an Ferrero

Schon seit längerem plant der Schweizer Lebensmittelkonzern, sich von der Sparte zu trennen. Über den Käufer ist auch schon spekuliert worden. Jetzt ist der …
Nestlé verkauft US-Süßwarengeschäft an Ferrero

VW-Konzern 2017 mit Rekordabsatz

Wolfsburg (dpa) - Der Volkswagen-Konzern hat 2017 mehr Fahrzeuge ausgeliefert als je zuvor. Der Autobauer übergab 10,74 Millionen Fahrzeuge an Kunden in aller Welt, wie …
VW-Konzern 2017 mit Rekordabsatz

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.