Ex-Arcandor-Chef

Ein Lichtblick für Thomas Middelhoff

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Thomas Middelhoff war bereits 2014 unter anderem wegen Veruntreuung von Firmengeldern bei Arcandor zu drei Jahren Haft verurteilt worden.

Eigentlich sollte der Prozess gegen den früheren Arcandor-Chef bis Jahresende dauern. Doch jetzt will das Essener Landgericht wesentlich früher einen Schlussstrich ziehen. Das Verfahren gegen den 64-Jährigen soll am Mittwoch eingestellt werden.

Essen - Das Essener Landgericht ist kein Ort, der bei dem früheren Topmanager Thomas Middelhoff gute Erinnerungen weckt. Vor zweieinhalb Jahren wurde er dort in einem spektakulären Prozess wegen Untreue zulasten des Handelskonzerns Arcandor zu drei Jahren Haft verurteilt. Seit Mitte Mai steht er am gleichen Ort zusammen mit sechs ehemaligen Aufsichtsräten des Unternehmens in einem weiteren Strafprozess vor Gericht. Der Vorwurf diesmal: Anstiftung zur Untreue.

Doch wenn der 64-Jährige am heutigen Mittwoch wieder einmal auf der Anklagebank Platz nimmt, dürfte bei Middelhoff die Erleichterung die schlechten Erinnerungen überdecken. Das Verfahren gegen ihn soll nach Angaben eines Gerichtssprechers nur sechs Wochen nach der Eröffnung eingestellt werden - ohne eine weitere Strafe.

Das plötzliche Ende kommt überraschend. Denn eigentlich sollte der Prozess bis Jahresende gehen. Die Staatsanwaltschaft hatte dem ehemaligen Chef des Karstadt-Mutterkonzerns Arcandor im Essener Verfahren vorgeworfen, die Aufsichtsräte des Unternehmens zur Untreue angestiftet zu haben, als es um seine Abfindung ging. Der Manager hatte noch wenige Monate vor der Pleite des Konzerns eine Erfolgsprämie von 2,3 Millionen Euro bekommen. Nach Auffassung der Staatsanwaltschaft hatte er jedoch keinen Anspruch auf das Geld. Sechs an der Entscheidung beteiligten Aufsichtsräten legte die Staatsanwaltschaft deshalb Untreue zur Last.

Doch eine Handvoll Verhandlungstage haben dem Gericht offenbar genügt, um sich ein ausreichendes Bild von den Vorgängen zu machen. In einem Rechtsgespräch mit der Staatsanwaltschaft und den Verteidigern stellten die Richter am Montag mit Zustimmung aller Parteien die Weichen für die Einstellung des Verfahrens, wie ein Gerichtssprecher erklärte.

Das Verfahren gegen Middelhoff, der die Vorwürfe stets bestritt, soll nach Angaben des Justizsprechers nach Paragraf 154 der Strafprozessordnung eingestellt werden. Dieser ermöglicht es, Verfahren zu beenden, wenn der Angeklagte schon wegen einer anderen Tat rechtskräftig verurteilt wurde und die zu erwartende weitere Strafe demgegenüber „nicht beträchtlich ins Gewicht fällt“.

Middelhoff aber war bereits 2014 vom Essener Landgericht unter anderem wegen Veruntreuung von Firmengeldern bei Arcandor zu drei Jahren Haft verurteilt worden. Das Urteil ist inzwischen rechtskräftig. Eine Verfahrenseinstellung nach Paragraf 154 ist nach Angaben des Gerichtssprechers nicht mit einem Schuldeingeständnis verbunden.

Für Middelhoff wäre die Einstellung des Prozesses ein Lichtblick in einer schwierigen Zeit. Schon 2015 musste der Manager, der nicht nur bei Arcandor, sondern zuvor auch als Chef des Medienkonzerns Bertelsmann und als Investmentbanker in London Millionen verdient hatte, Privatinsolvenz anmelden. Ein wahrlich tiefer Fall.

Vor fast genau einem Jahr - am 13. Mai 2016 - trat er dann seine Haftstrafe an. Middelhoff verbüßt sie im offenen Vollzug und arbeitet tagsüber als Freigänger in einer Behindertenwerkstatt in Bielefeld. Auch die Ehe des Managers ging in die Brüche. Auf die Frage des Vorsitzenden Richters Edgar Loch nach seinem Familienstand antwortete er am ersten Verhandlungstag: „Verheiratet, in Scheidung lebend.“ Es ist in den vergangenen Jahren viel kaputt gegangen in Middelhoffs Leben.

Auch die Verfahren gegen die mitangeklagten Aufsichtsratsmitglieder sollen nach Angaben des Gerichtssprechers voraussichtlich eingestellt werden - teils gegen Geldauflagen, teils wegen geringer Schuld auch ohne Auflagen. Allerdings soll dies erst in den nächsten Wochen geschehen.

dpa

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