Einigung auf Megadeal

Eon und RWE ordnen Energiemarkt neu: Innogy wird zerschlagen

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Die Unternehmenszentrale des Energieversorgungsunternehmens Innogy. Foto: Bernd Thissen/Zentrale

Auf dem Strommarkt in Deutschland sollen die Karten neu gemischt werden. Die Energieriesen Eon und RWE haben sich auf einen Megadeal geeinigt. Die Auswirkungen auf Wettbewerb und Strompreise sind noch völlig offen.

Essen (dpa) - Die größten deutschen Stromkonzerne Eon und RWE wollen sich komplett neu aufstellen und damit die gesamte Branche umkrempeln. Die beiden Energieriesen kündigten in der Nacht zu Sonntag überraschend an, ihre Geschäfte aufteilen zu wollen.

Eon will dazu in einem ersten Schritt die RWE-Ökostrom- und Netztochter Innogy kaufen und im Gegenzug den Konkurrenten RWE am eigenen Unternehmen beteiligen. Eon würde das lukrative Netzgeschäft von Innogy erhalten, während die erneuerbaren Energien unter dem Dach von RWE vereint werden sollen. Das erst zwei Jahre alte Unternehmen Innogy würde damit zerschlagen.

Die beiden Versorger haben eine Grundsatzeinigung erzielt, bindende Verträge wurden noch nicht abgeschlossen. Die Gremien beider Konzerne und die Kartellbehörden müssen noch zustimmen. Kritiker warnten am Wochenende vor Nachteilen für den Wettbewerb auf dem Strommarkt und höheren Preisen für Verbraucher.

RWE hatte das eigene Geschäft mit erneuerbaren Energien, dem Vertrieb und dem Netz erst im Oktober 2016 unter dem Namen Innogy an die Börse gebracht. Seitdem hält RWE noch knapp 76,8 Prozent an Innogy. RWE behielt die konventionellen Großkraftwerke und den Strom-Großhandel.

Durch den Deal mit Eon sollen die Erneuerbaren jetzt zu RWE zurückkehren. Zudem soll RWE das bisherige Eon-Geschäft mit den Ökoenergien übernehmen. Eon würde im Gegenzug zu einem Unternehmen, das sich ganz auf die Energienetze und das Endkundengeschäft konzentriert, wie es in der Mitteilung heißt. Die Stromnetze sind schon jetzt der verlässlichste Gewinnbringer von Eon, zuletzt steuerten sie rund 65 Prozent der Erträge bei.

Der Vereinbarung zufolge soll RWE für den Verkauf von Innogy eine Beteiligung an Eon in Höhe von knapp 16,7 Prozent erhalten. RWE würde damit der größte Einzelaktionär von Eon. An RWE sollen zudem Innogys Gasspeichergeschäft und die Beteiligung am österreichischen Energieversorger Kelag gehen. Außerdem soll RWE von Eon die Minderheitsbeteiligungen an den von RWE betriebenen Kernkraftwerken Emsland und Gundremmingen erhalten.

Von den bei RWE wichtigen kommunalen Eigentümern kamen unterschiedliche Reaktionen. Die Energiewende stelle die Unternehmen vor große Herausforderungen, sagte Essens Oberbürgermeister Thomas Kufen. "In einer solchen Situation Kräfte zu bündeln, kann ein sinnvoller Weg sein." Der Dortmunder Stadtwerke-Chef Guntram Pehlke äußerte dagegen Sorgen um Standorte und Beschäftigte. Die kommunalen Aktionäre halten rund 20 Prozent der Anteile von RWE.

NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) begrüßt die Pläne: "Ganz grundsätzlich glaube ich, dass es eine sehr innovative Entscheidung sein kann, ein Unternehmen zu haben, das sich zur Versorgungssicherheit sowohl den konventionellen Energien als auch den Erneuerbaren widmet, und ein anderes, was sehr auf den Vertrieb und die Netze in Deutschland achtet." Damit gebe es auch im internationalen Wettbewerb zwei leistungsstarke Unternehmen, sagte er der "Rheinischen Post" (Montag). Er betonte, es handele sich um eigenständige unternehmerische Entscheidungen.

Der Ökostrom-Anbieter Lichtblick warnte vor einem "Megakonzern mit großer Marktmacht". Das gefährde den Wettbewerb und könnte auf Dauer zu höheren Strompreisen für Verbraucher führen: "Diese Fusion muss das Kartellamt sehr kritisch prüfen."

Der Wettbewerbsexperte Prof. Justus Haucap sieht in der Übernahme von Innogy durch Eon kein großes kartellrechtliches Problem. Der "Rheinischen Post" sagte er, die Netze unterstünden ohnehin der Regulierung durch die Bundesnetzagentur oder Landesbehörden. Dabei sei es völlig egal, ob Innogy oder Eon die Eigentümer seien.

Innogy als bislang wichtigster Gewinnbringer von RWE steht seit geraumer Zeit unter Druck. Wegen andauernder Probleme auf dem britischen Markt musste Innogy die Gewinnprognose für 2017 kappen. Nach einem Absturz des Börsenkurses räumte Vorstandschef Peter Terium seinen Posten. Der Aufsichtsrat um den Mehrheitseigentümer RWE mahnte Kostendisziplin und eine fokussierte Investitionsstrategie an. Seitdem führt Personalvorstand Uwe Tigges kommissarisch den Vorstand.

Innogy-Finanzvorstand Bernhard Günther war am Sonntag vergangener Woche Opfer einer Säureattacke geworden. Unbekannte hatten ihn angegriffen und zu Boden geworfen. Sie schütteten ihm Säure ins Gesicht und verschwanden. Günther erlitt schwerste Verletzungen und schwebte zeitweise in Lebensgefahr.

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