Experte warnt

Stuttgart-Urteil: Diese Folgen drohen Dieselfahrern

Greenpeace beerdigt Diesel
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Greenpeaceaktivisten demonstrierten Ende Juni in München gegen den Dieselmotor

Macht das Urteil von Stuttgart nun Diesel-Autos in Deutschland der Garaus? Ein Experte warnt Autokäufer jedenfalls schon jetzt eindringlich.

Stuttgart/Duisburg - Die Entscheidung des Verwaltungsgerichts Stuttgart zur Luftreinhaltung wird nach Ansicht des Autoexperten Ferdinand Dudenhöffer gravierende Folgen für Dieselfahrer haben. Die Gebrauchtwagenpreise dürften nun in den Keller gehen, sagte der Professor der Universität Duisburg-Essen am Freitag dem Südwestrundfunk. „Die deutschen Autobauer müssen sich genau überlegen, wie weit sie noch mit dem Diesel kommen.“

Kunden, die 100.000 Euro für ein Fahrzeug ausgäben und verschämt zu Boden gucken müssten, weil ein Nachbar frage, wie umweltfreundlich das Fahrzeug sei - das könne man sich in der Zukunft nicht mehr erlauben, meinte Dudenhöffer. Die Autobauer müssten mit klaren Gesetzen zum Handeln gezwungen werden.

Laut Gericht sind nur Fahrverbote für Diesel ein wirksames Mittel, um die Luftbelastung mit giftigem Stickstoffdioxid schnellstmöglich zu reduzieren. Gesundheitsschutz sei höher zu bewerten als Interessen der Dieselfahrer, argumentierte das Verwaltungsgericht. Das Urteil könnte wegweisend für das weitere Vorgehen mit Schadstoffgrenzwerten in den Innenstädten sein.

Dobrindt und Hendricks offenbar uneinig

Die Frage, ob tatsächlich Fahrverbote kommen werden, könnte auch zu einem Streitthema in der Großen Koalition werden. Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) versuchte am Freitag nach dem Urteil die Wogen zu glätten. Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD) nahm hingegen die Autoindustrie in die Pflicht - sie könne sich jetzt nur noch selbst helfen.

Dobrindt sprach sich erneut gegen "generelle Fahrverbote in der Innenstadt" aus. Er halte das für den falschen politischen Ansatz. "Ein Aufkleber verhindert nicht das Abgasverhalten des Autos." Um den Stickoxid-Anteil in der Luft der deutschen Städte zu reduzieren, brauche es einen "Strauß von Maßnahmen". Zum einen müsse das Stickoxid "an der Quelle" reduziert werden - also durch Nachrüstungen an den Fahrzeugen -, zum anderen müsse die Mobilität optimiert werden, etwa durch Stauvermeidung.

Hendricks betonte, es sei höchste Zeit, „dass die Autoindustrie in eigener Verantwortung dafür sorgt, dass es nicht zu Fahrverboten kommt“. Die Industrie stehe an einem „Scheidepunkt“ und habe das jetzt auch verstanden. Kommende Woche auf dem Diesel-Gipfel in Berlin würden mit einem Software-Update erste Schritte eingeleitet. Die Hersteller müssten „sehr rasch“ angeben, wie sie selbst nachbessern wollten.

dpa/AFP/fn

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