Weitere Warnstreiks möglich

Tarifkonflikt bei Geldboten nicht entschärft

+
Am Freitag hatten sich rund 1000 Mitarbeiter in neun Bundesländern an Arbeitsniederlegungen beteiligt - wie hier in Potsdam. Foto: Ralf Hirschberger

Auch nach einem Warnstreik haben beide Seiten keine Tariflösung für die Geldboten und -sortierer gefunden. Der Gewerkschaft Verdi sind vor allem die großen regionalen Lohnunterschiede ein Dorn im Auge.

Hannover (dpa) - Der Tarifkonflikt um die rund 11 000 Beschäftigten der Geld- und Werttransportbranche bleibt ungelöst. Die jüngste Verhandlungsrunde wurde am späten Montagabend ergebnislos beendet, wie beide Seiten mitteilten.

Die Gewerkschaft Verdi will nun über einen weiteren Warnstreik beraten. Am Freitag hatten sich rund 1000 Mitarbeiter in neun Bundesländern an Arbeitsniederlegungen beteiligt. Einen neuen Gesprächstermin gibt es noch nicht. Verdi und die Bundesvereinigung Deutscher Geld- und Wertdienste (BDGW) wollen aber weiterverhandeln.

Verdi strebt bundesweit einheitliche Einkommen für die Geldboten und Geldsortierer an und fordert eine Erhöhung der Stundenlöhne um 1,50 Euro in der Stunde. Die Arbeitgeber haben nach eigenen Angaben Lohnerhöhungen angeboten, die sich in den nächsten drei Jahren auf 10,5 Prozent summierten. Verdi habe das aber abgelehnt und damit gezeigt, dass die Gewerkschaft keinen "realistischen Abschluss" wolle "und eine Schädigung der Branche, inklusive dem Verlust von Arbeitsplätzen, in Kauf nehmen würde", stellte BDGW-Verhandlungsführer Andreas Paulick fest.

Verdi-Verhandlungsführer Volker Nüsse sagte, das Angebot enthalte drei Erhöhungen in drei Jahren von jeweils 2 bis 3,5 Prozent, je nach Tätigkeit und Region. Damit sei das bisherige Angebot für die Regionen mit niedrigem Lohnniveau um 0,5 Prozentpunkte aufgestockt worden. Das sei aber unzureichend.

"Es ist bisher kein echter Wille erkennbar, die extremen Lohnunterschiede anzugleichen. Ginge es nach den Arbeitgebern, würde sich der Unterschied zwischen Nordrhein-Westfalen und Berlin um gerade einmal acht Cent verringern" - bei einer Lohndifferenz von derzeit 4,49 Euro in der Stunde, sagte Nüsse. Beim Geldtransport liege der Lohn in NRW bei 15,73 Euro in der Stunde, in Berlin bei 11,24 Euro. Fürs Geldzählen und -sortieren gebe es in den Ost-Ländern 9,33 Euro pro Stunde, also nur 49 Cent mehr als der gesetzliche Mindestlohn.

BDGW-Mitteilung zur Tarifrunde

Verdi-Mitteilung zu Tarifrunde

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

Brüssel prüft Monsanto-Übernahme durch Bayer genauer

Die EU-Kommission will die Risiken des Zusammenschlusses für den Wettbewerb in der Agrarchemie genauer unter die Lupe nehmen. Bayer reagiert darauf gelassen. Der Konzern …
Brüssel prüft Monsanto-Übernahme durch Bayer genauer

Rheintalbahn soll am 7. Oktober wieder freigegeben werden

Alles dauert viel länger als zunächst gedacht. Erst am 7. Oktober sollen wieder Züge auf der europäischen Hauptachse Rheintalbahn fahren. Bis dahin muss das Notkonzept …
Rheintalbahn soll am 7. Oktober wieder freigegeben werden

Merkel will Spiele-Entwickler mit mehr Geld fördern

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat bei der Eröffnung der Computerspielemesse Gamescom der Branche eine stärkere staatliche Förderung in Aussicht gestellt.
Merkel will Spiele-Entwickler mit mehr Geld fördern

Bei mehr als 60 Euro Gebühren fürs Konto die Notbremse ziehen

Die Experten von Finanztest nahmen 231 Gehalts- und Girokonten von 104 Banken unter die Lupe. Einige Geldinstitute zocken bei den Gebühren so richtig ab. Dann ist die …
Bei mehr als 60 Euro Gebühren fürs Konto die Notbremse ziehen

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.