Fragen zum Kündigungsschutz

Sorge um Jobs: Tausende Opel-Arbeiter fordern Informationen

+
Opel Betriebsratschef Wolfgang Schäfer-Klug. Foto: Arne Dedert/Archivbild

Beim geplanten Opel-Verkauf an den französischen PSA-Konzern mauert General Motors intern. Der Betriebsrat verlangt genauere Informationen zum Übergang und wird langsam sauer.

Rüsselsheim (dpa) - Beim zum Verkauf stehenden Autobauer Opel dringen die Beschäftigten auf detaillierte Informationen. Mehrere tausend Mitarbeiter kamen zu Betriebsversammlungen am Stammsitz Rüsselsheim und in Kaiserslautern.

"Wir brauchen einen sauberen Übergang zum französischen PSA-Konzern, bei dem sichergestellt werden muss, dass jeder und alles mitgenommen wird, was wir für die Zukunft brauchen", sagte der Gesamtbetriebsratschef Wolfgang Schäfer-Klug nach einer Betriebsversammlung in Rüsselsheim.

Der Mutterkonzern General Motors müsse dabei die notwendigen Nachweise liefern, dass die gültigen tariflichen Vereinbarungen etwa zu Kündigungsschutz und Investitionsplanungen in den Verträgen mit PSA sauber abgebildet sind.

Ein weiterer wichtiger Punkt seien die von GM übernommenen Pensionsverpflichtungen, für deren Absicherung der Konzern die notwendigen Nachweise liefern müsse. "Transparenz und Information über die Schritte bis zum endgültigen Verkauf sind unabdingbar. Schließlich können Fehler auch unabsichtlich passieren", mahnte der Betriebsratschef. 

Am Mittag hatten sich im Stammwerk und in Kaiserslautern mehrere tausend Opel-Beschäftigte zum zweiten Mal in diesem Monat zu Betriebsversammlungen zusammengefunden. In Rüsselsheim sprach am Freitag Arbeitsdirektor Ulrich Schumacher in einer voll besetzten Halle zu der Belegschaft. Nach Angaben aus Teilnehmerkreisen wurde die Versammlung unterbrochen, um in der nächsten Woche fortgesetzt zu werden. Der Vorstand sei zu viele Antworten schuldig geblieben, hieß es.

Schäfer-Klug hatte in einem Interview im Vorfeld klargemacht, dass Noch-Eigentümer General Motors die Arbeitnehmervertreter enger in den Übergangsprozess einbinden müsse. Indirekt hatte der IG-Metaller mit Streiks für den Fall gedroht, dass weiterhin keine Informationen fließen.

Erstmals hatte Schäfer-Klug in dem Interview mit der "Wirtschaftswoche" auch eingeräumt, dass bei einer Übernahme durch PSA konkret Jobs gefährdet seien, weil GM zuvor Investitionen in die Automation verschleppt habe. Generell werde die gesamte Autobranche bei einer Umstellung auf Elektroantriebe viele Arbeitsplätze verlieren, so Schäfer-Klug. Die von PSA vorgegebenen Sparziele von 1,7 Milliarden Euro im Jahr hält der Betriebsrat für machbar, wenn möglichst viele Modelle auf gemeinsamen Plattformen entstünden.

GM und PSA hatten sich Anfang März auf den Opel-Verkauf geeinigt, der bis zum Jahresende juristisch abgeschlossen sein soll. Unmittelbar danach hatte es erste Betriebsversammlungen zum Thema gegeben, die der Betriebsrat jetzt fortsetzte. Die Franzosen sollen für das GM-Europa-Geschäft samt der Finanzsparte rund 2,2 Milliarden Euro zahlen. Opel/Vauxhall beschäftigt rund 38 000 Mitarbeiter in sieben europäischen Ländern, die Hälfte davon in Deutschland.

Interview Schäfer-Klug Wirtschaftswoche

Mehr zum Thema

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

Airbus übernimmt Steuer bei Bombardiers C-Serie

Überraschung in der Flugzeugindustrie: Airbus steigt bei der C-Serie des kanadischen Konkurrenten Bombardier ein. Der Coup ist politisch delikat - denn Bombardier ist im …
Airbus übernimmt Steuer bei Bombardiers C-Serie

Dax kann Marke von 13 000 Punkten nicht halten

Frankfurt/Main (dpa) - Die Anleger sind am Dienstag in den letzten Handelsminuten in Deckung gegangen. Der Dax beendete den Tag 0,07 Prozent tiefer bei 12 995,06 Punkten.
Dax kann Marke von 13 000 Punkten nicht halten

Banken und Unternehmen machen Druck auf Brexit-Unterhändler

Je länger sich die Brexit-Verhandlungen hinziehen, desto schwieriger wird es für Unternehmen zu planen. Deshalb macht die Wirtschaft zunehmend Druck. Vor allem die …
Banken und Unternehmen machen Druck auf Brexit-Unterhändler

Staat verdient mehr an Rauchern

Wiesbaden (dpa) - Der deutsche Fiskus hat mehr an Rauchern verdient. Im dritten Quartal wurden 7,2 Prozent mehr versteuerte Zigaretten produziert als im …
Staat verdient mehr an Rauchern

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.