Werke dürfen verkauft werden

Teil-Rettung für Solarworld

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An der Spitze der neuen Gesellschaft steht der einstige Solarworld-Gründer Frank Asbeck. Foto: Oliver Berg

Erleichterung bei vielen Mitarbeitern: Die deutschen Fabriken von Solarworld können mit neuem Eigentümer weiterproduzieren. Doch es fallen auch 1200 Stellen weg.

Bonn (dpa) - Deutschlands letztes großes Solarunternehmen Solarworld bekommt noch eine Chance: Die deutschen Produktionswerke des seit drei Monaten insolventen Solarmodulherstellers dürfen mit neuem Eigentümer und einer auf 475 Beschäftigte heruntergefahrenen Belegschaft weiterarbeiten.

Das billigte eine Gläubigerversammlung des Unternehmens am Freitag in Bonn, wie ein Sprecher des Insolvenzverwalters mitteilte. Einschließlich der Zentrale in Bonn gehe die neue Gesellschaft mit 515 Mitarbeitern an den Start.

An der Spitze steht der einstige Solarworld-Gründer Frank Asbeck. Das Geld für das Geschäft kommt aus Katar. Solarworld hatte Mitte Mai - unter dem Druck der Konkurrenz unter anderem aus China - nach sechs Jahren mit roten Zahlen Insolvenz angemeldet.

Für weitere 1200 Solarworld-Beschäftigte, die an den beiden Standorten im sächsischen Freiberg und im thüringischen Arnstadt nicht mehr benötigt werden, wird eine Transfergesellschaft gegründet. Sie soll bis Februar 2018 Mitarbeiter qualifizieren und in neue Jobs vermitteln. Die Übernahme habe einen Gesamtwert von 96 Millionen Euro, hieß es aus Teilnehmerkreisen der nicht öffentlichen Sitzung.

In der Solarworld-Zentrale in Bonn waren bereits 150 Mitarbeiter unwiderruflich freigestellt worden. Dort bleibt vorerst nur eine Abwicklungsmannschaft. Ohne die Zustimmung der Gläubigerversammlung hätten fast alle Solarworld-Beschäftigte freigestellt und später entlassen werden müssen. Am Freitag habe auch das Bundeskartellamt die Entscheidung bereits genehmigt, teilte Asbeck mit.

"Ich freue mich, dass es nach zähen Verhandlungen gelungen ist, wieder eine Zukunft für die Solarworld-Fertigungen zu entwickeln", erklärte Asbeck.

Insolvenzverwalter Horst Piepenburg hatte zuvor für die Entscheidung geworben: "Angesichts der komplexen Bedingungen der Solarindustrie ist das für die Gläubiger wirtschaftlich vernünftig und für die Standorte und Mitarbeiter die verantwortungsvollste Lösung." Die Gläubiger hätten sich mit ihrer Zustimmung die Chance gesichert, wenigstens einen Teil ihres Geldes zurückzubekommen, sagte ein Piepenburg-Sprecher am Freitag.

Mit dem Geschäft übernimmt die neue Gesellschaft fast alle Anlagen, Vorräte und die Anteile an den Gesellschaften des Solarkonzerns mit Ausnahme der US-Gesellschaft. Sie soll voraussichtlich zugunsten der Konkursmasse verkauft werden.

Nach dem Verkauf startet das neue Rumpf-Unternehmen nach Einschätzung von Branchenexperten mit deutlich verbesserten Chancen. Vor allem falle das existenzgefährdende Risiko einer US-Schadenersatzklage von rund 700 Millionen Euro eines früheren Silizium-Lieferanten gegen Solarworld weg.

Der zumindest teilweise Erhalt des Solarunternehmens sei wichtig für die deutsche Solarforschung, weil sie sonst ihre Anwendungsmöglichkeiten verloren hätte, sagte der Leiter des Fraunhofer-Instituts für solare Energiesysteme, Prof. Andreas Bett. "Ohne eigene Fertigung wären wir in ein paar Jahren abhängig von China."

Mitteilung Solarworld vom 8.8.

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