Vor allem Hauptschüler kriegen keinen Platz

Trotz guter Chancen: 20.000 gehen bei Lehrstelle leer aus

Berlin - Deutschland exportiert sein Modell der dualen Ausbildung in Betrieben und Berufsschulen gern ins Ausland. Zuhause läuft aber noch längst nicht alles rund auf dem Lehrstellenmarkt.

In Deutschland sind die Chancen auf eine Lehrstelle nach Angaben der Bundesregierung „so gut wie nie“. Auf 100 Schulabgänger, die einen Ausbildungsplatz suchten, kamen im vergangenen Jahr statistisch gesehen 104,2 Angebote. Dies geht aus dem Berufsbildungsbericht 2017 hervor, den das Kabinett am Mittwoch in Berlin verabschiedete. Allerdings seien „Passungsprobleme weiterhin eine zentrale Herausforderung“ - viele Ausbildungsbewerber genügen nicht den Ansprüchen der Betriebe.

Die Anzahl freier Lehrstellen stieg zum Stichtag 30. September 2016 um 4,5 Prozent auf rund 43.500 und damit auf einen neuen Rekordwert. Für viele Betriebe sei es schwieriger geworden, Ausbildungsplätze zu besetzen, schreibt das Bundesbildungsministerium zu seinem Report.

Zugleich ging die Zahl unversorgter Bewerber leicht (um 1,1 Prozent) zurück - aber es gab immer noch 20.600 Jugendliche, die leer ausgingen. Und fast 300.000 junge Menschen begannen 2016 ein Programm im sogenannten Übergangsbereich (plus 12,2 Prozent), um überhaupt erst einmal für eine Lehrstelle fit gemacht zu werden. Bei den neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen blieb die Gesamtzahl mit 520.300 im Vergleich zu 2015 praktisch konstant (minus 0,4 Prozent).

Für die sogenannte Ausbildungsbetriebsquote und Vertragsauflösungen weist der Berufsbildungsbericht Zahlen von 2015 aus. Demnach bildet in Deutschland nur noch jeder fünfte Betrieb (20 Prozent) einen oder mehrere Lehrlinge im dualen System aus (2014: 20,3 Prozent) - ein Tiefstand. 24,9 Prozent der Lehrverträge wurden vorzeitig aufgelöst (2014: 24,6 Prozent) - allerdings gingen mehr als die Hälfte dieser Vertragslösungen mit einem Wechsel des Ausbildungsbetriebs oder -berufs einher. „Diese Auszubildenden verbleiben also weiter im Qualifizierungsprozess als berufliche Fachkräfte.“

DGB fordert Ausbildungsgarantie

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) beklagte, dass gut 1,2 Millionen Menschen zwischen 20 und 29 in Deutschland keine abgeschlossene Ausbildung hätten und auch nicht in Schule oder Studium seien - fast 13 Prozent dieser Altersgruppe. „Das heißt: Unter dem Strich bleiben pro Jahrgang mehr als 120.000 Jugendliche ohne Ausbildung“, sagte die stellvertretende DGB-Chefin Elke Hannack der Deutschen Presse-Agentur. „Wir brauchen deshalb eine Ausbildungsgarantie, die allen Jugendlichen die Perspektive auf einen Berufsabschluss eröffnet.“

Der stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Hubertus Heil sprach sogar von 1,9 Millionen jungen Erwachsenen zwischen 20 und 34 Jahren ohne jeden Berufsabschluss. „Gerade für Ausbildungssuchende mit Hauptschulabschluss wird es zunehmend schwerer, einen Platz zu ergattern.“ Deutschland müsse daher „die Allianz für Ausbildung stärker hierauf konzentrieren - das bedeute „neben zusätzlichen betrieblichen Ausbildungsplätzen vor allem mehr Unterstützungsangebote“, sagte Heil.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

Online-Handel beflügelt das Weihnachtsgeschäft

Der Kauf von Geschenken im Internet wird immer beliebter, die Einzelhändler erwarten für das Weihnachtsgeschäft hier zweistellige Wachstumsraten. In den Innenstädten …
Online-Handel beflügelt das Weihnachtsgeschäft

Studie bestätigt Gehaltslücken zwischen Männern und Frauen in Unternehmensspitzen

Frauen verdienen als Führungskräfte in deutschen Unternehmen im Schnitt fast ein Drittel weniger als Männer. Das bestätigte nun ein neue Studie. 
Studie bestätigt Gehaltslücken zwischen Männern und Frauen in Unternehmensspitzen

Protest gegen Stellenabbau bei Teva

Der Teva-Konzern aus Israel ist ein global vernetztes Unternehmen - er kontrolliert auch den deutschen Medikamenten-Hersteller Ratiopharm. Die vorgesehenen Jobkürzungen …
Protest gegen Stellenabbau bei Teva

Online-Handel beflügelt das Weihnachtsgeschäft

Immer mehr Menschen kaufen ihre Geschenke online. Das zeigen auch die neusten Zahlen der Einzelhändler. Ein Problem für die Läden in den Städten.  
Online-Handel beflügelt das Weihnachtsgeschäft

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.