Verstoß gegen Ethikregeln?

"Kauft Ivankas Sachen": Conway sorgt für neuen Eklat

+
Trumps Spitzenberaterin Kellyanne Conway wirbt für die Mode von Trump-Tochter Ivanka. Foto: Manuel Balce Ceneta

Erst "alternative Fakten", nun "gratis Werbung" für Produkte der Präsidenten-Tochter. Trump-Beraterin Kellyanne Conway löst mit einem Aufruf zum Kauf der Mode von Ivanka Trump eine neue Kontroverse aus. Sie könnte damit gegen die Ethikregeln der Regierung verstoßen haben.

Washington (dpa) - Nachdem Donald Trump die Kaufhauskette Nordstrom wegen der Streichung der Modelinie seiner Tochter aus ihrem Sortiment attackiert hat, legt nun die umstrittene Präsidentenberaterin Kellyanne Conway nach. "Kauft Ivankas Sachen", forderte sie die US-Bürger im Sender Fox auf.

Conway bezeichnete den Appell als "gratis Werbung", die sie für die "wundervolle Kollektion" von Trumps Tochter mache. "Geht und kauft es heute. Ihr könnt es im Internet finden." Sie selbst besitze einige Teile der Modelinie.

Mit dem Aufruf könnte Conway, die zuvor bereits mit der Verwendung des Begriffs "alternative Fakten" zur Beschreibung offensichtlich falscher Tatsachen für einen Eklat gesorgt hatte, die Ethikregeln der US-Regierung verletzt haben. "Es handelt sich um einen klaren Verstoß gegen das Verbot, das öffentliche Amt zum privaten Vorteil zu missbrauchen", sagte Don W. Fox, der ehemalige Direktor der Aufsichtsbehörde Office of Government Ethics, der "Washington Post".

In sozialen Medien versuchten Trump-Unterstützer, Conways Appell mit Hashtags wie "buyivankatrump" zusätzlichen Auftrieb zu geben. Der US-Präsident hatte Nordstrom am Vortag angegriffen, weil sich die Kette entschieden hatte, Ivankas Artikel auszulisten. "Meine Tochter Ivanka wurde von Nordstrom so unfair behandelt", klagte Trump bei Twitter. "Sie ist ein so wunderbarer Mensch - sie bringt mich immer dazu, die richtigen Dinge zu tun! Schrecklich!"

Die Nachricht wurde von Trumps eigenem Twitterprofil abgesetzt, dann jedoch auch vom offiziellen Account des US-Präsidenten @POTUS (President of the United States) weiterverbreitet. Dieses Konto steht Trump erst seit Amtsantritt zur Verfügung, es war unter Vorgänger Barack Obama entstanden und ist nicht für private Zwecke gedacht.

"Dies ist ein Missbrauch des öffentlichen Amts zum privaten Vorteil", sagte Richard Painter, früherer Ethikbeauftragter in der Regierung von Präsident George W. Bush, dem "Wall Street Journal". Es sei zudem ein Machtmissbrauch, denn die Nachricht sei eindeutig - Nordstrom werde so zur "Persona non grata" der Trump-Administration erklärt.

Trumps Sprecher Sean Spicer hatte den Präsidenten später vehement verteidigt: Trump habe jedes Recht, seiner Familie beizustehen. Bei der Entscheidung Nordstroms handle es sich ganz klar um eine direkte Attacke auf die Politik des Präsidenten, insbesondere sein Dekret eines Einreisestopps für Staatsangehörige aus sieben Ländern. Spicer ignorierte damit Statements des Konzerns, der seine Entscheidung mit niedrigen Verkaufszahlen der Kollektion begründet hatte.

Tweet Nordstroms (Englisch)

Trump-Tweet retweetet von @POTUS

Website Citizens for Responsibility and Ethics

WSJ-Bericht

Youtube-Clip vom Conway-Aufruf bei Fox

Washington-Post-Bericht mit Fox-Zitat

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

Airbus übernimmt Steuer bei Bombardiers C-Serie

Überraschung in der Flugzeugindustrie: Airbus steigt bei der C-Serie des kanadischen Konkurrenten Bombardier ein. Der Coup ist politisch delikat - denn Bombardier ist im …
Airbus übernimmt Steuer bei Bombardiers C-Serie

Dax kann Marke von 13 000 Punkten nicht halten

Frankfurt/Main (dpa) - Die Anleger sind am Dienstag in den letzten Handelsminuten in Deckung gegangen. Der Dax beendete den Tag 0,07 Prozent tiefer bei 12 995,06 Punkten.
Dax kann Marke von 13 000 Punkten nicht halten

Banken und Unternehmen machen Druck auf Brexit-Unterhändler

Je länger sich die Brexit-Verhandlungen hinziehen, desto schwieriger wird es für Unternehmen zu planen. Deshalb macht die Wirtschaft zunehmend Druck. Vor allem die …
Banken und Unternehmen machen Druck auf Brexit-Unterhändler

Staat verdient mehr an Rauchern

Wiesbaden (dpa) - Der deutsche Fiskus hat mehr an Rauchern verdient. Im dritten Quartal wurden 7,2 Prozent mehr versteuerte Zigaretten produziert als im …
Staat verdient mehr an Rauchern

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.